In dieser Ausgabe:
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Portrait Hanne Darboven
©Deutsche Guggenheim, Berlin


Dem stellt sie ihre eigene Arbeit gegenüber, die – getreu Sol LeWitts Diktum „Die Idee wird zur Maschine, die Kunst macht“ (Paragraphs on Conceptual Art, 1967) – einem Konzept entspringt, das sich in stetiger schrittweiser Erweiterung und Fortentwicklung befindet. „Eins + eins ist eins zwei. Zwei ist eins zwei: Das ist meine Urthese für alle Gesetze, die bei mir mathematisch durchlaufen. Ich schreibe mathematische Literatur und mathematische Musik." Bevor sie sich der Kunst zuwandte, wollte Hanne Darboven Pianistin werden, aber erst 1979 fanden ihre Zahlenkonstruktionen in der Musik eine weitere Transformationsebene. Ihre jüngste musikalische Komposition, die als Teil der Ausstellung Hommage à Picasso aufgeführt werden wird, ist Opus 60, eine Zahlenkonstruktion, die nach einem von der Künstlerin entwickelten Schlüssel in Notenwerten gelesen und als Sinfonie für 120 Stimmen umgesetzt wird. So entsteht eine strukturelle Musik, deren musikalischer Ausdruck sich weniger emotional oder dramatisch vermittelt, sondern vielmehr in der Tradition von Bachs Kunst der Fuge als musikalisch-konkrete Umsetzung einer abstrakten Idee zu verstehen ist – letztlich also einem konzeptionellen Ansatz verpflichtet.



Hommage à Picasso (Detail) 1995-2006
Photo:Mathias Schormann
Copyright:© Hanne Darboven

In diesem Sinne stellt die Hommage à Picasso grundsätzlich die Idee vom Kunstwerk als abgeschlossenes, subjektives System in Frage und dehnt die Diskussion auf die Qualität der Rezeption des künstlerischen Werks und den Einfluss des Künstlers darauf aus. Was ist innovativer, die auf einem konzeptuellen Ansatz beruhende Handschrift, die nichts beschreibt und dabei zu komplexen gesellschaftlichen und historischen Fragestellungen vorstößt? Oder die subjektiv-expressive Handschrift des großen Individualisten, die Wellen von Mythen und Nachahmern produziert, hinter denen dessen Werk zu verschwinden droht? Darboven weigert sich, Picasso absolut zu bewundern, ihre Hommage fällt kritisch aus, aber nicht ohne Anerkennung. Nicht zuletzt stellt sie Picasso in eine Reihe mit bedeutenden historischen Persönlichkeiten, denen sie umfassende Arbeiten gewidmet hat: Goethe, Sartre, Bismarck, Fassbinder , Rilke, Beethoven, Schwitters und Rutherford/Niels Bohr.

“Großes Thema, große Arbeit“, kommentiert die Künstlerin. Übrigens hießen fast alle Ziegen der Künstlerin Mickey. Und es gibt natürlich auch eine Hommage an Oma Mickey, die Ziegenurahnin der heutigen Mickey.


Hanne Darboven: Hommage à Picasso
4. Februar bis 23. April 2006
Deutsche Guggenheim Unter den Linden 13-15
Öffnungszeiten: täglich von 11 bis 20 Uhr; donnerstags bis 22 Uhr


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