In dieser Ausgabe:
>> Blind Date Seligenstadt / New York: pa.per.ing / Dialog Skulptur Würzburg
>> "Art of Tomorrow" im Deutsche Guggenheim / Anton Stankowski in Stuttgart

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Vom Objekt zum Konzept:
"Dialog Skulptur" im Museum Kulturspeicher Würzburg



Eine spannungsvolles Wechselspiel – die Ausstellung "Dialog Skulptur" beleuchtet die künstlerische Auseinandersetzung zwischen plastischen Arbeiten und Zeichnungen. Nachdem die von Dr. Ariane Grigoteit kuratierte Schau mitrund 100 Werken aus der Sammlung Deutsche Bank bereits im Kunstforum Seligenstadt sowie, als Parallelausstellung, in den Kunstvereinen Mannheim und Ludwigshafen Aufsehen erregt hat, ist sie jetzt im Würzburger Museum im Kulturspeicher zu sehen.



Joseph Beuys, Filzplastik-Bronzeplastik, 1964,
Sammlung Deutsche Bank, © VG Bild-Kunst, Bonn 2006

Für Joseph Beuys war Zeichnung "die Verlängerung eines Gedankens". Filzplastik-Bronzeplastik ist seine Papierarbeit betitelt, mit der er in der Ausstellung "Dialog Skulptur" vertreten ist. Aus unruhigen, breiten Pinselstrichen formt sich schemenhaft ein Konzertflügel – ähnlich dem, den der Künstler zwei Jahre später vollständig in Filz eingehüllt hat. Seine "Gedankenskizze" hat sich in eine dreidimensionale Skulptur verwandelt.



Karl Hartung, Mittlerer Torso, 1948,
Sammlung Deutsche Bank
© Nachlass K. Hartung


Dem spannungsreichen Dialog zwischen den Medien, dem Wechselspiel von zweidimensionaler Zeichnung und dreidimensionalen Raum ist die Ausstellung "Dialog Skulptur" im Würzburger Museum im Kulturspeicher gewidmet. Das Haus, das letztes Jahr mit dem Bayrischen Museumspreis ausgezeichnet wurde, zeigt rund 100 Skulpturen und Papierarbeiten aus der Sammlung Deutsche Bank. Das Spektrum der Arbeiten reicht von Max Beckmanns Bronzeplastik Adam und Eva (1936) bis zu den hintergründigen Fallen von Andreas Slominski, die 1998 als Auftragsarbeit für das Deutsche Guggenheim entstanden.



Tobias Rehberger, Tout pour les Femmes, 2001
Sammlung Deutsche Bank, © neugerriemschneider, Berlin

Im Bezug auf plastische Arbeiten besitzt die Zeichnung längst nicht mehr nur die Funktion, lediglich als Entwurfsskizze Ideen festzuhalten und den Sprung in die Dreidimensionalität der Skulptur vorzubereiten. Wie kein anderes Medium dokumentieren Werke auf Papier die Prozesse künstlerischer Produktion. Notizen, flüchtige Ideen, erste Kompositionen, aber auch die autonome, bildhafte Ausarbeitung sind hier festgehalten. Die Skulptur durchlief in den sechziger Jahren eine Transformation vom Objekt zum Konzept. Seit Minimal Art, Konzeptkunst und dem Beuys’schen Konzept der "Sozialen Plastik" können auch zweidimensionale Arbeiten, Texte, Musik, Performances oder gesellschaftliche Interaktionen zur Skulptur erklärt werden.



Louise Nevelson,
Maquette for Sun Disc/Moon Shadow V, 1976-78
Sammlung Deutsche Bank, © VG Bild-Kunst, Bonn 2006


Mit Dieter Roth , Richard Artschwager oder Inge Mahn stellt die Ausstellung künstlerische Positionen vor, die seit den sechziger Jahren den Aktionsraum der Plastik radikal erweitern. Als Vertreter einer jüngeren Generation sind Stephan Balkenhol, Olafur Eliasson oder Neo Rauch in Würzburg präsent. Einen vertiefenden Blick wirft “Dialog Skulptur“ auf Bildhauer, die in der Städtischen Sammlung Würzburg und in der Sammlung Ruppert, die sich auf Konkrete Kunst in Europa nach 1945 konzentriert, vertreten sind – etwa Arbeiten von Hans Arp, Erwin Heerich oder Ulrich Rückriem. Ein besonderes Highlight der Schau stellt Maquette for Sun Disc/Moon Shadow V dar , eine Stahlskulptur der bedeutenden amerikanischen Bildhauerin Louise Nevelson, die für "Dialog Skulptur" von New York nach Deutschland gereist ist.


Hans Arp, Ein Nabel, aus "Merz 2.", 1923,
Sammlung Deutsche Bank, © VG Bild-Kunst, Bonn 2006


Seit ihrer Gründung konzentriert sich die Sammlung Deutsche Bank als weltweit größte Unternehmenssammlung vornehmlich auf Arbeiten auf Papier, die in Bankgebäuden rund um den Globus und internationalen Museumsaustellungen präsentiert werden. "Dialog Skulptur" ermöglicht es, die künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen Räumlichkeit und Körperlichkeit zu verfolgen und bietet zugleich Einblicke in ein Stück lebendige Sammlungsgeschichte.


Renée Sintenis, Daphne, 1930,
Sammlung Deutsche Bank, © VG Bild-Kunst, Bonn 2006



Dialog Skulptur
20. Mai – 20. August 2006

Museum im Kulturspeicher Würzburg
Öffnungszeiten
Dienstag 13 – 18 Uhr
Mittwoch, Freitag – Sonntag 11-18 Uhr
Donnerstag 11-19 Uhr

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