In dieser Ausgabe:
>> Sponsored by DB: William Kentridge in Johannesburg und 1. Athen Biennale / Kunst Privat!
>> Hadid im Guggenheim Museum / Ausstellung Berlin-Tokyo-Tokyo-Berlin

>> Zum Archiv

 
Trauerarbeit:
Deutsche Bank sponsort William Kentridges Installation „Black Box / Chambre Noire“ in der Johannesburg Art Gallery




William Kentridge, Untitled,
(drawing for Black Box/Chambre Noire), 2005
Foto: John Hodgkiss Deutsche Guggenheim, © William Kentridge

Ein tanzendes Nashorn, Papierfiguren, die wie von Geisterhand bewegt über eine Puppentheaterbühne gleiten, Mozartklänge, animierte Kohlezeichnungen und dokumentarische Filmbilder – William Kentrigdes "Black Box / Chambre Noire" verbindet höchsten ästhetischen Reiz mit der Aufarbeitung eines historischen Traumas. Thema seiner vielschichtigen Installation, für die der Freudsche Begriff der Trauerarbeit eine zentrale Rolle spielt, ist das 1904 von deutschen Kolonialisten verübte Massaker an den Hereros in Deutsch-Südwest, dem heutigen Namibia.


William Kentridge, Untitled,
(drawing for Black Box/Chambre Noire), 2005
Foto: John Hodgkiss Deutsche Guggenheim, © William Kentridge

Die erste Präsentation von "Black Box / Chambre Noire" in Südafrika wird jetzt von der Deutschen Bank ermöglicht. Bis zum 9. Juli ist die Installation im größten Museum des Landes, der 1910 gegründeten Johannesburg Art Gallery, zu sehen. Begleitet wird Kentridges mechanisches Miniaturtheater von Kohlezeichnungen und einem großformatigen Wandgemälde, das der Künstler eigens für die Ausstellung in Johannesburg geschaffen hat.



William Kentridge, Wandgemälde für die Ausstellung
Black Box/Chambre Noire Johannesburg Art Gallery

Schon bei der Eröffnung der Ausstellung war zu spüren, dass Kentridges Arbeit gerade in seinem Heimatland Südafrika das Publikum besonders stark berührt. Davon zeugten die über 500 Besucher, die in das Johannesburger Museum gekommen waren, um seine Black Box zu sehen. Nicht nur das Kunstpublikum, sondern auch das Wachpersonal kehrten immer wieder zum Miniaturtheater zurück, um die abgründigen und surrealen Bilder auf sich wirken zu lassen, die Kentridge geschaffen hat, um ein verdrängtes Kapitel deutscher Kolonialgeschichte zu thematisieren: Black Box/ Chambre Noire verweist auf das ungeheure Verbrechen, das 1904 von wilhelminischen Truppen in Deutsch-Südwest begangen wurde. Der Stamm der Hereros wurde bei einem von den deutschen Einheiten minutiös geplanten Massaker fast vollständig ausgelöscht – einige Historiker sprechen vom ersten Genozid des 20. Jahrhunderts.



William Kentridge, Szenenbild aus Black Box/Chambre Noire, 2005
Foto: John Hodgkiss Deutsche Guggenheim, © William Kentridge


Entstanden ist Kentridges Installation als Auftragsarbeit für das Deutsche Guggenheim, wo sie von Oktober 2005 bis Januar diesen Jahres mit großem Erfolg zu sehen war. Die drei Bedeutungsebenen des Titels Black Box/ Chambre Noire verweisen das Theater als "Black Box", die "Chambre Noire" – Dunkelkammer – des Fotografen und auf Flugdatenschreiber, die Katastrophen dokumentieren. Als Ausgangspunkt für seine Arbeit wählte der Künstler Deutschland, die Heimat des Auftraggebers. Viele seiner Arbeiten erforschen die Geschichte Afrikas und Südafrikas; darüber hinaus fühlt sich Kentridge schon lange der deutschen Kultur verbunden und produzierte Werke, die von deutschen Künstlern oder literarischen Figuren inspiriert wurden.


William Kentridge, Szenenbild aus Black Box/Chambre Noire, 2005
Foto: John Hodgkiss Deutsche Guggenheim, © William Kentridge



Beeinflusst wurde die Annäherung an das Thema deutscher Kolonialismus außerdem durch seine Auseinandersetzung mit Mozarts Zauberflöte, an deren Inszenierrung er parallel zu Black Box/ Chambre Noire arbeitete. Sowohl das Bühnenmodell als Objekt als auch das Thema der Aufklärung finden sich in seiner Installation wieder. Die eher düsteren Folgen des philosophischen Erbes dieser Epoche werden untersucht, der zentrale Prozess der Umkehrung, der häufig im Mittelpunkt von Kentridges Werken steht, reflektiert. Das Motiv der "Black Box" bildet den Hintergrund für die Konstruktion von Geschichte und Bedeutung, den Prozess der Trauer, die Schuld und Sühne, aber auch die sich verändernden Blickwinkel des politischen Engagements und der politischen Verantwortung.



[1] [2] [3]