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>> Blind Date Seligenstadt / New York: pa.per.ing / Dialog Skulptur Würzburg
>> "Art of Tomorrow" im Deutsche Guggenheim / Anton Stankowski in Stuttgart

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Rudolf Bauer
Invention (Komposition 31), 1933
Solomon R. Guggenheim Museum, New York,
Schenkung, Solomon R. Guggenheim
Foto: David Heald
©2005 Nachlass Rudolf Bauer


Hilla von Rebay
Gavotte, 1947
Collection Halstead International,
courtesy Portico New York, Inc.
Foto Portico New York, Inc.
©The Hilla von Rebay Foundation.
Wiedergabe mit Genehmigung.
Alle Rechte vorbehalten


Von Rebay bewundert die Musikalität von Bauers gegenstandslosen Bildern, für sie ist er "der Johann Sebastian Bach der Malerei". Die wichtige Rolle, die das Thema Musik für seine Kunst gespielt hat, belegen auch die Titel der im Deutsche Guggenheim gezeigten Arbeiten wie Weiße Fuge (1923-27) oder Sinfonie in drei Sätzen (1930-34), in denen sich farbige, oft scharf konturierte geometrische Formen zu rhythmischen Kompositionen zusammenfügen. Auch von Rebays Arbeiten beziehen sich häufig auf Musik. Etwa ihr Gemälde Gavotte (1947), dessen Titel eine barocke Kompositionsform mit schnellem Rhythmus und den dazugehörigen Tanz zitiert. Blauviolette Farbnebel, lang gezogene rote Rechtecke und mondsichelartig geschwungene gelbe und blaue Linien vereinen sich zu einer äußerst dekorativen Komposition.


Hilla von Rebay
Frau in Rot, um 1928
Privatbesitz,
courtesy Gary Snyder Fine Art, New York
Foto Jason Silva
©The Hilla von Rebay Foundation.
Wiedergabe mit Genehmigung.
Alle Rechte vorbehalten





Hilla von Rebay
Komposition I, 1915 (?)
Solomon R. Guggenheim Museum, New York
Foto David Heald
©The Hilla von Rebay Foundation.
Wiedergabe mit Genehmigung.
Alle Rechte vorbehalten


Zu von Rebays stärksten Arbeiten gehören ihre eigenwilligen Collagen, die ihr Gefühl für Rhythmus und subtile Farbabstufungen belegen. Schon in Deutschland setzt sie farbige Papierstreifen und –felder zu schwebenden Kompositionen zusammen. Später entstehen auch figürliche Collagen, sie zeigen elegante Damen der Gesellschaft, Schauspielerinnen oder eine Woman in red (1928) mit extravagantem schwarzen Hut. Ihr rotes Kleid setzt sich aus wenigen schmalen Papierstreifen zusammen. Vor einem leeren Hintergrund wirkt die leicht in die Länge gezogen Figur zugleich manieristisch und abstrahiert. Hilla von Rebays Vorliebe für Musik und Tanz zeigen auch ihre fast karrikaturhaften Zeichnungen, die Impressionen aus den Jazz-Clubs in New York festhalten. In Tulips de Harlem tanzt ein afroamerikanisches Paar Charleston – eng umschlungen, ganz der Musik ergeben. Hier verarbeitet sie Einflüsse ihrer Berliner Jahre wie die expressiven Papierarbeiten von Otto Dix oder George Grosz, die wie sie aufmerksame Beobachter des großstädtischen Nachtlebens waren.
Hilla von Rebay
Lyrische Erfindung, 1939
Solomon R. Guggenheim Museum, New York
Foto David Heald
©The Hilla von Rebay Foundation.
Wiedergabe mit Genehmigung.
Alle Rechte vorbehalte


Die Schau im Deutsche Guggenheim belegt, dass Hilla von Rebay ( hier ein ausführliches Interview von 1966) als Künstlerin lange Jahre unterschätzt worden ist. Besonders in ihren Collagen, ein Medium, in dem weder Kandinsky noch Bauer gearbeitet haben, geht sie ganz eigene Wege. Auf ihren Bildern schuf sie einen freien Kosmos aus geometrischen und organischen Formen, der eine positive Energie ausstrahlt. Hilla von Rebay, die sich ihr Leben lang mit den theosophischen Ideen von H. P. Blavatsky und Rudolf Steiner beschäftigt hat, betonte auch immer die spirituelle Bedeutung ihrer Kunst, dass "gegenstandslose Bilder der Schlüssel sind zu einer Welt immatrieller Erhebung."

Art of Tomorrow: Hilla von Rebay und Solomon R. Guggenheim
13. Mai – 13. August 2006
Deutsche Guggenheim
Unter den Linden 13-15
Berlin

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