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Tatsächlich ist Brice Marden dafür bekannt, dass er sehr lange an einem Bild arbeitet. An The Propitious Garden of Plane Image, Second Version und The Propitious Garden of Plane Image, Third Version, hat er sechs Jahre gearbeitet, von 2000 bis 2006. Es freut ihn, dass diese beiden großen Versionen, die rund zwei mal sieben Meter messen, nun in Berlin nebeneinander zu sehen sind. In San Francisco hingen eine kleinere, ein Meter zehn mal drei Meter sechzig messende Version und eine große Version nebeneinander, während es in New York nur möglich war, die beiden großen Versionen einander gegenüber zu hängen. Jetzt, in Berlin, lassen sie sich endlich direkt vergleichen. Darüber freut er sich enorm, denn damit wird der große Unterschied zwischen den beiden Ausführungen erkennbar.



Brice Marden: The Propitious Garden of Plane Image, Third Version
(Photographed unfinished in May 2006), 2000-2006
Collection the artist. Courtesy Matthew Marks Gallery, New York
©2006 Brice Marden/Artists Rights Society (ARS), New York


Liegt er in der dichteren Linienführung der dritten Version und vor allem der größeren Leuchtkraft ihrer Farben? Ja. Überhaupt stechen hier seinem Empfinden nach andere Farben hervor als in New York oder San Francisco. Die Ausstellungssituation beschäftigt ihn. In New York habe es kaum natürliches Licht gegeben, in San Francisco dafür zu viel. Die Räume mussten abgedunkelt werden. Im natürlichen Licht des letzten Ausstellungsraums des Hamburger Bahnhofs entdecke er plötzlich einen gewalttätigen Aspekt in den beiden Versionen von The Propitious Garden of Plane Image, den er so zuvor nicht gesehen habe. Über das Licht in den anderen Räumen des Hamburger Bahnhofs ist er sich nicht sicher. Auf ihn wirke es sehr natürlich, meint er, obwohl es wahrscheinlich eine Mischung aus Kunstlicht und natürlichem Licht sei. Jedenfalls gefällt es ihm. Es sei ein strahlend helles, kräftiges, natürliches Licht. Die Gemälde erschienen sehr farbig. Er habe sie im Übrigen unter einem ähnlichen, kraftvollen natürlichen Licht gemalt.



Brice Marden: 6 Red Rock I, 2000-2002
Robert and Jane Meyerhoff Collection, Phoenix, Maryland
©2006 Brice Marden/Artists Rights Society (ARS), New York


Wie sieht die Situation eigentlich aus, wenn er malt? "Welche Rolle spielte oder spielt Musik für Sie beim Malen?" Zum Beispiel Bob Dylan? Brice Marden ist sich da ganz sicher: "Er sang für mich." – "Oh!" – Er grinst belustigt während er einräumt, dass Dylan für sie alle sang, damals, besteht aber darauf, dass er doch irgendwie speziell für ihn sang. Und wer singt heute für ihn? "Jay-Z". – "Oh!" – Ist das wahr, hört Brice Marden Hip Hop? Seine Belustigung wird größer. Ja, The Propitious Garden of Plane Image sei mit der Hintergrundbegleitung von Rap-Musik und Hip Hop entstanden. Vor allem Jay-Z. In jungen Jahren, als sein Studio in Manhattan war, hatte er den Straßenlärm, der ihn bei der Konzentration auf das Malen gestört hatte, mit Musik weggeblendet. Die Wahl der Musik war damals so wichtig gewesen wie die Wahl der Pinsel. Dann, als er Anfang der neunziger Jahre sein Atelier aufs Land, nach Eagles Mere, Pennsylvania, verlegte, arbeitete er ohne Musik. Obwohl sein derzeitiges Atelier in Rose Hill ebenfalls auf dem Land liegt, in Tivoli, New York, ist er zur alten Art seines Arbeitens zurückgekehrt und definiert mit der Wahl seiner Musik wieder seine Malweise und umgekehrt.



Brice Marden: Untitled # 3, 1986-87
Agnes Gund Collection
©2006 Brice Marden/Artists Rights Society (ARS), New York


Mit Jay-Z lässt sich schließen, dass Brice Marden letztlich ein durch und durch urbaner Künstler ist. Selbst wenn er meint, die Natur sei seine grundlegende Inspirationsquelle: "Meine Malerei kommt aus der Natur." Ich finde es schwierig, das in seinen Bildern zu erkennen, vor allem den bis Mitte der achtziger Jahre entstandenen Gemälden, deren horizontale und vertikale Linien und Flächen für mich eine Geometrie zeigen, die ich der Stadt zurechne. Sie repräsentieren für mich einen urbanen Blick, auf die steil hochragenden Rechtecke der Wolkenkratzer, die uniformen Farbflächen, die die Gebäude, Straßen oder Plätze durch den besonderen Lichteinfall annehmen, verdunkelt durch mächtige Schlagschatten oder fahl und ausgezehrt durch das gleißende Sonnenlicht. Aber das Raster sei ja inzwischen durch die sehr beweglich übereinander gelegten Linien abgelöst? Und so gesehen zeige das Querformat von Adriatic (1972/73) oder Nebraska (1966) doch den vom Horizont geprägten Blick in der freien Natur? Ich muss zugeben, das Vergnügen, sich mit ihm zu unterhalten, steigert sich im Lauf unseres Gesprächs. Und ich muss zugeben, dass ich den Punkt mit der Stadt doch noch machen will. Also frage ich Brice Marden, ob es ein besonderes Gefühl sei, nun in Berlin auszustellen. Ja, denn er hat noch nie in Berlin ausgestellt. Er habe in Kassel ausgestellt, auf der Documenta, die er jetzt aber nicht besucht. Vor allem aber in Köln und in Düsseldorf. Es gab sogar eine Zeit, "in den siebziger Jahren, da hatte ich das Gefühl, in Deutschland besser aufgenommen zu werden und bekannter zu sein als in den USA." Er gehe jedenfalls davon aus, in Berlin auf ein ernsthaft interessiertes Publikum zu treffen, weil "Berlin ja eine sehr aktive Kunststadt ist und ein guter Platz für Malerei."

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