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Minimalistische Meditationsobjekte:
Ola Kolehmainens Architekturfotografie



Er liebt die Wiederholung, die Architektur, die Kamera: Ola Kolehmainens Fotografien von Strukturen, Mustern und Grids folgen dem strengen Minimalismus Donald Judds oder etwa Dan Flavins. Dennoch verströmen seine farbig leuchtenden Bilder etwas Mysteriöses. Wie entsteht diese Aura? Alistair Hicks ging der Frage nach und besuchte den Künstler in seinem Ferienhaus auf einer Insel im Golf von Finnland.




Ola Kolehmainen vor einm Poster seiner Arbeit Super Composition
©Foto: Jouko Lehtola

"Raum! Farbe! Licht! Danach suche ich die Orte für meine Fotografien aus", erklärt Ola Kolehmainen, der zu den führenden Fotografen der Helsinki School zählt. Die Gebäude, die er ablichtet, verraten eine innige Liebe zum Minimalismus. Noch immer verwahrt er die Notiz, in der ihm seine ehemalige Lehrerin Christie Johnson den Rat gibt, sich drei Künstler näher anzuschauen, die ihm heute noch viel bedeuten: Donald Judd, James Turell und Dan Flavin. In seinen Bildern spiegelt sich ein ausgeprägter Sinn für Struktur, der sich häufig in einem klaren Raster niederschlägt. Und dennoch untergräbt Kolehmainen beständig die makellosen, sich wiederholenden Muster. Ebenso verfährt er mit der Farbe und dem Licht in seinen Arbeiten: häufig wirken die Lichtquellen geheimnisvoll, während die Farben einem ständigen Wandel unterzogen werden.


Ohne Titel (Panton Vol I), 2005,
Sammlung Deutsche Bank,
Courtesy Galerie Anhava


Reklamemotiv der Deutschen Bank für die Frieze Art Fair mit der Arbeit "Ohne Titel (Panton Vol I)" von Ola Kolehmainen


Die Architektur ist zwar das Hauptthema seiner Arbeiten, doch als ich Ola auf der Terrasse vor der Holzhütte auf seiner Insel im Golf von Finnland interviewe, ist weit und breit kein anderes Gebäude zu sehen. Tatsächlich bestehen die einzigen Spuren menschlichen Eindringens in gelegentlich an der Inselgruppe vorbei ziehenden Booten. Und abgesehen vom elegant-modernistischen Stil der Hütte, deutet kaum etwas darauf, dass es sich hier um das Feriendomizil eines Künstlers handelt.
Sorgfältig gestapeltes Brennholz ist Kolehmainens sichtbarster Beitrag zum Inselleben, doch handelt es sich hierbei nicht etwa um einen Verweis auf Judds Arbeiten. Vielmehr bezeugt der Stapel Kolehmainens militärische Herkunft – er ist Sohn eines Generals. Obgleich seine Arbeiten fast alle in seiner neuen Heimat Berlin oder auf Reisen entstehen, bietet eigentlich die friedvolle Stimmung auf der Insel die ideale Voraussetzung für die konzeptionellen Überlegungen, die das Denken der Helsinki School prägen.




See What You See, 2006,
Sammlung Deutsche Bank , Courtesy Galerie Anhava


Aalto, 2006,
Courtesy Galerie Anhava

In Olas Kindheit gab es eigentlich kaum Anzeichen dafür, dass er sich einmal zum Künstler entwickeln würde. Er versuchte sich in mehreren Sportarten, bevor er als Achtzehnjähriger im Schüleraustausch nach Kalifornien ging. Sein bester Freund war ein Skateboarder, der bereits an Meisterschaften teilnahm und kurz davor war, den professionellen Durchbruch zu schaffen. Ola begann damit, Fotos von dem heranreifenden Champion zu machen, die in dem Skateboardmagazin Thrasher groß herauskamen. Zurück in Finnland, studierte er zunächst Journalismus an der Helsinki Universität. Damals hörte er New Jazz und machte seine ersten Bilder für Musikmagazine und Festivals.



Portaikko - Trappan, 1996/99,
Courtesy Galerie Anhava


1992 wechselte Kolehmainen an die Universität für Kunst und Design, um Fotografie zu studieren. Vier Jahre später fand er für seine Arbeit das wegweisende Motiv: seine Fotografie einer Treppe in Tokio besteht fast gänzlich aus Horizontalen und Vertikalen, die lediglich vom Verlauf des Treppengeländers durchbrochen werden. Das Studium beendete er 1997 mit seiner Abschlussausstellung Temple in der Galerie Kluuvi. Die zentrale Arbeit bestand aus sieben großformatigen Bildern, die Aufnahmen einer verlassenen russischen Kaserne in Paldiski im benachbarten Estland zeigten. "Alles, selbst die Fensterrahmen, war gestohlen worden und hatte klaffende schwarze Löcher in der roten Ziegelmauer hinterlassen", erläutert Ola, bevor er mit den Ausführungen zur Entstehung des Werkes loslegt. "Es ging mir darum, den Raum als etwas Fortlaufendes weiter zu denken – einen Sinn für das gesamte Panorama zu entwickeln. Hätte ich mit einer einzigen, starren Kameraposition gearbeitet, wären Lücken in diesem Bild entstanden. Also versetzte ich die Kamera von Fenster zu Fenster, immer im selben Winkel und im selben Abstand. Ich führte diesen Raum weiter, indem ich um das Gebäude lief, um im selben Verfahren weitere Fenster auf das Bild zu bekommen. Da ich noch ein siebtes Bild wollte, wiederholte ich eine Aufnahme." In seinen Bildern arbeitet Kolehmainen mit permanenten Wiederholungen. Um ihren Objektcharakter zu unterstreichen, bevorzugt er für seine Arbeiten große Formate, die er fast immer auf Plexiglasplatten aufzieht.


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