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"Einen neuen, kontinuierlichen Raum schaffen ..."
Ein Gespräch mit Zaha Hadid zu ihrem Ausstellungsdesign für "All the Best"



Spätestens seit sie 2004 mit dem renommierten Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde, ist Zaha Hadid die weltweit begehrteste Architektin. Und gerade werden ihre revolutionäre Entwürfe im New Yorker Guggenheim Museum gefeiert. Zum dritten Mal hat sie jetzt das Design der Jubiläumsschau der Sammlung Deutsche Bank gestaltet. Für "All the Best", die letzte Station der Ausstellungstournee, hat Zaha Hadid im Singapore Art Museum eine unverwechselbare, dynamische Raumlandschaft installiert. Eine Denkarchitektur, die den Besuchern die Möglichkeit gibt, die Sammlung Deutsche Bank ganz eigenständig zu entdecken. Marc Spiegler hat die Londoner Stararchitektin zum Gespräch getroffen.


Zaha Hadid bei der Eröffnung von "25", der Jubiläumsausstellung der Sammlung Deutsche Bank im Deutsche Guggenheim in Berlin, Foto Mathias Schormann


Marc Spiegler: In welchem Verhältnis steht das Ausstellungsdesign für "All the best" im Singapore Art Museum (SAM) zu den Entwürfen für die beiden vorherigen Stationen der Jubiläumsschau der Sammlung Deutsche Bank in Berlin und Tokio ?

Zaha Hadid: Die Sammlung Deutsche Bank steht auf einem soliden Fundament, aber sie ist auch ständig in Bewegung und bewahrt dadurch ihre Frische. Also haben wir darüber nachgedacht, wie wir die Qualität der Arbeiten an den einzelnen Stationen der Ausstellung am besten unterstreichen und in einen Kontext stellen können. Indem wir die Geometrie des Museums erweitert und verwandelt haben, erscheint das neue Ausstellungsdesign als Kontinuum eines fließenden und dynamischen Raums, als Synthese der Gegensätze von Innen- und Außenraum, alt und neu, geometrischen und natürlichen Formen. Der Entwurf bezieht die urbane Umgebung mit ein und erzeugt einen Bewegungsstrom durch das Gebäude.





Zaha Hadids Ausstellungsdesign für "25" im Deutsche Guggenheim,
Fotos Mathias Schormann

Sowohl das Deutsche Guggenheim in Berlin als auch das Hara Museum für zeitgenössische Kunst in Tokio besitzen ihre ganz eigene formale Logik, die das entscheidende Prinzip für unsere Entwürfe lieferte. In Berlin betrat der Besucher zunächst eine merkwürdige Architektur. Sie bestand aus einem Cluster elliptischer Hohlräume, die miteinander verbunden waren und wie Luftblasen in einem Block wirkten. Diese blasenförmigen Räume führten ihn dann in das große Atrium, wo die für die Hohlräume ausgesparten Formen als feste Körper im Raum schwebten.


Design für "Tokyo Blossoms", die 2. Station der
Jubiläumsausstellung im Hara Museum in Tokio,
Foto © KatrinPaul


Ausgangspunkt für das Design in Tokio hingegen war eine Serie von Studien über die Eigenschaften von Stoffen und ihre Fähigkeit, sich zu verwandeln. Dies half uns, ein Design zu entwickeln, das sich durch Leichtigkeit, Weichheit und Flexibilität auszeichnet. Dabei stand die Vorstellung von einem temporären, auf Wachstum angelegten System im Vordergrund, das den Moment, in dem die Ausstellung stattfindet, akzentuiert.


Entwurf für das Ausstellungsdesign von "All the Best"
im Singapore Art Museum,
Courtesy Zaha Hadid Architects, London


Für das Singapore Art Museum haben wir ein ganzheitliches Environment geschaffen, das die geometrischen Strukturen des Gebäudes interpretiert. Das Ausstellungsdesign leitet sich aus der Überlagerung und Verformung des Grundflächenrasters des Gebäudes ab und schafft so einen neuen, kontinuierlichen Raum, in dem alle ausgestellten Werke miteinander in Beziehung stehen und der zugleich den Besucherstrom durch die Ausstellung leitet.

Welche Verbindung besteht für Sie zwischen diesem Projekt und ihrem Museumsbau in Cincinnati?

Genau wie das Rosenthal Center in Cincinnati öffnet sich dieses Ausstellungsdesign seiner Umgebung. Ich hoffe, auf diese Weise ein größeres Publikum für zeitgenössische Kunst zu interessieren. Der Gedanke, die Kunstbegeisterten vor Ort dazu zu bewegen, sich gemeinsam zu engagieren, spielt dabei eine wichtige Rolle. So signalisieren die Offenheit des Erdgeschosses im Rosenthal Center und das Licht, das von außen verschiedene Bereiche des Gebäudes durchdringt, den Passanten, dass in dem Museum spannende Sachen passieren. Der Boden des Erdgeschosses biegt sich an der Rückseite des Gebäudes nach oben und schafft so ein starke Kontinuität zu den vertikal verlaufenden Rampen, auf denen sich die Besucher durch das Gebäude bewegen. Die Topologie von Straßenlandschaften und urbanen Straßenzügen haben das Innendesign für das Kunstzentrum direkt beeinflusst. In Cincinnati funktioniert der Boden als "Urban Carpet", der das Museum als öffentliches Gebäude markiert. Das Ausstellungsdesign für das Singapore Art Museum vermittelt die gleiche Offenheit für die Besucher.


Lois and Richard Rosenthal Center for Contemporary Art in Cincinnati, 1997-2003,
Foto Hélène Binet,
Courtesy Zaha Hadid Architects, London




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