In dieser Ausgabe:
>> Interview Friedhelm Hütte / Deutsche Bank VIP Lounge auf der Art Cologne
>> Interview Angelika Stepken / TEFAF 2008 / Pressespiegel True North

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„Es geht uns um die Entwicklung neuer Ideen, teilzuhaben an der Zeit“ Friedhelm Hütte über das aktuelle Kunstengagement der Deutschen Bank



Friedhelm Hütte, Global Head Deutsche Bank Art
Foto: Katrin Denkewitz



Ob bei der Konzeption ihrer Sammlung oder beim Ausstellungsprogramm des Deutsche Guggenheim – dieses Jahr fokussieren sich die internationalen Kunstaktivitäten der Deutschen Bank auf die Förderung junger Talente und das Medium Zeichnung. Ein Interview mit Friedhelm Hütte, Global Head Deutsche Bank Kunst, über die Highlights des diesjährigen Programms.

Wo liegen 2008 die Schwerpunkte des Kunstengagements der Deutschen Bank?

In Bezug auf die Sammlung werden wir uns stärker auf das Medium Zeichnung konzentrieren, auf die erste Idee, den Entwurf, das Konzept, das Handschriftliche. Auf jenes Element, das den kreativen, künstlerischen Prozess auf direkte, unmittelbare Weise widerspiegelt – ein Medium, das uns über Tausende von Jahren begleitet hat. Das ist die Priorität, die wir in der Ausrichtung der Sammlung setzen. Ein weiteres Hauptaugenmerk liegt auf der intensiven Förderung von jungen Talenten, durch Ankäufe für die Sammlung oder die Unterstützung von Einzelprojekten. Es geht uns zugleich darum – wie etwa seinerzeit im Falle von Richard Artschwager – Künstler, die zum Beispiel in Deutschland einer breiten Öffentlichkeit noch nicht so bekannt sind, vorzustellen. Als dritten Punkt gilt es, die Sammlung weiter zu internationalisieren – mit Schwerpunkten auf Kunst aus Lateinamerika und Asien. Indem wir verstärkt auch Leihgaben und internationale Ausstellungen aus der Sammlung ermöglichen – etwa mit Drawing a Tension, einer Schau, die diesen Sommer in Lissabon startet – wollen wir die Sammlung Deutsche Bank noch stärker als bisher schon praktiziert der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Was ist das Besondere an Drawing a Tension?

Wir freuen uns, dass wir dieses Projekt gemeinsam mit der Gulbenkian Foundation realisieren können. Hierfür haben wir den unabhängigen Kurator Jürgen Bock gewonnen, der seit langem in Lissabon lebt. Er hat letztes Jahr auch den portugiesischen Pavillon auf der Venedig Biennale kuratiert. Es geht bei diesem Projekt natürlich auch um das Thema des interkulturellen Austauschs. So wie wir 2006/2007 mit More than Meets the Eye deutsche Fotokunst aus der Sammlung Deutsche Bank in Lateinamerika präsentiert haben, zeigen wir jetzt erstmals eine größere Auswahl unserer Arbeiten in Portugal.

Dieses Jahr sind ja auch erstmals Arbeiten der Villa Romana-Preisträger im Deutsche Guggenheim zu sehen.

Der Villa Romana-Preis ist das am längsten bestehende kulturelle Engagement der Deutschen Bank: Seit mehr als 80 Jahren unterstützen wir diese Auszeichnung. Jetzt verbinden wir dieses Engagement mit dem Deutsche Guggenheim. Freisteller, so der Titel der Schau der diesjährigen Preisträger, wird später auch in Italien zu sehen sein. Der Preis fördert den Nachwuchs.

Gleiches gilt auch für die Kunstpreise, die wir in Polen und mit dem neuen "Kandinsky Prize" jetzt auch in Russland initiiert haben. In beiden Ländern arbeiten wir mit wichtigen Partnern zusammen – vom Kultusministerium bis hin renommierten Ausstellungshäusern. So können wir den vielversprechenden Talenten ein ernstzunehmendes und öffentlichkeitswirksames Forum bieten. Um neue Künstler zu entdecken und zu fördern, sind solche Wettbewerbe ideal.

Nach Freisteller wird Collier Schorr, eine der momentan "angesagtesten" jungen Künstlerinnen in den USA, eine Ausstellung im Deutsche Guggenheim kuratieren.

Das wird ein äußerst spannendes Projekt. Freeway Balconies setzt ebenfalls vorwiegend auf junge Positionen. Collier Schorr wählt dafür Protagonisten der aktuellen US-Szene, die für sie persönlich derzeit besonders herausragen. Auch bei der New Yorker Whitney Biennale fördern wir wieder die Realisierung von Arbeiten junger Künstler. Es geht uns bei all diesen Aktivitäten um die Förderung von Kreativität und die Entwicklung neuer Ideen, darum – wie es das Wort "zeitgenössisch" auch zum Ausdruck bringt – teilzuhaben an der Zeit, Dinge aufzunehmen, neu zu interpretieren.

Und auch bei der Deutsche Bank Lounge für die TEFAF haben Sie einen zeitgenössischen Akzent gesetzt.

Neben Alten Meistern und Antiquitäten spielt auch hier die Kunst der Moderne und der Gegenwart eine immer wichtigere Rolle. So waren in Maastricht letztes Jahr Künstler wie Louise Bourgeois oder Paul McCarthy vertreten. Nachdem wir 2007 eine Videoarbeit von Cai Guo Qiang gezeigt haben, war in der diesjährigen VIP-Lounge die 60-teilige Arbeit DeLuxe der US-Künstlerin Ellen Gallagher zu sehen – sicher einer unserer spektakulärsten Neuankäufe der letzten Jahre.

Und wie steht es mit der Kunst in der Bank?

Mit neuen Vermittlungsangeboten intensivieren wir auch die Zugänglichkeit der Sammlung am Arbeitsplatz. Das neue Motto dazu lautet "Art Works". Im Mai wird die Vernissage zur neuen Sammlungspräsentation im neuen Vorstandsgebäude IBC-C den Auftakt zu diesem Programm bilden. Wenn man die dort gezeigten Werke betrachtet, erkennt man sofort die neue Ausrichtung der Sammlung. Es sind viel mehr internationale Künstler vertreten – so liegt ein Schwerpunkt etwa auf Japan und den USA – und statt Druckgrafiken zeigen wir vor allem Originalzeichnungen. Eine ganze Etage ist ausschließlich für Fotoarbeiten reserviert. Zu unserer Eröffnung werden wir Künstler einladen und Führungen anbieten. Außerdem beteiligen wir uns erneut an der Initiative Kunst privat!, bei der Unternehmen in Hessen in ihre Kunstsammlungen einladen.

In letzter Zeit erschienen einige Zeitungsartikel zu der geplanten Präsentation eines Teils der Sammlung Deutsche Bank im Frankfurter Städel Museum.

Wir setzen unsere jahrzehntelange mäzenatische Verbundenheit mit dem Museum und der Stadt Frankfurt fort, indem wir dem Städel zur Erweiterung seines zeitgenössischen Bestandes bedeutende Meisterwerke zur Verfügung stellen möchten. Dabei handelt es sich um exemplarische Gemälde u.a. von Gerhard Richter, Sigmar Polke und Georg Baselitz, ausgewählte Zeichnungen und druckgraphische Blätter. Sobald die Verhandlungen abgeschlossen sind, werden wir die Öffentlichkeit über Umfang und Inhalt der Zusammenarbeit informieren.

Das Jahr klingt im Deutsche Guggenheim mit Anish Kapoor aus.

Er wird eine Auftragsarbeit für uns realisieren. Anish Kapoor setzt so die Reihe internationaler Künstler fort, die uns die Ausstellungshalle immer wieder neu erleben lassen – wie Gerhard Richter mit seinen minimalistischen, spiegelnden Tafeln oder vor kurzem Phoebe Washburn mit ihrer absurden Pflanzenfabrik. Oder Cai Guo-Qiang, dessen Installation für Berlin, Head on, gerade als Teil seiner eindrucksvollen Werkschau im New Yorker Guggenheim zu sehen ist. Kapoor, den wir auch in unserer VIP-Lounge auf der Art Cologne vorstellen, wird mit einer gigantischen Stahlskulptur die gesamte Architektur der Ausstellungshalle transformieren.

Wie lautet Ihr Wunsch für das Kunstjahr 2008?

Wir möchten noch mehr Menschen an die zeitgenössische Kunst heranführen und sie auch für künstlerische Positionen interessieren, die vielleicht zunächst nicht ganz so leicht zu verstehen sind. Vor allem wünsche ich mir, dass die Begegnung mit der Kunst zum eindrücklichen, nachhaltig wirkenden Erlebnis wird – für unsere Mitarbeiter, unsere Kunden und die Besucher in der Bank und den Museen.

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