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>> Blind Date Seligenstadt / New York: pa.per.ing / Dialog Skulptur Würzburg
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Der Traum von der Gegenstandslosigkeit
Mit "Art of Tomorrow" wird Hilla von Rebay als Künstlerin und Kuratorin wiederentdeckt


"The Art of Tomorrow" – so lautete der Titel der Ausstellung, mit der sich die Sammlung von Solomon R. Guggenheim 1939 das erste Mal dem New Yorker Publikum vorstellte. Die Frau hinter der Sammlung war eine Baroness aus Deutschland. Als Vertraute Guggenheims setzte sich Hilla von Rebay unermüdlich für die gegenstandslose Kunst ein. Lange war die Gründungsdirektorin des von Frank Lloyd Wright erbauten Guggenheim Museums vergessen, jetzt wird sie als Kuratorin und Künstlerin wiederentdeckt. Achim Drucks stellt die Ausstellung "Art of Tomorrow – Hilla von Rebay und Solomon R. Guggenheim" im Deutsche Guggenheim vor.



Hilla von Rebay in ihrem Atelier
Kurfürstendamm 136, Berlin um 1913
©The Hilla von Rebay Foundation.
Wiedergabe mit Genehmigung.
Alle Rechte vorbehalten

"Der Hauch von Glück ist rot," schrieb Frank Lloyd Wright 1945, und meinte damit seine Vision für die Außenfarbe des geplanten New Yorker Guggenheim-Museums, das für ihn zu einem "Archiseum" werden sollte – die perfekte Verschmelzung von Avantgarde-Architektur und Avantgarde-Kunst. Für Hilla von Rebay war dieser Hauch allerdings ein hellerer, das Rot zu "materialistisch" und sie fragte an, ob man nicht gelben Marmor bekommen könne, oder zumindest grünen. Nicht nur, dass das Guggenheim dann 15 Jahre später als strahlend weiße Spiralform in die Geschichte einging, ist Hilla von Rebay zu verdanken. Die Moderne war eine Frau und Künstlerin – und zwar eine sehr resolute. Es war die deutsche Baroness, die als erste den Traum von einem "Tempel der gegenstandslosen Kunst" träumte und keinen Geringeren als den "Kupferkönig" und Sammler Solomon R. Guggenheim für dessen Realisierung gewinnen konnte. Sie war es, die dem Stararchitekten Frank Lloyd Wright 1943 geschrieben hatte, dass sie fühle, dass jedes von Guggenheims abstrakten Meisterwerken seinen eigenen Raum brauche und nur er, Wright "dies ausloten" könne. Die Worte, die sie damals an ihn als Geistesverwandten richtete, hätten auch ihren eigenen Charakter beschreiben können:"Ich brauche einen Kämpfer, jemanden, der den Raum liebt, einen Schöpfer, einen Ausprobierer…."


Hilla von Rebay
Freude, o.J.
Solomon R. Guggenheim Museum, New York
Foto David Heald
©The Hilla von Rebay Foundation.
Wiedergabe mit Genehmigung.
Alle Rechte vorbehalten



Hilla Rebay, Ohne Titel, o.J.
Foto: David Heald
©The Hilla von Rebay Foundation.
Wiedergabe mit Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten

Als das Museum schließlich 1959 zehn Jahre nach dem Tod Guggenheims eröffnet wird, ist von Rebay nicht mit dabei. Man hatte die Gründungsdirektorin des Hauses nicht eingeladen, denn nach Solomon R. Guggenheims Tod wurde die eigenwillige Baroness entmachtet. Sie musste ihren Posten im Stiftungsrat aufgrund wachsender Kritik an ihrem autoritären Führungsstil schon 1952 aufgeben. Auch wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes zog sie sich in ihre Häuser in Conneticut und New Hampshire zurück und verschwand so bis zu ihrem Tod 1967 fast gänzlich aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit. Doch jetzt wird sie mit der Ausstellung Art of Tomorow – Hilla von Rebay und Solomon R. Guggenheim wiederentdeckt – als Kuratorin und als Künstlerin.

Nach ihrer Premiere im New Yorker Guggenheim Museum und Stationen in München und Murnau ist die von der Deutschen Bank unterstützte Schau jetzt im Deutsche Guggenheim zu sehen. Art of Tomorrow zeigt von Rebays Aquarelle, Zeichnungen und Collagen sowie ihre gegenstandslosen Gemälde. Außerdem ihr 1928 als Auftragsarbeit entstandenes Porträt von Solomon R. Guggenheim, bei dessen Anfertigung die deutsche Künstlerin den amerikanische Mäzen kennen lernte. Zur Seite gestellt werden den Arbeiten die Werke jener Freunde und Kollegen, die von Rebay für die Kunst der anbrechenden Moderne begeisterten: Jean Arp, Wassily Kandinsky, Hans Richter und natürlich die Liebe ihres Lebens – Rudolf Bauer, mit dem sie eine langjährige unglückliche Beziehung verband.


Wassily Kandinsky,
Ein Zentrum, November-Dezember 1924
Solomon R. Guggenheim Museum, New York,
Schenkung, Solomon R. Guggenheim,
Dauerleihgabe an das Gemeentemuseum Den Haag
Foto: Gemeentemuseum Den Haag
©Artists Rights Society (ARS), New York/ADAGP, Paris


Von Rebay begegnet dem Künstler 1916 in der Berliner Avantgarde-Galerie Der Sturm, wo sie eine Kandinsky-Ausstellung besucht. Der Dandy im dunklen Samtanzug, ein Kandinsky-Epigone und glühender Verfechter gegenstandsloser Kunst, zieht sie völlig in seinen Bann. Bis an ihr Lebensende erscheint Bauer seiner Freundin und Gönnerin als verkanntes Genie und als der wahrhaft bedeutendste Vertreter dieser neuen Kunstrichtung. Später wird sie auch Solomon Guggenheim von Bauers Qualitäten überzeugen – und Guggenheim kauft: Im Bestandskatalog des Museum of Non-Objective Painting, dem Vorgänger des Guggenheim, ist Kandinsky mit 104 Werken vertreten, Bauer dagegen mit 215.


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