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Exklusives Feuerwerk
Die VIP-Lounge der Deutsche Bank Art auf der Kunstmesse TEFAF




TEFAF 2007
Foto: Loraine Bodewesl


Die nobelste Kunstmesse der Welt ist in diesem Jahr noch nobler geworden: Die TEFAF, kurz für The European Fine Art Fair, zeigte in diesem Jahr erlesene Antiquitäten aus 7000 Jahren sowie Alte Meister und Kunstwerke der Klassischen Moderne. Die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts war über Picasso und Picabia bis hin zu Louise Bourgeois und Paul McCarthy so stark vertreten wie nie zuvor. Und mit Blick auf die gesteigerte Kauffreude der asiatischen Sammler wurde auch der Bereich der Asiatika in diesem Jahr weiter ausgebaut. Passend zu diesen Trends präsentierte die Deutsche Bank Art an ihrem Stand vor der VIP-Lounge eine aktuelle Videoarbeit des chinesischen Kunststars Cai Guo-Qiang.



Eingangshalle zur TEFAF 2007
Foto: Pieter de Vries

Die TEFAF erstrahlte in ihrem 20. Jubiläumsjahr in einem neuen Design: Statt auf das traditionelle Tulpenmeer, setzte die Messe diesmal auf modernistische Sachlichkeit. Ein erleuchtetes Ensemble aus horizontalen, schwarz-weißen Op Art-Streifen führte die Besucher in die Hallen. Auch was die Besucherzahlen anbelangt, stehen die Zeichen auf Reduktion: Weniger ist Mehr. Wie bereits am Eröffnungstag der diesjährigen Armory Show zu beobachten, geht der Trend bei den hochkarätigen Messen zu einem kleineren, aber feineren Klientel, und das nicht nur bei der Preview. Nicht ganz ohne Hintersinn lautete das Jubiläumsmotto "Simply the Best". Die um 15 Prozent auf 71 000 gesunkene Besucherzahl, absichtliches Ergebnis angehobener Eintrittspreise, habe der Messe ein "konstruktiveres Verkaufsklima und eine angenehmere Atmosphäre" beschert, so eine Sprecherin der TEFAF. Gleichzeitig sei die Zahl der Privatjet-Landungen auf dem Flughafen Maastricht-Aachen um 45 Prozent auf gut 200 angestiegen.


Chinesische Tapir-Figur
bei Littleton & Hennessy Asian Art, London


Insgesamt setzte sich die Tendenz fort, dass Sammler moderner Kunst zunehmend auch Werke Alter Meister kaufen, kommentierte einer der Galeristen den Messeverlauf. Zu den gefragten impressionistischen Stücken gehörten Malereien von Degas, Sisley und Caillebotte . Die bislang teuerste antike Bronze Chinas, ein 2200 Jahre alter Tapir, der für 9,23 Millionen Euro angeboten worden war, fand den Weg zurück in ihre Heimat: Ein Privatsammler kaufte das als Weinkanne gearbeitete Tier und will das kostbare Stück nun in einem "bedeutenden chinesischen Museum" präsentieren. Für 11,26 Millionen Euro erwarb ein Privatsammler ein Frauenporträt Picassos von 1936. Doch auch Verkäufe von Werken Braques, Jawlenskys, Campendonks oder von Imi Knoebel und John Chamberlain hätten für einen "hervorragenden Auftritt" der Moderne auf der ursprünglich als Altmeistermesse gegründeten TEFAF geführt.


Cai Guo-Qiang, Illusion II: Explosion Project
Foto: Hiro Ihara, (c) Courtesy of Cai Studio

Die zunehmende Bedeutung der Sektion für Gegenwartskunst unterstrich auch ein prominenter Neuzugang: Während die New Yorker Gagosian Galerie in diesem Jahr nicht dabei war, bot Hauser & Wirth einen spektakulären Einstand. Neben Arbeiten von Paul McCarthy, John Currin und Elisabeth Peyton war am Stand auch eine der gigantischen Spiders von Louise Bourgeois (4 Millionen US- Dollar) zu bewundern. Unübersehbar war auch die enorme Auswahl an Kunstwerken aus dem asiatischen Raum, die in diesem Jahr auf der TEFAF angeboten wurden. Dazu gehörten ebenso archäologische Grabungsfunde, Porzellan oder Möbel der Ming-Dynastie wie auch eine Kamelskulptur mit darauf reitendem Affen aus der Tang-Dynastie (618-906 n. Chr.) für 130.000,- Euro bei Vanderven & Vanderven Oriental Art aus 's-Hertogenbosch.



Video-Installation von Cai Guo-Qiang am Stand der Deutsche Bank Art
Foto: Maria Morais


Ein ganz zeitgenössisches Werk eines chinesischen Kunststars präsentierte hingegen die Deutsche Bank in ihrer VIP- Lounge. Im Eingangsbereich war hier die Videoarbeit Illusion II von Cai Guo-Qiang zu sehen. Das Werk entstand 2006 für seine Ausstellung Head On im Deutsche Guggenheim in Berlin. Auf einer Brache mitten in der Stadt entstand nach den Vorgaben des Künstlers und mit professioneller Unterstützung der Babelsberger Filmstudios ein kleines, typisch deutsch wirkendes Haus, das er mit Feuerwerkskörpern und Raketen füllte. Die im Hintergrund aufragende Ruinenfassade des ehemaligen Anhalter Bahnhofs verlieh der Szenerie eine ganz besondere Aura. Vor dem sich verdunkelnden Berliner Abendhimmel entwickelte sich dann ein faszinierendes Spektakel: in bunten Kaskaden und Sternen explodierte ein 20-minütiges Feuerwerk, bis das kleine Haus in Flammen aufging.


Die VIP-Lounge der Deutsche Bank auf der TEFAF 2007 vorher...
Foto: Maria Morais

Guo-Qiangs explosives Werk wurde auf der TEFAF in einem modernistischen Ambiente gezeigt, das vom Motiv des Feuerwerks inspiriert wurde. In rhythmischer Anordnung verteilt waren an allen Wänden große, bedruckte Spiegel positioniert, die Collagen aus Feuerwerksmotiven, abstrahierten Glam- und Glitzerelementen und sphärischen Ringen zeigten. So paarten sich in der Gestaltung minimalistische und Concept-Art-Tendenzen der Sechziger und Siebziger mit Einflüssen des Fin de Siecle. Feierlich und elegant – so präsentierte sich die VIP-Lounge der Deutschen Bank mit einem Design, das den beeindruckenden Moment von Illusions II mit dem exklusiven Charakter einer Kunstmesse verband, die sich immer stärker auch den Werken der Moderne zuwendet.
Maria Morais



...und nachher
Foto: Maria Morais

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