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Klang im Bild
Deutsche Bank fördert Ausstellung zur Musik in der Kunst der Moderne





Gerwald Rockenschaub,
Color foil on Alucore, aluminium frame, 2001,
Courtesy Galerie Mehdi Chouakri, Berlin

Funky minimal. Gerwald Rockenschaubs signethaftes Bild eines DJ-Decks kommt gleichzeitig kühl und elegant daher: Geometrische Formen in nüchternen Farben, schwarz, weiß und grau. Nur die Platte, die gerade läuft, taucht er in ein leuchtendes Rot. Die Farbe wirkt wie ein Symbol für die Energie, die die Musik in die Discos transportiert. Clubs sind für den in Berlin lebenden Österreicher vertrautes Terrain. Neben seiner Arbeit als Künstler legt er Platten auf und produziert elektronische Musik. Die nüchterne Ästhetik sowie das Sampling vorhandener Motive verbinden die experimentellen Techno-Tracks und seine mit standardisierten Industriefarben gefertigten Bilder. Wie Carsten Nicolai, der ebenfalls an der Schnittstelle zwischen Kunst und Musik arbeitet, ist Rockenschaub einer der Protagonisten der Gegenwartskunst, die in der Ausstellung Klang im Bild vertreten sind. Die umfangreiche Schau in den Rüsselsheimer Opelvillen beschäftigt sich mit dem Phänomen der Musik in der Kunst von der Klassischen Moderne bis in die Gegenwart.



Carsten Nicolai, fades p04, 2006
Courtesy Galerie EIGEN + ART, Leipzig, Berlin
Foto: Uwe Walter, Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn 2007


Gefördert wird die Ausstellung wird von der Deutschen Bank, die auch mehrere Arbeiten aus ihrer Sammlung beigesteuert hat. Wie etwa Paul Klees Aquarell Töpferei (1921), in dem der Sohn eines Musiklehrers und einer Sängerin die Konstruktionsgesetze der Fuge auf seine Kunst anwendet. Töpferei – eine Variation seines Aquarells Fuge in Rot – ist aus einfachen Formen wie Dreiecken, Kelchen und Tropfen aufgebaut. Ihre Silhouetten überlagern sich wie die Töne eines Musikstücks. Klee, der bis 1906 seinen Lebensunterhalt als Geiger bestritt, war von der Musik fasziniert. Seine Passion teilte er mit vielen Künstlern der Klassischen Moderne. Ging es ihm mehr um die konstruktive Seite, beschäftigte sich Wassily Kandinsky mit den Verbindungen von Farben und Klängen. Die Auseinandersetzung mit der Musik war ein wichtiger Einfluss auf seinen Weg in die Abstraktion. Sein Aquarell mit rotem Fleck (1911) aus der Sammlung Deutsche Bank zeigt wie er musikalische Stilmittel – Harmonien, Dissonanzen und Improvisationen – bildnerisch umgesetzt hat.



Wassily Kandinsky, Trüber Aufstieg, 1924
Sammlung Deutsche Bank
©VG Bild-Kunst, Bonn 2007



An Kandinsky knüpft nach dem Zweiten Weltkrieg die Malerei des deutschen Informel an. In Klang im Bild sind zwei abstrakte Gemälde von Ernst-Wilhelm Nay zu sehen, der sich von Komponisten der Neuen Musik wie Schönberg, aber auch Nono und Stockhausen inspirieren ließ. In den Sechzigern fing die Kunst dann schließlich an, ihre eigenen Töne zu erzeugen. Die Apparaturen der Kinetischen Kunst wie Walter Giers' Musikbild setzten akustische in visuelle Reize um. Ein Verfahren, das wieder aktuell ist: Auch die Kanadierin Angela Bulloch bringt die Musik zum Leuchten. Nur dass sie sich bei ihrer Arbeit Rock’n’Roll Star (2005) neuester digitaler Technologien bedient, um den Beat von The Byrds und Patti Smith in regenbogenfarbenen Lichtmustern auf einer Leinwand pulsieren zu lassen.

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