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Schwebende Autos, springende Wölfe
Chinas Kunststar Cai Guo-Qiang im New Yorker Guggenheim Museum




Cai Guo-Qiang, Inopportune: Stage One, 2004
Installationsansicht Solomon R. Guggenheim Museum, New York, 2008
© Solomon R. Guggenheim Foundation New York.
Foto David Heald.


Seine spektakulären Feuerwerksinszenierungen haben ihn zu einem der international bekanntesten chinesischen Künstler gemacht. Jetzt widmet das Solomon R. Guggenheim Museum Cai Guo-Qiang die bislang umfassendste Retrospektive. Gleichzeitig ist Cai Guo-Qiang: I Want to Believe die erste Einzelausstellung des New Yorker Museums, die einem in China geborenen Künstler gewidmet ist. Die in enger Zusammenarbeit mit Cai – er lebt seit 1995 in New York – konzipierte Schau präsentiert mehr als achtzig Werke.



Cai Guo-Qian
Self Portrait: A Subjugated Soul, 1985-89
Sammlung Leo Shin
Foto: Courtesy Cai Studio


Einen Schwerpunkt bilden dabei seine mittels Schwarzpulver realisierten Arbeiten: Explosion Events , Feuerwerke, die er weltweit in mehr als zwanzig Städten detonieren ließ und auf Videofilmen dokumentiert hat, sowie die Gunpowder Drawings. 1985 startete er mit dieser Serie großformatiger Zeichnungen, die bei Explosionen von Schwarzpulver auf Papierbahnen entstehen. Auf drei Ebenen der Museumsrotunde können die Besucher der Schau die Entwicklung seiner Arbeiten in diesem außergewöhnlichen Medium verfolgen, das inzwischen zu seinem Markenzeichen geworden ist.


Cai Guo-Qiang, Head On, 2006
Sammlung Deutsche Bank
Installationsansicht Solomon R. Guggenheim Museum, New York, 2008
©Solomon R. Guggenheim Foundation New York. Foto David Heald.

Aber auch einige von Cais bedeutenden Installationen sind in New York zu sehen. Wie Head On – 99 lebensgroße Wölfe, die in einem hohen Bogen gegen eine gläserne Mauer anrennen. Das energiegeladene Raubtierrudel entstand 2006 als Auftragsarbeit für das Deutsche Guggenheim in Berlin. Der Künstler betrachtet es als Sinnbild für "die universelle menschliche Tragödie, die aus diesem blinden Vorwärtsstürmen resultiert, aus der Kompromisslosigkeit, mit der wir versuchen, unsere Ziele durchzusetzen", wie Cai es in einem Interview für db artmag formulierte.


Cai Guo-Qiang, Borrowing your Enemy's Arrows, 1998,
The Museum of Modern Art, New York
Installationsansicht Solomon R. Guggenheim Museum, New York, 2008
©Solomon R. Guggenheim Foundation New York.
Foto David Heald.

Ganz auf die unverwechselbaren Räumlichkeiten des Guggenheim Museums zugeschnitten, bietet die Ausstellung verschiedene neue, ortspezifische Varianten früherer Installationen. Im Atrium der Rotunde lässt Cai für Inopportune: Stage One neun Autos in der Luft schweben – gespickt mit blinkenden Lichtröhren, die das Explodieren der Fahrzeuge simulieren. Für Venice’s Rent Collection Courtyard werden vor Ort lebensgroße Lehmskulpturen gefertigt, was eine ganze Ebene der Museumsspirale in eine dynamische Künstlerwerkstatt verwandelt. Und An Arbitrary History: River, ein gewundener Fluss aus Bambus und Kunstharz, schickt die Besucher in einem Ruderboot auf eine interaktive Reise.



Cai Guo-Qiang,
Asia-Pacific Economic Cooperation Cityscape Fireworks, Shanghai 2001,
Courtesy Cai Studio

Cais vielschichtige Arbeiten fordern den Betrachter auf, sich auf andere Wirklichkeiten einzulassen. Seit den frühen neunziger Jahren hat er rund um den Globus eine Vielzahl von Projekten verwirklicht, bei denen er traditionelle chinesische Kunst und Kultur mit westlichem, postkonzeptionellem Denken verbindet. Ob er seine explosive Kunst auf Papier bannt oder in den Himmel, Brücken, Drachen, schwarze Löcher aus Licht und Farbe erschafft – stets unterminiert er vorgeprägte Wahrnehmungsmuster und konfrontiert den Besucher mit den Widersprüchen einer zunehmend globalisierten Welt. Im nächsten Jahr realisiert Cai Guo-Qiang das publikumswirksamste Projekt seiner Karriere: als Art Director of Visual and Special Effects wird er die Eröffnungs- und Abschlussfeiern zur Sommerolympiade in Peking wesentlich mitbestimmen – ein gigantisches Kunstspektakel für vier Milliarden Fernsehzuschauer.


Cai Guo-Qiang: I Want to Believe
Solomon R. Guggenheim Museum, New York
22. Februar - 28 Mai 2008

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