In dieser Ausgabe:
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Raum im Wandel
Zehn Jahre Deutsche Guggenheim



Als einzigartiges Joint Venture zwischen der Deutschen Bank und der Solomon R. Guggenheim Foundation hat das Deutsche Guggenheim mit seinen Auftragsarbeiten neue Maßstäbe gesetzt. Bedeutende Künstler wie Gerhard Richter, Lawrence Weiner und Hanne Darboven haben speziell für Berlin Werke geschaffen geschaffen, die den Kunstraum immer wieder aufs Neue transformiert haben. Silke Hohmann über den kuratorischen Pioniergeist und neue Perspektiven für die Ausstellungshalle.




Hanne Darboven, Hommage à Picasso, 2006,
Blick in die Ausstellung
Foto © Mathias Schormann,
© Deutsche Guggenheim


Zehn Jahre sind in der Kunst nicht viel. Gemessen an den künstlerischen Entwicklungen, die seit Anbruch der Moderne statt gefunden haben zumindest. Schaut man aber einmal anders, und evaluiert die letzten zehn Jahre anhand der großen Ausstellungen, dann könnte man es auch so sehen: Zehn Jahre, das sind fünf Biennalen von Venedig, zwei Documenta Ausstellungen in Kassel, zehn Messen in Basel, und ein Mal Skulptur Projekte Münster. Von 1997 bis heute hat sich die zeitgenössische Kunst in die breite öffentliche Wahrnehmung vorgearbeitet. Indizien hierfür sind Blockbuster-Ausstellungen, wie die große Saatchi-Schau Sensation 1997, die viele Menschen zum ersten Mal mit zeitgenössischer Kunst in Kontakt gebracht hat, ebenso wie die vielen wichtigen Institutionen in Deutschland, die erst um die Jahrtausendwende auf der Landkarte der Gegenwartskunst auftauchten. Ein weiteres Beispiel ist die deutsche Malerei, die in den vergangenen Jahren plötzlich eine so große Rolle spielte: man denke nur an die "Neue Leipziger Schule", die den Boom der jungen, deutschen figurativen Malerei einläutete.



Neo Rauch, Uhrenvergleich, 2001,
© VG Bild Kunst, Bonn, 2007,
Courtesy Galerie EIGEN+ART Leipzig/Berlin,
David Zwirner, New York,
Foto Uwe Walter

Zur Erfolgsgeschichte dieser jungen Malerei gehört auch Neo Rauchs erste museale Einzelpräsentation mit Werken aus der Sammlung Deutsche Bank, die 2001 im Deutsche Guggenheim stattfand. Damals ahnten nur die wenigsten, welchen kometenhaften Aufstieg Rauchs Karriere noch nehmen sollte. Und doch war es die Ausstellungshalle Unter den Linden, in der auch Experten wie Lisa Dennison, die damalige Chefkuratorin des New Yorker Guggenheim Museums, auf die außergewöhnliche Qualität von Rauchs Arbeiten aufmerksam wurden. Rauchs Galerie Eigen+Art bezeichnet die Schau im Deutsche Guggenheim noch heute als Wendepunkt in der Laufbahn des Künstlers. Und tatsächlich ist sie exemplarisch für das, was das Haus bieten kann: nicht nur flankierende Ergänzungen zum öffentlichen Museenbetrieb, sondern durchaus entscheidende Impulse für die internationale Kunstszene.



Douglas Gordon's The VANITY of Allegory, 2005
Blick in die Ausstellung,
Foto: Mathias Schormann,
© Deutsche Guggenheim, Berlin


Inzwischen ist das Deutsche Guggenheim aus der Berliner Kulturszene nicht mehr wegzudenken und erzielt Besucherzahlen, die sich mit anderen überaus erfolgreichen Ausstellungshallen wie etwa die um einiges größere Schirn in Frankfurt messen lassen können. Dabei hatte es bei seinem Start vor zehn Jahren nicht unbedingt die besten Voraussetzungen, um vom einheimischen Publikum angenommen zu werden. Das war auch den Initiatoren klar: "Der Standort Berlin ist kulturell, auch im Museumsbereich, außerordentlich gut besetzt", sagt Friedhelm Hütte, Direktor der Deutschen Bank Kunst. Und für zeitgenössische Kunst ist die Berliner Galerienszene eine der umtriebigsten auf der Welt. Doch gerade der Wettbewerb um Aufmerksamkeit, der bereits Ende der Neunziger in der aufstrebenden Kunstmetropole Berlin herrschte, bot den idealen Nährboden für ein einmaliges Joint Venture zwischen Deutscher Bank und Solomon R. Guggenheim Foundation - eine Form der Kooperation, wie sie in Deutschland noch völlig neu war.



Gerhard Richter: ACHT GRAU, 2002, Blick in die Ausstellung,
Foto: Mathias Schorman,
© Deutsche Guggenheim Berlin


Innovativ war auch das Konzept für das Ausstellungsprogramm: Jährlich entsteht hier eine Auftragsarbeit, die den besonderen Standort thematisieren soll - die historische Lage mitten im Zentrum der wiedervereinten Hauptstadt, die Verbindung zwischen Geldinstitut und musealer Institution, europäischen und amerikanischen Strömungen der Gegenwartskunst. Etablierten Künstlern wie Lawrence Weiner oder Gerhard Richter gab dieses Modell Anregung zu sehr unterschiedlichen ortsbezogenen Arbeiten. Während Weiners 2000 entstandene, konzeptionelle Arbeit NACH ALLES/AFTER ALL vom Werk Alexander von Humboldts inspiriert war, setzte sich Gerhard Richters Acht Grau 2002 unmittelbar mit dem Raum auseinander. Seine an die Wand montierten Glasplatten waren vieldeutige Objekte an der Grenze zwischen Malerei, Skulptur und Architektur. Auf Wunsch des Künstlers wurde das undurchsichtige Glas der auf den Boulevard Unter den Linden öffnenden Fenster des Deutsche Guggenheim durch transparente Scheiben ersetzt. Die grau emaillierten Glasflächen reflektierten so nicht nur den Innenraum und die Besucher, sondern bezogen auch die Außenwelt mit ein.



James Rosenquist, The Swimmer in the Econo-mist, 1998,
Blick in die Ausstellung, Foto: Mathias Schormann,
© Deutsche Guggenheim


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