In dieser Ausgabe:
>> Interview Ellen Gallagher
>> Porträt Marlene Dumas
>> Neuankäufe 2005
>> Ausstellungs-Highlights 2006

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Laura Owens: Untitled, 1998,
Sammlung Deutsche Bank, Copyright Laura Owens, Courtesy Sadie Coles HQ, London


Fern jeder Wirklichkeit muten die Arbeiten von Markus Schinwald an. Für Verwirrung sorgt hierbei das Medium selbst: Während Film und Fotografie trotz aller Verfremdungen durch die Kunst noch immer dokumentarischen Charakter besitzen, verhalten sich die Menschen in Schinwalds Aufnahmen zunehmend irreal. Ganz ähnlich funktionieren die Motive von Diarios (to you).



Markus Schinwald: Foto aus der Serie
"Diarios (to you)", 2003,
Sammlung Deutsche Bank, Courtesy Galerie Georg Kargl, Wien

Auf den schwarzweißen Dias im Cinemascope-Format überlagern sich mehrere Bildebenen zu einer fragmentarischen Geschichte, die am Ende das Klischee der lokalen Identität unterlaufen: Schinwald hat in Wien gerade solche Orte ausgemacht, an denen die Stadt nicht den trägen Charme vergangener Epochen ausstrahlt.


Mike Bouchet: Screw on/Screw off, 2004,
Sammlung Deutsche Bank


Dass aus der widerständigen Interpretation alltäglicher Belanglosigkeiten ein ungeheures Potential erwachen kann, zeigen auch andere Neuankäufe. Die aus selbst gebrauter Cola fabrizierten Sujets von Mike Bouchet, die figurativen Miniaturen eines Stefan Ettlinger oder jene Heiligen Antoniusse, die Claudia und Julia Müller in allen Varianten quer durch die Kunstgeschichte ausgemacht und zu Papier gebracht haben, vermitteln neben dem subjektiven Blick Reflexionen über universelle Themen wie Globalität, Glauben oder Politik.



Claudia und Julia Müller: Marten de Vos und Peiter Breughel
aus der Serie "Zwei heilige Antoniusse", 2004,
Sammlung Deutsche Bank

Darum geht es auch der US-Künstlerin Ellen Gallagher in ihrer Serie DeLuxe, die Werbeanzeigen aus afro-amerikanischen Magazinen der fünfziger Jahre manipuliert. Mittels digitaler oder zeichnerischer Eingriffe und dem Einsatz von Knetgummiformen transformiert sie die Magazin-Images zu einem Kommentar über unbewusste ästhetische Konventionen.

Ellen Gallagher: Blatt aus der Serie
"DeLuxe", 2004/2005,
Sammlung Deutsche Bank © Ellen Gallagher, Courtesy the artist and Hauser & Wirth Zürich London
Ellen Gallagher: Blatt aus der Serie
"DeLuxe", 2004/2005,
Sammlung Deutsche Bank © Ellen Gallagher, Courtesy the artist and Hauser & Wirth Zürich London


Eine konträre Methode wählt der Brite Angus Fairhurst, der direkt in den ausgerissenen Seiten diverser Hochglanzmagazine Fehlstellen produziert. Dennoch entleeren sich die massenmedialen Motive nicht – dank der gewaltsamen Reduktion animieren sie vielmehr zur exakteren Wahrnehmung dessen, was noch übrig ist. Und das kann manchmal viel mehr sein.



Angus Fairhust:
Two double pages from a magazine, 2004,
Sammlung Deutsche Bank
Copyright Angus Fairhurst, Courtesy Sadie Coles HQ, London

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