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"Diese Herausforderung nehmen wir gerne an"
Friedhelm Hütte über die Höhepunkte des Art Summer ’07



Mit ihrem Art Summer ’07 präsentiert die Deutsche Bank in diesem Jahr ein ebenso anspruchsvolles wie spannendes Ausstellungsprogramm. Besonderes Highlight ist dabei die Arbeit, die Isa Genzken für den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig realisieren wird. Im Interview mit db artmag spricht Friedhelm Hütte, Direktor der Deutsche Bank Kunst, über die Hintergründe des aktuellen Kunstengagements.



Friedhelm Hütte, Direktor Deutsche Bank Kunst




db-artmag: Wie kam es zu der Entscheidung, den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig zu sponsern?

Friedhelm Hütte: Es zeichnete sich bereits im Vorfeld ab, dass 2007 mit seinen großen, internationalen Ausstellungen im Sommer ein ganz besonderes Kunstjahr wird. Als Unternehmen, das eine führende Rolle in der Kunstförderung spielt, haben wir überlegt, wie wir einen sinnvollen Beitrag dazu leisten können. Dabei kamen wir natürlich auch auf die Biennale in Venedig. Wohl kein anderes Kunstereignis der Welt lässt Besucher die Gegenwartskunst so sinnlich erleben. Wer einen Eindruck der vielfältigen Strömungen bekommen will, die die Szene inspirieren, sollte unbedingt nach Venedig kommen. Die Biennale bietet sowohl ein Forum für junge Kunst als auch die Möglichkeit, Arbeiten von weltbekannten Künstlern in neuen Zusammenhängen zu sehen.



Isa Genzken im Hotel Danieli, Venedig
Foto: Bernd Bodtländer

Isa Genzken oder etwa Ed Ruscha, der vor zwei Jahren den Amerikanischen Pavillon bespielt hat, sind Legenden und geben zugleich Impulse für die junge Generation. Als Nicolaus Schafhausen, der Kurator des Deutschen Pavillons, mich anrief und fragte, ob wir als Hauptsponsor mitmachen wollten, war das also fast wie eine Fügung. Es hat einfach alles gestimmt: der Ort, die Zeit, die Partner. Ich bin sicher, dass Isa Genzkens Arbeit das internationale Publikum begeistern und gleichzeitig herausfordern wird – und genau das wünschen wir uns für den Einstand als Hauptsponsor.

Was fasziniert Sie persönlich an Isa Genzkens Arbeiten?

Natürlich begeistert es viele Menschen, dass Genzkens Werk immer wieder neue Wendungen nimmt. Was ich aber am erstaunlichsten finde, ist wie sie die Möglichkeiten der Skulptur kontinuierlich auslotet. Während auf dem Kunstmarkt gerade die "Rückkehr zur Skulptur" beschworen wird, fragt man sich, wer tatsächlich etwas Substanzielles im Bereich der Skulptur leistet – und ich meine dabei ganz ausdrücklich nicht die Installation. Isa Genzken schafft es wirklich, das Thema Skulptur wieder spannend zu machen.


Brice Marden, 6 Red Rock 1, 2000-2002
Robert and Jane Meyerhoff Collection, Phoenix, Maryland
©2006 Brice Marden/Artists Rights Society (ARS), New York


Viele erinnern sich noch an den Blockbuster Das MoMA in Berlin, der 2004 von der Deutschen Bank als Hauptsponsor unterstützt wurde. Damals wurden prominente Meisterwerke aus dem Museum of Modern Art gezeigt. In diesem Sommer fördert die Bank die Brice Marden-Retrospektive im Hamburger Bahnhof, bei der seine seriellen und monochromen Bilder zu sehen sind. Und auch Isa Genzkens Werk ist nicht gerade "leichte Kost". Sämtliche Ausstellungen des Art Summers appellieren an eine gewisse Offenheit. Muten Sie den Besuchern vielleicht zu viel zu?

Nein, ich glaube eher, dass der Betrachter häufig unterfordert wird, dass es bei Sponsoren und Institutionen viel zu oft so etwas wie eine Schere im Kopf gibt und alles ausgeblendet wird, was zu anstrengend sein könnte. Ich finde diesen vorauseilenden Gehorsam lähmend. Ich glaube an anspruchsvolle Projekte. Wir brauchen dabei selbstverständlich überzeugende Konzepte, gut gemachte Kataloge, Führungen und Begleitprogramme, die einen Zugang auch zu schwierigen Arbeiten vermitteln. Diese Herausforderung nehmen wir gerne an. Wir helfen nicht nur, die Brice Marden-Ausstellung nach Berlin zu holen, sondern bringen zum Beispiel auch deutsche Fotografie aus unserer Unternehmenssammlung nach Lateinamerika, wo sie zurzeit mit der Ausstellung More than meets the eye durch viele Metropolen tourt. Mit unseren Projekten leisten wir oft Pionierarbeit, etwa wenn wir im Deutsche Guggenheim Matthew Barney erstmals gemeinsam mit Joseph Beuys zeigen. Diese Ausstellung ist im Sommer übrigens auch in Venedig in der Peggy Guggenheim Collection zu sehen. Im Rahmen des Art Summers stellen wir aber auch Newcomer wie Phoebe Washburn vor. Das hat in der Unternehmenskultur der Deutschen Bank Tradition. Vor über 25 Jahren war die Idee Kunst für alle Mitarbeiter zu erwerben und am Arbeitsplatz zu zeigen, ja auch revolutionär.

Auf welche Höhepunkte des Art Summers freuen Sie sich am meisten?

Ich freue mich natürlich auf alle Ausstellungen. Aber um ganz ehrlich zu sein: Am tollsten wäre es, zusammen mit Isa Genzken und Matthew Barney in einer Gondel durch Venedig zu fahren
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