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"Wie ein UFO"
Art Cologne und VIP-Lounge der Deutschen Bank im Spiegel der Presse



Die 40. Ausgabe der weltweit ältesten Messe für moderne Kunst, Art Cologne, stand im Zeichen des Wandels. Messedirektor Gérard A. Goodrow hatte die Zahl der Aussteller deutlich reduziert. Die letztes Jahr neu eingerichtete Sektion "Open Space" wurde vergrößert, der Eingangsbereich zur Messe generalüberholt, die Gänge verbreitert. Ab dem nächsten Jahr wird die Art Cologne in den April vorverlegt und sie expandiert – im Herbst wird eine Dependance in Palma de Mallorca eröffnen. Die Deutsche Bank, die die Messe sponsert, war mit einer von Karim Rashid gestalteten VIP-Lounge in Köln präsent und veranstaltete Symposien zu Themen rund um den Kunstmarkt.



Die von Karim Rashid gestaltete VIP-Lounge der Deutschen Bank
auf der Art Cologne von Aussen

Neben zehn lebenden Pferden, die in ihrer geräumigen Koje eine Installation von Jannis Kounellis aus dem Jahre 1969 wiederauferstehen ließen und für kräftigen Stallgeruch in den Messehallen sorgten, war die VIP-Lounge der Deutschen Bank eine der Hauptattraktionen auf der diesjährigen Art Cologne. Im Vorfeld der Messe führte Inken Herzog von Decoration , dem Medienpartner der Lounge, ein ausführliches Interview mit Dr. Ariane Grigoteit. Darin beschreibt die Direktorin der Deutsche Bank Art Rashids Design: "Die Lounge kann man im Grunde wie ein Ufo betrachten, das auf der 40. Art Cologne landen wird. Es gibt ausschließlich runde Formen, keine eckigen, und alle Wände sind geschwungen. Rashid wollte ursprünglich sogar seine eigenen Bilder aufstellen. Wir haben aber nun entschieden, dass wir Stücke aus unserer Sammlung nehmen, denn das Rashid-UFO wird ja dort landen, gerade um zu zeigen, wie besonders unsere Sammlung funktioniert."


Der Eingang zur VIP-Lounge

Sie erklärt auch, was die Kunstphilosophie der Sammlung Deutsche Bank und Rashids Design miteinander verbindet: "Der Drang nach vorne zu schauen, zu überlegen, was würde ein Schritt für die Zukunft bedeuten? Was für mich positiv überraschend an Rashid ist, sind seine sozialen Komponenten. Er schafft Plätze, die Menschen verbinden, und das ist im Grunde der Gedanke unserer Sammlung: einen Zugang zu verschaffen, zeitgenössische Ideen erkennbar werden zu lassen und gemeinsam zu diskutieren. Da kommt Architektur aus Amerika, ist aber inspiriert von Rashids ägyptischer Herkunft. In diesem Sinne ist die Lounge für mich ein kleines Spiegelbild der neuen, internationalen Bewegungen, bei denen aus der gesamten Welt etwas zusammenkommt und niemand mehr national zuzuordnen ist. Ich glaube, wenn die Messe Köln mit solchen Projekten arbeitet, hat sie gute Chancen, unter den internationalen Messen ganz vorn mitzuspielen!"

Vernissage-TV widmete dem futuristischen Environment einen ganzen Beitrag und auch Carl Friedrich Schröer von der Kunstzeitung war begeistert: "Karim Rashids völlig eigene Interpretation des Gesamtkunstwerks" erschien auch ihm "wie ein UFO". Die neonbunte Lounge des "Trendsetters des internationalen Design-Jetsets" mit ihrem "außerordentlich anregenden Ambiente" empfand er als "galaktisch und fremd, doch ungewöhnlich einladend". In der gleichen Messeausgabe der Kunstzeitung berichtete Marion Leske über das Symposium "Kunst und Recht", eine Kooperation zwischen Deutsche Bank und der Financial Times Deutschland, wo "namhafte Referenten" darüber informierten, "was Kunsthändler, Sammler und Künstler alles wissen müssten, um sich im Dschungel der Paragraphen zurechtzufinden".


Futuristische Formen in der VIP-Lounge


Innenansicht der VIP-Lounge


Die Orientierung auf der Kölner Messe dagegen fiel den rund 70.000 Besuchern diesmal wesentlich leichter als in den Jahren zuvor: "Der Kunst-Dschungel hat sich gelichtet, präsentiert sich übersichtlicher, qualitativ markanter und einladender für den Besucher", so Anette Schroeder in der Kölnischen Rundschau . Die Entscheidung von Messechef Gérard A. Goodrow, die Zahl der Aussteller drastisch zu reduzieren, wurde von der Presse sehr positiv aufgenommen. "Durch die Reduktion um rund 80 Galerien gegenüber dem Vorjahr ist die zuletzt arg unübersichtliche ‚Mutter der Kunstmessen' schlanker und frischer geworden", schreibt etwa Johanna Di Blasi in der Hannoverschen Allgemeinen. "Fast spürbar atmet die in die Jahre gekommene Kunstmesse in diesem Jahr durch" heißt es in der Baseler Zeitung.

Und auf Artnet bemerkt Henrike Schulte: "Auch am äußeren Erscheinungsbild der Messe wurde gefeilt. Die Gänge sind weiter und luftiger geworden, ebenso die Kojen- und Aufenthaltsbereiche und der Eingangsbereich zur Messe ist so aufwändig gestaltet, dass selbst Basel neidisch werden könnte." Auch Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau ist von der Jubiläumsausgabe der Art Cologne durchaus angetan: "Streift man heute über die von ihrem Direktor Gérard A. Goodrow sichtlich großzügiger gestaltete Messe, ist der Flohmarktcharakter von einst gänzlich verschwunden und vollends dem Musealen gewichen. Die Art Cologne mag nicht mehr die wichtigste Kunstmesse sein, aber sie könnte die schönste werden. Dazu gehört eine merkliche Verlangsamung ihrer Wirkung auf den Besucher, der wieder das Flanieren lernt."



Arbeiten von Marc Quinn in der VIP-Lounge

Doch wie viele andere seiner Kollegen weist auch Kothenschulte auf die abnehmende Bedeutung der "ehemaligen Kunstmetropole" Köln und damit auch ihrer Kunstmesse hin. Denn die Konkurrenz ist mittlerweile sehr stark. "Einst genoss die Stadt im Rheinland ein Monopol und zog die wichtigsten internationalen Galeristen und Sammler an, doch mittlerweile gibt es schon zehn wichtige europäische Konkurrenten - davon allein drei in Deutschland und noch die Art Basel direkt hinter der Grenze in der Schweiz", schreibt David Galloway in der International Herald Tribune. Und Georg Imdahl beklagt im Kölner Stadtanzeiger : "Immer mehr einflussreiche Galerien gehen zu anderen Messen. Mit ihrem Ausbleiben dezimiert sich die internationale Sammlerschaft. So ist die ‚Mutter aller Kunstmessen' in den vergangenen Jahren aus der Spitze der globalen Verkaufsmärkte herausgefallen. Auch die strategisch richtige Verringerung der Teilnehmerzahl, mit der noch vorhandene Qualitäten verdichtet werden sollen, weist keinen direkten Weg zurück in die Liga von Maastricht, Basel, London, Miami Beach." Für Swantje Karich von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung "ist die Messe noch nicht wieder bei ihrer Bestform angekommen. Der Anschluss an die internationale Spitze muss im Frühling 2007 passieren. Die aktuelle Ausgabe ist solide, aber ohne den Glanz."



Innenansicht der Deutsche Bank VIP-Lounge

Doch mit viel gelobten Sonderschauen wie etwa "Open Space", die "im vergangenen Jahr erstmals organisierte Oasen-artige Freifläche für die Kunst ohne einengende Kojenwände" (Bonner Generalanzeiger ) scheint die Art Cologne auf dem richtigen Weg. In der "lässigen Ausstellungslandschaft", so die Stuttgarter Zeitung, zeigten Galerien wie David Zwirner aus New York, Krinzinger aus Wien oder Buchholz aus Köln vor allem junge Positionen. Auch für Christiane Hoffmans von der Welt "die vielleicht interessanteste Abteilung der Messe". "Köln reitet wieder" betitelt Ralf Niemczyk von der taz seinen Artikel zur Art Cologne. Er jedenfalls registriert in den Messehallen "eine trotzige ‚Jetzt erst recht'-Stimmung und zieht das Fazit: "Am Rhein eher Frühlingsgefühle statt Totentanz."