In dieser Ausgabe:
>> Barney & Beuys im Deutsche Guggenheim / All the Best
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All in the Present Must Be Transformed
Matthew Barney und Joseph Beuys im Deutsche Guggenheim



Zwei Heroen der Gegenwartskunst lässt die Ausstellung „all in the present must be transformed: Matthew Barney and Joseph Beuys“ aufeinander treffen. Dabei offenbaren sich zahlreiche überraschende Berührungspunkte zwischen dem Schamanen und politischen Visionär aus Deutschland und Amerikas geheimnisvollem Faun der Postmoderne. Kuratorin Nancy Spector stellt die Schau vor, die bis zum 12. Januar im Berliner Deutsche Guggenheim zu sehen ist.


Matthew Barney im Solomon R. Guggenheim Museum, New York, 2003
Foto: David Heald,
©Solomon R. Guggenheim Foundation, New York


all in the present must be transformed: Matthew Barney and Joseph Beuys präsentiert das Werk zweier Künstler, die trotz ihrer zeitlichen und räumlichen Trennung zahlreiche ästhetische und konzeptuelle Gemeinsamkeiten aufweisen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die metaphorische Materialbehandlung, die transformatorische Zielsetzung sowie die Beziehung zwischen Aktion und Dokumentation in der Praxis von Joseph Beuys und Matthew Barney. Dass dabei auch philosophische Differenzen in Erscheinung treten – verstärkt durch den Generationssprung von der Moderne zur Postmoderne –, vertieft unser Verständnis des spezifischen Werkcharakters.


Joseph Beuys, 1979, Foto: Mary Donlon
©The Solomon R. Guggenheim Foundation,
New York


Skulpturen
Joseph Beuys’ Terremoto (1981) entstand in Rom im Rahmen einer Aktion zur Unterstützung der italienischen Zeitung Lotta Continua. Die Installation verknüpft mehrere Erzählebenen. Die Setzmaschine symbolisiert die Macht des gedruckten Worts, Gedanken weiterzuverbreiten. Sie ist mit Manifesten beklebt, die auf die Fragen soziales Engagement, Umweltschutz und freie Meinungsäußerung aufmerksam machen.



Joseph Beuys,Terremoto, 1981,
Solomon R. Guggenheim Museum, New York
Foto David Heald,© Solomon R. Guggenheim Foundation, New York,
©2006 Artists Rights Society (ARS), New York / VG Bild-Kunst, Bonn

Die Tastatur hat Beuys mit dem für ihn typischen Fett bestrichen, um eine Energiequelle zu schaffen, die das Kommunikationsmittel für die Übertragung von Ideen stärkt. An der Maschine lehnt eine italienische Fahne in Filz gewickelt – einem Stoff, der isoliert und heilt. Schultafeln tragen Zeichnungen menschlicher Köpfe mit offenem Mund, deren lautloser Schrei den Opfern des Erdbebens gilt, das 1980 Neapel heimgesucht hat. Der Titel des Werks bezieht sich auf dieses Ereignis.



Matthew Barney, Chrysler Imperial, 2002 (Detail),
Solomon R. Guggenheim Museum, New York
Foto: David Heald, © Solomon R. Guggenheim Foundation, New York
©2006 Matthew Barney.

Matthew Barneys Chrysler Imperial (2002) illustriert Szenen aus dem zuletzt entstandenen Film des fünfteiligen CREMASTER-Zyklus (1994–2003), der noch einmal alle Leitmotive Revue passieren lässt. Jedes der fünf Hauptelemente – Abstraktionen der Autos, Baujahr 1930, die im Foyer des Chrysler Building ein Stockcar-Rennen austragen – trägt das Emblem einer CREMASTER-Episode und verkörpert die Konflikte, die der Werkkreis erforscht. Als Kurzversion des Zyklus verdeutlicht Chrysler Imperial , wie Barney eine Filmhandlung mittels Vaseline und plastischen Kunststoffen in greifbare Form gießt und wie er seine in der Zeitdimension vollzogene Recherche im Raum fortsetzt.

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