In dieser Ausgabe:
>> "Feeling The Heat" - Kunst und Klimawandel
>> Annette Kelm

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Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch die Ausstellung in der 60 Wall Street Gallery. Hier kann man selbst aktiv werden: Zu Isabella Gonzales' Installation 2 Cents Worth (2007) gehören Postkarten, die die Besucher ihren Kongressabgeordneten schicken können, um sie aufzufordern, sich stärker für den Umweltschutz zu engagieren. Ganz friedlichen Zwecken dienen die Seed Bombs – Saatgutbomben, die Kathryn Miller seit 1992 aus Erde, Gelatine und Pflanzensamen fertigt. Als urbaner Guerilla kann damit jeder dafür sorgen, dass auf verödeten Brachflächen wieder Pflanzen sprießen und kleine Biotope entstehen.



Kim Abeles, Presidential Commemorative Smog Plates,
Ronald Reagan, 1992
Courtesy of the artist



Andere Künstler setzen auf Agit-Prop, um den Betrachtern Denkanstöße zu geben. "Veränderungen beginnen mit individuellen Anstrengungen, um dann zu einem kollektiven Phänomen zu werden", erklärt Kim Abeles. Die Künstlerin aus Los Angeles präsentiert ihre Presidential Commemorative Smog Plates (1992) – Porzellanteller mit Porträts amerikanischer Präsidenten. Was von ferne an eine patriotische Ahnengalerie erinnert, entpuppt sich als beißende Kritik an der unzureichenden Umweltpolitik der verschiedenen US-Regierungen. Denn die Gesichter von William McKinley (1897-1901) bis zu George H. W. Bush (1989-1993) bestehen aus Smog, der sich auf dem weißen Porzellan abgelagert hat. Abeles hat die Teller mit Folie beklebt, aus der sie die Gesichtszüge der Präsidenten ausgeschnitten hat. Je gleichgültiger ihnen das Thema Umweltverschmutzung war, desto länger ließ Abeles die Teller auf dem Dach ihres Hauses in Los Angeles stehen. Während Woodrow Wilsons (1913-1921) Teller nur vier Tage in der Luft der autoreichsten Stadt der Welt zubrachte, wurde Ronald Reagan (1981-1989) vierzig Tage lang dem legendären Smog von Los Angeles ausgesetzt. Der Grund dafür ist auf dem Teller in goldenen Buchstaben nachzulesen – in den Vorwahlen erklärte Reagen 1980: "Schätzungsweise achtzig Prozent der Luftverschmutzung stammt von Kohlenwasserstoffen, die von der Vegetation freigesetzt werden. Deshalb lasst es uns nicht übertreiben mit der Einführen und Durchsetzung von strengen Grenzwerten für die vom Menschen verursachten Anteile."


Joel Sternfeld, When It Changed, 2005
Courtesy of the artist and Luhring Augustine, New York


Subtiler ist der Ansatz von Joel Sternfeld. Für seine Serie When it Changed hat er 2005 die Teilnehmer der United Nations Framework Convention on Climate Change im kanadischen Montreal porträtiert. In ihren Gesichtern spiegeln sich die Befürchtungen der Delegierten. Aber auch die Hoffnung auf Veränderungen, die der Titel der Arbeit ebenfalls anklingen lässt. Denn seit der Konferenz hat sich weltweit das Bewusstsein für die Auswirkungen des Klimawandels verstärkt, und immer mehr Staaten unternehmen Anstrengungen, um dieser globalen Herausforderung zu begegnen. Betrachtet man aber die Arbeiten von Isabella Gonzales, Kathryn Miller oder auch Patricia Johansons Zeichnungen, auf denen sie "nachhaltige" Gärten entwirft, die im Einklang mit der sie umgebenden Natur stehen und deshalb weniger Ressourcen verbrauchen, dann vermittelt Feeling the Heat vor allem die Erkenntnis, dass es nicht nur Aufgabe der Politik ist, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Jeder einzelne kann etwas tun. Und Kunst ist ein gutes Medium, um diese Erkenntnis zu vermitteln. Denn, so erklärt Liz Christensen, "eine der großen Stärken der Kunst liegt ja darin, dass sie sich oft ganz ruhig anschleicht, nur um dann umso kraftvoller zuzuschlagen."



Patricia Johanson, Building that Collects Water, 1969
Courtesy of the artist

Feeling the Heat
20. Mai - 24. Oktober
60 Wall Street Gallery
New York City 10005


Achim Drucks

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