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Subversive Energien in Orange County
Die Deutsche Bank präsentiert die 2006 California Biennial



"New American Art" ist der Begriff für einen aktuellen Trend, der den Kunstmarkt schon seit geraumer Zeit bewegt. Kunst aus den Vereinigten Staaten sorgt gerade international wieder für Furore. Das zeichnete sich schon auf der letzten Art Basel ab. Und nun setzt auch der britische Mega-Sammler Charles Saatchi ganz gezielt auf die junge amerikanische Szene: Ab dem 6. Oktober werden mit USA TODAY über 80 Neuankäufe von 30 US-Künstlern aus seiner Sammlung in der Royal Academy in London zu sehen sein. Dass die Ausstellung dort fast zeitgleich mit der Frieze Art Fair stattfindet, erhöht natürlich den Medieneffekt und die Anziehung für internationale Sammler.



Brian Fahlstrom, A Blossoming / Distant Impassionedness, 2005;
aus der Sammlung der Saatchi Gallery, London;
courtesy Marc Foxx, Los Angeles; Foto: Robert Wedemeyer


Besonders die amerikanische Westküste gilt als Kreativlabor für frische Talente. Eine gute Gelegenheit, neue Künstler und Positionen zu entdecken, bietet sich direkt vor Ort - auf der California Biennial, die auch diesmal wieder von der Deutschen Bank als Sponsor gefördert wird. Die 1984 ins Leben gerufene Schau hat sich inzwischen zu einer der international renommierten Biennalen entwickelt. Sie findet an gleich zwei Locations statt: im Orange County Museum of Art in Newport Beach und in der Orange Lounge in Costa Mesa, wo seit 2004 Arbeiten von Künstler präsentiert werden, die mit Neuen Medien wie Computer, Video oder Internet arbeiten. Vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember zeigt die Überblicksschau die interessantesten jungen Künstler Kaliforniens.




Shannon Ebner, USA, 2003,
aus der Serie "Dead Democracy Letters", 2002-06;
courtesy of the artist and Wallspace Gallery, New York


Zwei Jahre lang haben die drei Kuratorinnen Elizabeth Armstrong, Karen Moss und Rita Gonzalez die Ateliers viel versprechender Künstler besucht. Ihre Auswahl – mehr als 150 Arbeiten von 31 Künstlern und Künstlergruppen – fokussiert sich auf Arbeiten, die die aktuellen Tendenzen der Westküsten-Szene widerspiegeln. Das Spektrum der 2006 California Biennial reicht dabei von raumgreifenden Installationen, Wandzeichnungen oder Papierarbeiten bis zu Performances und Film. Im Zentrum stehen Themen wie die Auseinandersetzung mit der aktuellen politischen und sozialen Situation, Pop-Kultur, urbaner Topografie und Fragen der kulturellen und persönlichen Identität.

So setzt sich der Fotograf Hank Willis Thomas mit den Verbindungen zwischen der Identität afroamerikanischer Männer, der Sklaverei und dem Corporate Branding globaler Firmen auseinander. In seiner Serie Branded zeigt er Logos, die nicht auf T-Shirts oder Basecaps getragen werden, sondern eingebrannt in die Haut.

Hank Willis Thomas, Branded Head, 2003;
Sammlung David Alan Grier, Los Angeles


Auf Branded Head prangt das Nike-Logo als selbst gewähltes Brandzeichen an dem glatt rasierten Kopf eines Afroamerikaners. Das Branding erscheinen wie ein Wiedergänger der Symbole, die den Sklaven eingebrannt wurden, um sie als Eigentum ihres Besitzers zu kennzeichnen.


Pearl C. Hsiung, Tidal Wretch,
courtesy the artist und Max Wigram Gallery, London


Einige Arbeiten von Künstlern, die auf der Biennale vertreten sind, zeugen von einem wiedererwachten Interesse an absurdem Humor oder surrealen Inszenierungen. Wie die metallisch glänzenden Gemälde der tawaianisch-amerikanischen Künstlerin Pearl C. Hsiung, auf denen sie Körperteile, feuerspuckende Vulkane, Kakteen und riesige Kristalle zu psychedelischen Tableaus arrangiert. Brian Fahlstrom, der auch bei USA TODAY vertreten ist, entführt den Betrachter in düstere, fast abstrakte Landschaften zwischen Märchenland und Alptraum. Aber auch Performancegruppen wie My Barbarian, die ihren campen Mix aus Rock, Kabarett, absurden Kostümierungen und trashigen Choreografien in Galerien wie Peres Projects das Publikum begeistern, sind bei der 2006 California Biennial vertreten.



My Barbarian, The Hiker, the Watery Princess and
the Demon in Dragon Canyon, Utah (2006),
aus Silver Minds, Foto by My Barbarian

Wie die anderen Künstler der Schau gehören sie zu einer Generation an, die von den Debatten um Geschlechterrollen und neue Technologien ebenso geprägt ist, wie von massenmedialen Images aus Filmen, TV, Computerspielen und Werbung. Das kommt den Machern der Biennale sehr entgegen, denn gerade die subversive Energie, mit der die junge Szene des multikulturellen Schmelztiegels Kalifornien Impulse für das internationale Kunstgeschehen gibt, soll im Fokus der Ausstellung stehen. Und für Charles Saatchi gibt es auf der 2006 California Biennial garantiert einiges interessantes zu entdecken.

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