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Gratulation:
Deutscher Architekturpreis für Zaha Hadid



Die in Bagdad geborene und in London beheimatete Architektin Zaha Hadid gehört zur Weltspitze ihrer Zunft: 2004 erhielt sie als erste Frau den Pritzker Architecture Prize, der als "Nobelpreis für Architekten" gilt. Die Ausstellungsarchitektur, die sie 2005 für "25", die Jubiläumsschau der Sammlung Deutsche Bank im Deutsche Guggenheim entwarf, war in jeder Hinsicht spektakulär: Die Besucher liefen in tunnelartigen Gängen durch ein futuristisches Ambiente, das wie ein gigantischer Organismus wirkte. Im Dezember wurde Hadid nun eine weitere Ehrung zuteil. Mit ihrem gewagten Entwurf für das Leipziger BMW-Werk hat sie im Dezember den Deutschen Architekturpreis gewonnen.


Außenansicht BMW Zentralgebäude, Werk Leipzig
©BMW AG

"Im Zirkuszelt der zeitgenössischen Architektur ist Zaha Hadid die unübertroffene Trapezakrobatin, ein Star", äußerte der Architekturkritiker Manfred Sack anlässlich der Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Architekturpreises an die irakische Architektin im Dezember 2005. Tatsächlich vollbringt es Hadid stets, ihre Projekte zum Medienereignis werden zu lassen. Wohl kein anderer Industriebau in Deutschland erregte bereits im Vorfeld seiner Entstehung mehr Aufsehen, als das von ihr geplante und realisierte Leipziger BMW-Werk, das im Mai letzten Jahres eröffnet wurde. Vom Raumschiff bis zum Wal-Kiefer reichen die Vergleiche für das zentrale High-Tech Gebäude, das 600 Arbeitsplätze für Ingenieure und Werkstudenten, Konferenzräume, Ausstellungsflächen und ein Restaurant beherbergt. Beeindruckend ist die Transparenz des Werks: An der Decke des Foyers schweben hinter Glaswänden lautlos Autoteile über Montagebänder, die hoch über den Köpfen der Mitarbeiter und Besucher verlaufen.




Die Preisträgerin: Zaha Hadid, Zaha Hadid Architects, London


BMW Werk Leipzig, Zentralgebäude: Produktion BMW 3er Reihe
©BMW AG

Diese Bänder ziehen sich vom Karosseriebau zur Lackiererei und von dort zur Montagehalle, die rings um das "Herzstück" bzw. "Zentralnervensystem" des Werkes gruppiert sind. "Die architektonische Lösung drängt sich nicht aufgeregt in den Vordergrund. Sie entwickelt sich wie selbstverständlich aus der Funktion und mehr noch: sie verdeutlicht sie", äußerte Peter Claussen, Leiter des BMW-Werkes Leipzig, 2002 bei der Präsentation der Siegerentwürfe im Architekten-Wettbewerb. Wie das zu verstehen ist, kann man im Leipziger BMW-Gebäude unmittelbar erleben. Nicht nur die Transportwege innerhalb der Autofabrik wurden von Hadid als Bestandteil eines fließenden Entstehungsprozesses inszeniert. Auf mehreren höhenversetzten Ebenen finden kaskadenartig abgestufte Arbeitsflächen Platz. Großraumbüros der Verwaltung mit verglasten Besprechungsinseln, Labor- und Konferenzräume sind miteinander verbunden durch Rampen, Treppen und Flure und - symbolisch - durch die blau angestrahlten Förderbänder.

Dass die aktuelle Auszeichnung einem Bau aus der Arbeitswelt zuteil wurde, setzt auch für den von der E.ON Ruhrgas AG vergebenen Deutschen Architekturpreis neue Akzente. So waren es in den zurückliegenden Jahren vor allem öffentliche Gebäude, denen diese Ehrung zuteil wurde, wie etwa dem Bundeskanzleramt, dessen Planer 2003 den Preis erhielten. Die mit namhaften Architekten international besetzte Jury würdigte das BMW Zentralgebäude in Leipzig als "völlig neuen Typus der Industriearchitektur". Das Gebäude sei für die Entwicklung des Bauens in unserer Zeit beispielhaft. Es zeichne sich durch eine ganzheitliche Lösung und Innovation aus, trage zur Gestaltung des öffentlichen Raumes bei und sei vorbildlich in der Rücksichtnahme auf Probleme der Umwelt und in Bezug auf wirtschaftliche Wärmeversorgung.


Innenansicht BMW Zentralgebäude, Werk Leipzig
©BMW AG

Das Zentralgebäude des Leipziger BMW-Werkes ist Hadids erster Industriebau. Die 1950 in Bagdad geborene Hadid studierte in den siebziger Jahren in London unter anderem bei dem niederländischen Architekten Rem Koolhaas und galt lange Zeit als theoretische Vordenkerin der Architektur. Ihre dekonstruktivistischen Entwürfe wurden zwar auf internationalen Wettbewerben prämiert, galten aber lange als unbaubar. Realisiert wurden von ihren Projekten 1993 das Feuerwehrgebäude einer Möbelfabrik in Weil am Rhein, ebendort 1999 ein Pavillon für die baden-württembergische Landesgartenschau, 2002 die Skiflug-Schanze in Innsbruck, 2003 ein Ausstellungsgebäude in Cincinnati/USA und 2005 das Wissenschaftszentrum "Phaeno" in Wolfsburg.
Maria Morais

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