In dieser Ausgabe:
>> Sponsored by DB: William Kentridge in Johannesburg und 1. Athen Biennale / Kunst Privat!
>> Hadid im Guggenheim Museum / Ausstellung Berlin-Tokyo-Tokyo-Berlin

>> Zum Archiv

 
Visionär: Zaha Hadid Retrospektive im New Yorker Guggenheim Museum


"Mein Bestreben ist es immer, theoretische Projekte umzusetzen, die in ihrer Zeit unmöglich erscheinen." – Zaha Hadid



Zaha Hadid bei der Eröffnung der Ausstellung "25"
im Deutsche Guggenheim in Berlin, 2005

Schiefe Ebenen, hervorkragende Dächer, spitz zulaufende Wände: Zaha Hadids Entwürfe und Projekte scheinen die Gesetze der Statik und Schwerkraft aus den Angeln zu heben. Seit mehr als 20 Jahren beeinflussen und revolutionieren ihre Bauten die Architekturwelt immer wieder aufs Neue. Als erste und bisher einzige Frau erhielt sie 2004 den renommierten Pritzker Prize, der als Nobelpreis der Architektur gilt. Engagiert hat sich Zaha Hadid in jüngster Zeit auch als Ausstellungsarchitektin. So gestaltete sie die Jubiläumsausstellung 25 der Deutsche Bank Kunstsammlung anlässlich ihres 25jährigen Bestehens im Jahr 2005 im Deutsche Guggenheim in Berlin. Gerade erst hat sie ein weiteres Ausstellungsprojekt fertig gestellt: Für die Sammlung Deutsche Bank gestaltete sie die Ausstellung Tokyo Blossoms im Tokioer Hara Museum. Mit Unterstützung der Deutschen Bank ist nun vom 3. Juni bis zum 25. Oktober 2006 im Guggenheim Museum in New York eine Solo-Schau zu erleben, die das Schaffen der Ausnahmearchitektin von den Anfängen bis heute durchleuchtet.



Jubiläumsausstellung der Deutsche Bank Kunst "25"
im Deutsche Guggenheim 2005
Foto: Mathias Schormann



Blütenskulpturen für "Tokyo Blossoms" im Garten
des Hara Museums in Tokio.
Foto: Katrin Paul

In der groß angelegten Retrospektive kommen auch ihre interdisziplinären Fähigkeiten zur Geltung, denn die Ausstellung fokussiert nicht nur die Bauten Hadids, sondern auch ihre Malerei, Skizzen, Architekturzeichnungen, Stadtplanungen, Modelle, Reliefs, Animationen, Möbel und Objekte. Die chronologische Anordnung der Ausstellung dokumentiert die Stationen des Werdegangs der im Irak geborenen Architektin. Sie führt uns von der Studentin Zaha Hadid, die sich für die soziale Utopie des Russischen Konstruktivismus der 20er Jahre begeisterte, über die Malerei, mit deren Hilfe sie die Potenziale der Dreidimensionalität erforschte, bis zur Rückkehr zur Architekturzeichnung, die sie von den einengenden Traditionen des Cartesianischen Koordinatensystems befreite.


The World (89 Degrees), 1983
Zaha Hadid Architects
©Zaha Hadid, Ltd., London


Das von dem französischen Philosophen René Descartes im 17. Jahrhundert entwickelte Achsensystem von x- und y- Koordinaten erwies sich als ungeeignet zur Berechnung ihrer architektonischen Ideen. Es behinderte sie bei der Suche nach neuen Möglichkeiten der Gestaltung öffentlicher Räume. Also entwickelte sie die Begriffe "fluidity" und "artificial landscape", um sich von dem Diktat des Rationalismus zu befreien. Jenseits von x- und y-Achse war es möglich, eine Architektur zu entwickeln, die in bisher architektonisch unerschlossene Bereiche vordringen konnte. Bei diesem Schritt half ihr auch die Malerei, denn in den Bildern war es zunächst leichter, sowohl die Schwerkraft als auch die Gesetze der Perspektive herauszufordern.

[1] [2] [3]