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Auf alle Fälle Avantgarde
Art Chronika und Deutsche Bank vergeben erstmals den "Kandinsky Prize" in Russland



Er war die Avantgarde. 1911 zeigte Wassily Kandinsky dem staunenden Publikum seine ungegenständliche Komposition V und ebnete damit den Weg in die abstrakte Kunst. Der Pioniergeist des russischen Malers ist oft bewundert worden – und nun gibt es sogar in Russland einen Kunstpreis mit seinem Namen: Der "Kandinsky Prize" für zeitgenössische Kunst, der erstmals am 4. Dezember dieses Jahres in Moskau vergeben wird, transportiert den Avantgarde-Gedanken ins 21. Jahrhundert. Ausgelobt wird der Preis vom ArtChronika – Russlands führendem Magazin für zeitgenössische Kunst, Antiquitäten und Kunstwissenschaft – in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank.

Das Ziel des "Kandinsky Prize" ist es, die zeitgenössische russische Kunst zu fördern und einen Einblick in die interessantesten Trends und Positionen der russischen Künstlerszene zu bieten. In diesem Zusammenhang ist er bereits mit dem Turner Prize verglichen worden, der in analoger Weise Protagonisten der englischen Kunstszene ehrt. Der "Kandinsky Prize" ist die höchstdotierte Auszeichnung für zeitgenössische Kunst in Russland und wird in vier Kategorien vergeben: "Bester Künstler" (40.000 Euro), "Bester junger Künstler unter 30 Jahren" (dreimonatiger Aufenthalt in der Villa Romana in Florenz), "Bestes Medienkunst-Projekt" (10.000 Euro), "Publikumspreis" (5000). Die teilnehmenden Künstler müssen in Russland beheimatet sein.

Im Vorfeld der Preisvergabe werden die Künstler, die für die Shortlist ausgewählt wurden, in Ausstellungen in St. Petersburg und Moskau präsentiert – ganz im Sinne der Schöpfer des "Kandinsky Prize", die mit ihrer Initiative eine enge Zusammenarbeit mit Museen und Galerien anstreben.

"Unser Ziel ist es Partnerschaften mit bedeutenden öffentlichen und privaten Institutionen einzugehen, die an den kulturellen Entwicklungen in Russland interessiert sind", sagen die Gründer des Kunstpreises. Schon aus diesem Grund ist geplant, die Ausstellung der nominierten Künstler nach der Preisverleihung auch in Deutschland, Großbritannien oder den USA zu zeigen. Auch der dreimonatige Stipendiumsaufenthalt des "Besten jungen Künstlers" in der Villa Romana unterstreicht den Willen zur institutionellen Zusammenarbeit. Die Villa, die von der Deutschen Bank als Hauptsponsor unterstützt wird, hat sich, genau wie der "Kandinsky Prize", der Förderung junger Kunst verschrieben.

Der Jury des "Kandinsky Prize" werden neben Veretern der Deutsche Bank und einem renommierten Künstler auch bekannte russische und internationale Kunstkritiker und Kuratoren angehören. Die hochkarätige Expertenrunde wird durch eine Stimme vervollständigt, die aus den Reihen des Kuratoriums stammt. Auch in diesem Gremium sitzen ausnahmslos bedeutende Player – neben Shalva Breus, dem Verleger von ArtChronika Magazine und Dr. Tessen von Heydebreck ( Deutsche Bank Group) auch noch Petr Aven (Präsident der Alfa-Bank, Russland), Victor Pinchuk (Gründer von Interpipe, Ukraine), Konstantin Ernst (Präsident von Channel One, Russland), Samuel Keller (ehemaliger Direktor der Art Basel und zukünftiger Direktor der Fondation Beyeler) sowie der russische Kulturminister.

Bis zum 15. August ist die Jury nun erst einmal damit beschäftigt, die Künstler für die Shortlist des "Kandinsky Prize" zusammenzustellen. Und dann heißt es, angesichts der steigenden Spannung, die Geduld zu bewahren. Bis im Dezember der Künstler gekürt wird, der tatsächlich würdig ist, in die Fußstapfen des großen Avantgardisten zu treten.

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