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Ein begehbares Bild
Deutsche Bank Stiftung verleiht Preis für junge Kunst aus Polen



Seit ihrer Fertigstellung 1900 fungiert die Warschauer Zacheta, ein weißer Palast im Stil der Neorenaissance, vor allem als Forum zur Förderung neuer polnischer Kunst. Der monumentale Prachtbau im Zentrum Warschaus ist somit der ideale Ort für die Schau "Views 2005", die Arbeiten der Künstler präsentiert, die für den Preis für junge polnische Kunst nominiert worden sind. Die Auszeichnung – sie ist dieses Jahr zum zweiten Mal verliehen worden – wurde von der Deutschen Bank ins Leben gerufen.



Wilhelm Sasnal, Ohne Titel, 2004
Sammlung Deutsche Bank

Pionierarbeit in Polen: Mit dem Preis für junge polnische Kunst und der Ausstellung der nominierten Künstler in der Zacheta National Gallery of Art unterstützt die Deutsche Bank eine Szene im Aufbruch. Denn trotz mangelnder künstlerischer Infrastruktur im eigenen Land – zwar entstanden in den letzten Jahren einige neue Galerien, aber noch fehlen potente Sammler und Sponsoren – findet junge Kunst aus Polen zunehmend internationale Beachtung.

Wilhelm Sasnal, Ohne Titel, 2004
Sammlung Deutsche Bank


Piotr Uklanski oder Pavel Althamer schafften ihren Durchbruch in den Neunzigern und die Gemälde von Shootingstar Wilhelm Sasnal, der es bis in die Saatchi Collection geschafft hat, erzielen gerade Höchstpreise. Und auch viele der Künstler von Views 2005 sind außerhalb Polens längst keine Unbekannten mehr. Die Arbeiten der Nominierten bilden ein vielfältiges Spektrum an Positionen, es verbindet sie aber die Auseinandersetzung mit der sich rasant wandelnden Alltagswelt ihres Landes und der Rolle der Kunst in der Gesellschaft.


Maciej Kurak, Parergon, 2005
Foto © Sebastian Madejski


Mit einer interaktiven Rauminstallation überzeugte Maciej Kurak die Juroren des Preises für junge polnische Kunst, zu der u.a. Ariane Grigoteit, Direktorin Deutsche Bank Art, gehörte. Besonders hervorgehoben wurde bei der Vergabe des mit 10.000 Euro dotierten Preises im Rahmen einer festlichen Gala "die neue Qualität der Art und Weise, mit der der Künstler den Raum wahrnimmt und erfahrbar macht, verbunden mit seinen originellen Reflektionen zum Thema der künstlerischen Präsentation", so die Begründung der siebenköpfigen Jury. Der Entscheidung gingen leidenschaftliche Diskussionen voraus. Der Künstler selbst schien nicht mit der Auszeichnung gerechnet zu haben und war angesichts dieser Überraschung sichtlich gerührt. Architektur ist für Kurak die wichtigste Inspirationsquelle. Überraschende, oft auch humorvolle Eingriffe in bestehende Gebäude oder Räume, die sich durch eine ganz spezifische Geschichte auszeichnen, kennzeichnen seine Arbeiten. Für Views 2005 hat der 33-Jährige in einem Galerieraum der Zacheta eine auf den ersten Blick ganz durchschnittliche Neubauwohnung mit rosa gestrichenen Rigipswänden installiert. Allerdings hat er die Einrichtung, die aus jedem beliebigen Möbel-Discounter stammen könnte, teilweise zersägt. Der in Poznan lebende Künstler lässt die spießig-surreale Gemütlichkeit der kleinen Zimmer mit den monumentalen Räumen des historischen Ausstellungshauses kollidieren. Ein alter Bilderrahmen dient als Fenster, durch das die Ausstellungsbesucher Kuraks Environment betreten können und für einen Moment zur Hauptfigur eines lebendigen Bildes avancieren. Parergon, also Zierrat oder Beiwerk, lautet der Titel der Arbeit, der sich zugleich auf Jacques Derridas Buch Die Wahrheit in der Malerei (1978) bezieht. Parergon lautet die Überschrift seines zentralen Kapitels, das im kunsthistorischen Diskurs über "Rahmen" eine wichtige Rolle spielt.

Anna Orlikowska, Being, Videoinstallation 2002
Foto © Sebastian Madejski


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