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Diskussionsstoff im Stadtzentrum
Die Deutsche Bank fördert Isa Genzkens Arbeit für die skulptur projekte münster




Isa Genzken, Elefant, 2006
Courtesy neugerriemschneider, Berlin


Rollstühle, Schlafsäcke und Kleiderbügel, die sie zu Silhouetten von Soldaten gebogen hat – wer Isa Genzkens Material-Assemblagen vor kurzem in der New Yorker Galerie David Zwirner sehen konnte, weiß, dass ihre Arbeiten für Münster garantiert Stoff für heiße Diskussionen liefern werden. In der westfälischen Universitätsstadt wird die Künstlerin dieses Jahr an den "skulptur projekten münster" teilnehmen und – unterstürzt von der Deutschen Bank – eine Gruppe von Skulpturen unweit des Doms installieren.



Isa Genzken: ABC, 1987
©LWL-Landesmuseum

Bei den Kunstaktivitäten der Deutschen Bank spielt Isa Genzken dieses Jahr eine zentrale Rolle: Sie ist die Künstlerin des Deutschen Pavillons auf der Biennale in Venedig, den die Bank erstmals als Hauptsponsor fördert. Und ihre Arbeiten sind im Rahmen von Affinities, der Jubiläumsausstellung des Deutsche Guggenheim, sowie in der Deutsche Bank VIP-Lounge auf der Art Cologne zu sehen. Zu den skulptur projekten wurde die Künstlerin dieses Jahr bereits zum dritten Mal eingeladen. Für die renommierte Ausstellung, die nur alle zehn Jahre stattfindet, realisieren internationale Künstler Arbeiten im öffentlichen Raum.

Äußerst umstritten war Isa Genzkens erster Beitrag für die Ausstellungsreihe in Münster. An einer Seitenfassade der Universitätsbibliothek platzierte sie 1987 ein fast 15 Meter hohes Doppeltor aus Beton, das von zwei fensterartigen Metallrahmen gekrönt wurde. Ihre fragil wirkende Skulptur ABC verwies deutlich sichtbar auf die die statischen Kräfte des Tragens und Lastens – Grundprinzipien der modernen Skelettbauweise. Der Betonbogen bildete so einen Gegenpart zum Bibliotheksgebäude, das seine Konstruktion hinter einer vorgeblendeten Fassade verschleiert. Isa Genzken machte so den Rohbau, den konstruktiven Kern des Gebäudes, wieder sichtbar. Doch die kühle Poesie ihrer Torskulptur war der Stadt Münster zu sperrig. Nach Ende der Ausstellung bezahlte sie mehr dafür, die Arbeit wieder zu entfernen, als die Aufstellung gekostet hatte.



Isa Genzken, Vollmond, 1997,
Foto Roman Mensing/artdoc.de,
©LWL-Landesmuseum



Zehn Jahre später wurde die Künstlerin wieder zu "skulptur projekte" eingeladen und lies diesmal den Mond über einem Münsteraner See in der Innenstadt aufgehen. Mit einfachsten Mitteln – einem Stahlmast und einer leuchtenden Milchglaskugel – erweckte sie eines der beliebtesten romantischen Stimmungsbilder zum Leben. Für die Zeit der skulptur projekte stand das konservative Münster sozusagen jede Nacht unter dem mystischen Einfluss des Vollmonds, der, wie Isa Genzken zu ihrer Installation schrieb, "uns alle ein bisschen verrückter macht als sonst." Und vielleicht auch etwas offener für zeitgenössische Kunst.

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