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Kunsttrubel in New York
Von der Whitney Biennale bis zur Armory Show 2006




Courtney Love in Francesco Vezzolis Trailer for
a Remake of Gore Vidal's Caligula, 2005


Wie im Film: Für zwei Wochen glich New York in diesem Frühjahr einem Kunstkrimi. Tausende von Besuchern schoben sich über die Whitney Biennale, die Amory Show und die zahlreichen Begleit-Messen. Und jeder versuchte herauszubekommen, was läuft, was die neuen Arbeiten und die künslerischen Neuentdeckungen sind. Für db artmag haftete sich Cheryl Kaplan auf die Spur von Kuratoren, Künstlern, Bankern und Käufern und entdeckte dabei einige Aufsehen erregende Arbeiten - und jede Menge Glitter.

Die Szene in New York glich irgendwie der Hit-Serie CSI, in der Gerichtsmediziner Tatorte untersuchen und Spuren sichern, um unter Einsatz ihres Lebens Rückschlüsse aus ihren Funden zu ziehen. Der zwei Wochen währende Ausnahmezustand begann am 28. Februar mit der Eröffnung der Whitney Biennale und klang am 13. März mit dem letzten Tag der Armory Show aus. Als wäre dieser Rummel nicht genug, kamen noch zahlreiche begleitende Messen hinzu: die nicht allzu aufregende Scope, die Pulse und die Show von Architectural Digest. So mancher konnte es gar nicht erwarten, seine Rückschlüsse zu ziehen. Die beliebte New Yorker Tradition, die Whitney Biennale bereits vor ihrer Eröffnung in die Pfanne zu hauen, lief bereits auf vollen Touren. Das Geraune des Kunstvolks war nicht gerade wohlwollend, aber das ist es ja nie.



Die Whitney Kuratoren Chrissie Iles und Philippe Vergne
©Copyright Cheryl Kaplan 2006. All rights reserved.

Die diesjährige Biennale wurde von der Whitney-Kuratorin Chrissie Iles und von Philippe Vergne, dem stellvertretenden Direktor des Walker Art Centers in Minneapolis, organisiert. Ihre Entscheidung, den bislang ausschließlich auf die amerikanische Kunst gerichteten Fokus des Ereignisses zu erweitern, hat nur wenige überrascht, aber viele beunruhigt. Doch die Kunstwelt gleicht schon lange einer ausufernden internationalen Messe. So macht es also durchaus Sinn, dass die Kuratoren grünes Licht für eine internationale Auswahl erhielten. Und noch eine Neuerung führte das Kuratorenteam ein: In diesem Jahr wurde die Schau erstmals mit einem Untertitel versehen. The Whitney Biennale 2006: Day For Night lehnt sich dabei nicht nur an Francois Truffauts 1973 entstandenen Film Die amerikanische Nacht an, sondern zugleich an die gleichnamige Filmtechnik, die es mit Spezialfiltern ermöglicht, am helllichten Tag künstliche Nachtszenen zu drehen.



Rudolf Stingel, Untitled (After Sam),
©Copyright Cheryl Kaplan 2006. All rights reserved.

Wie üblich zeigt die Biennale Gemälde und Skulpturen, den diesjährigen Schwerpunkt bildet allerdings eine Mixtur aus Film und glitzernden Objekten - ganz dem Messe-Motto entsprechend. "Ein bisschen Glitter ist immer gut", raunt mir ein früherer Biennale-Teilnehmer zu. So wirde Rudolf Stingels Gemälde Untitled (After Sam) dann auch in einem Ambiente präsentiert, das aussieht wie ein Film-Set. Umgeben von Urs Fischers ausgesägten Wänden, die unweigerlich an Gordon Matta Clarks zerlegte Häuser erinnern, blickt man vom Bild aus auf einen hin und her schwingenden Kristalllüster mit brennenden Kerzen. Mit jeder kreisenden Bewegung hinterläßt das tropfende Wachs eine Spur auf dem Boden, die aussieht wie ein geheimnisvolles Diagramm.



Rodney Graham, Torqued Chandelier Release,
Installationsansicht, 2005

Überhaupt ist die Schau von Filmräumen und Kinokammern durchzogen, die zum Teil mit Sitzreihen ausgestattet sind. 1975 wurden auf der Biennale zum ersten Mal Videos gezeigt, 1979 dann auch Filme zugelassen. Darunter atemberaubende Werke, wie zum Beispiel die 35 mm Produktion Torqued Chandelier Release, die der Konzeptkünstler Rodney Graham 2005 zeigte. Solche spektakulären Beiträge belegen immer wieder die Affinität der Biennale zu Glanz und Glamour und zeigen wie sehr hier auch auf Publikumsrenner gesetzt wird.


Rodney Graham, Torqued Chandelier Release, Detail, 2005
©Copyright Cheryl Kaplan 2006. All rights reserved.


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