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Kai Althoff, "Ich meine es auf jeden Fall schlecht mit ihnen",
Installationsansicht Kunsthalle Zürich
Foto A. Burger, 2007. Courtesy Kunsthalle Zürich

Nur wer bereit ist, sich auf diese betörend-verstörenden Zwischenwelten in ihrer eklektizistischen Rätselhaftigkeit einzulassen, dem offenbaren sie ihre aufregend ambivalente, ebenso explosive wie introvertierte Schönheit. Man muss sich von diesen deliriösen Teenie-Wunschwelten in all ihrer verstiegenen Grandezza anstecken lassen, um sich für kurze Zeit zurückbeamen zu können in die gärende Himmelhölle des Erwachsen Werdens. Kai Althof verschmilzt, um nicht zu sagen, fusioniert das klassische Sturm und Drang-Drama von Goethes Leiden des jungen Werther mit den Schmerzens- und Euphorie-Codes zeitgenössischer Jugendkultur. Auch Künstlerinnen wie die Britin Tracey Emin, die Amerikanerinnen Karen Kilimnik und Elizabeth Peyton oder der Georgier Andro Wekua umkreisen mit ihren Arbeiten die Rückzugsreiche, in denen sich Identität allmählich aus geliehenen Egos formt, in denen sie aus Requisiten und Katalogen der Fanverehrung, Tagebüchern, MTV-Videos, Blogs und Youtube-Downloads in mehr oder weniger lustvoll-verzweifelter Koketterie mit multiplen Ichs und Rollenwechseln gebastelt und amalgamiert wird.



Kai Althoff, "Ich meine es auf jeden Fall schlecht mit ihnen",
Installationsansicht Kunsthalle Zürich
Foto A. Burger, 2007. Courtesy Kunsthalle Zürich


In solche eskapistischen Fantasy-Zonen abdriften zu können, ist in der Phase der Adoleszenz überlebensnotwendig. Doch auch später vermögen traumtrunkene Sequenzen zu beglücken, wie sie sich auf Althoffs Bildern immer wieder finden, zum Beispiel sylphidenhafte Frauenkörper, die in Regenbogenfarben durch die Lüfte schweben oder Fabelwesen, die sich orgiastisch miteinander paaren.




Kai Althoff, ohne Titel, 1997/98
Sammlung Deutsche Bank


Inzwischen allerdings scheint sich der Künstler aus den hermetischen Initiationsritualen der Pubertät gelöst zu haben. Nun, wo sie ihn nicht mehr beherrschen, sondern er sich ihrer bedient, öffnet er seine Räume und collagiert und mischt nicht nur Gemälde und Zeichnungen, sondern auch frühere und jüngst entstandene Installationen.

So platziert er vor eine monumentale Gitterkonstruktion mit einer überlebensgroßen Puppe im wallend fließenden, orangefarbenen Gewand, die er vor kurzem in der New Yorker Galerie von Barbara Gladstone gezeigt hatte, eine tischartige Skulptur aus Holz und gelb und pink bemaltem Epoxydharz und verschalt die Wände um das Ensemble herum mit Plexiglasplatten. Gespalten wird das massive Gebilde, das auch irgendwie an einen pompösen Las Vegas-Klavierflügel erinnert, in der Mitte von einer Rinne mit einer rosafarbenen, herbfrisch duftenden Flüssigkeit. Ein Metallhobel mischt die Essenzen mit drohendem Rattern. Wie eine seltsame Passage der Läuterung wirkt dieser Durchgang zwischen zwei Ausstellungsräumen, wie der Maschinenraum oder das Herz der Schau. Hier steht der Altar aller Opfer und Weihen, hier zelebriert Althoff den Abschied vom süßen Vogel Jugend.



Kai Althoff, "Ich meine es auf jeden Fall schlecht mit ihnen",
Installationsansicht Kunsthalle Zürich
Foto A. Burger, 2007. Courtesy Kunsthalle Zürich



Kai Althoff
Ich meine es auf jeden Fall schlecht mit ihnen
Kunsthalle Zürich
bis 13. Januar 2008

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