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Schatzkammer auf Zeit
TEFAF 2006 – Sugimotos "Portraits" in der VIP-Lounge der Deutschen Bank



Vier Fußballfelder maß die Fläche, auf der die TEFAF dieses Jahr ihre schier unvorstellbaren Schätze ausbreiten konnte. Doch der Star der wohl wichtigsten internationalen Messe für Kunst und Antiquitäten im niederländischen Maastricht stand schon fest, bevor die 235 Aussteller aus aller Welt ihre Kisten voller Malerei, teuerstem Schmuck und einzigartigen Möbeln aus nahezu jeder Epoche überhaupt ausgepackt hatten: Unangefochtenes Highlight war Rembrandts Porträt des Apostels Jakobus des Älteren von 1661 – ein Bild, das sich sechs Jahrzehnte lang in einer amerikanischen Privatsammlung befand.



TEFAF 2006: Blick zur Eingangshalle,
Foto: Pieter de Vries, Texel

36 Millionen Euro sollte der Rembrandt am Stand der New Yorker Kunsthandlung Salander-O'Reilly kosten. Und auch sonst war die TEFAF vom 13. bis 19. März wie gewohnt eine Messe der Superlative: 27 Millionen Euro erwartete etwa der Maastrichter Kunsthändler Noortman , Spezialist für Alte Meister und Impressionisten, für seinen Jüngling im roten Wams, der ebenfalls von Rembrandt stammt. Den ersten Verkauf vermeldete kurz nach Messebeginn PaceWildenstein mit dem Gemälde Midtown (1992) von Robert Rauschenberg, später freute sich die Galerie aus New York, die zum ersten Mal an der Messe teilgenommen hat, über private Interessenten für je ein Bild von Paul Gauguin und Camille Pissarro. Dass die Messe nicht nur eine Veranstaltung der Superlative, sondern auch für Superreiche ist, zeigte bereits die Auslastung des kleinen Maastrichter Flughafens: Über 100 Privatjets parkten hier während des Eröffnungstages.


TEFAF 2006: Werke von musealem Rang,
Foto: Loraine Bodewes

Wer die größten "High-End"-Diamanten wie den zartrosa schimmernden 115, 91-Karäter African Hope bei Graff sehen oder sich von renommierten Kunsthändlern wie dem Belgier Axel Vervoordt zeigen lassen will, wie man Möbel aus dem 17. Jahrhundert mit einem Gemälde von Yves Klein kombiniert, der war hier richtig. Und wo soviel erstklassige Kunst an Ständen zusammenkommt, die selbst wie kleine, exquisite Museen wirkten und großartig aufeinander abgestimmte Schauen boten, ist traditionell auch die Deutsche Bank als Co-Sponsor der TEFAF mit ihrer VIP-Lounge vertreten.


Blick in die VIP-Lounge der Deutschen Bank,
Foto: Pieter de Vries, Texel


Tulpen und Alte Meister,
Foto: Pieter de Vries, Texel

Hier fanden die Expert Talks statt, bei denen Kunstexperten der Bank, Galeristen und Fachleute über Chancen und Risiken des Marktes diskutieren. Die durch einen öffentlichen Bereich zugängliche Lounge glich in diesem Jahr einer minimalistisch reduzierten Schatzkammer, in der sich das kulturelle Panorama widerspiegelt, das die TEFAF mit ihrer Kunst von der Moderne bis hin zur Antike entwirft. Imitation of Life , so der Titel dieser ästhetischen Inszenierung, verband formale Strenge mit surrealen und futuristischen Elementen.



Hiroshi Sugimoto, Napoleon, 1999,
Sammlung Deutsche Bank

Die Wände der Lounge wurden mit einer Spezialfarbe in bunt schimmernde Perlmutt-Töne getaucht - silberner Flieder und samtiges Violett. Diese Farbwelt bildete das Ambiente für die großformatigen Portraits Hiroshi Sugimotos. Über Jahre hat der japanische Fotokünstlers "Aufnahmen" von Berühmtheiten wie Napoleon, Rembrandt, Shakespeare oder Oscar Wilde gemacht. Das scheinbar Unmögliche, eine Brücke zwischen den Epochen zu spannen und längst verstorbene Prominente zu fotografieren, gelingt dem japanischen Künstler dank eines Tricks: Er fotografiert in den Wachsfigurenkabinetten von London, Tokio oder Amsterdam und arrangiert die Modelle vor einem nachtschwarzen Hintergrund, der ihre der Kunstgeschichte entlehnten Posen noch einmal betont – denn natürlich haben sich die Wachs-Modelleure nur überlieferte Gemälde eines Shakespeare oder Napoleon zum Vorbild nehmen können. So wirken Sugimotos Porträts zum einen verblüffend dreidimensional und zum anderen höchst artifiziell.



Federobjekte von Andrea Splisgar in der VIP-Lounge,
Foto: Maria Morais

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