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Blassblaue Wolle, bewegliche Wände
Deutsche Bank Stiftung fördert große Trockel-Retrospektive in Köln




Rosemarie Trockel, Stell dir vor, 2002
Privatsammlung Köln, (c)VG Bild-Kunst, Bonn 2005

"Deutsche Bank fördert Menopause" – so könnte die Überschrift zu dieser Meldung heißen, denn Menopause ist tatsächlich der Titel der großen Trockel-Werkschau im Museum Ludwig. Was anmuten mag wie ein Scherz, zeigt wie subversiv Rosemarie Trockel geschlechtlich besetzte Werte, Rollen und Begrifflichkeiten unterwandert, und sich damit im männlich dominierten Kunstbetrieb durchsetzt. Ein speziell für die große Glaswand im Foyer konzipiertes Wollgeflecht empfängt im Museum Ludwig die Besucher. Aus dicker, blassblauer Wolle besteht die Arbeit Menopause, die den Ausstellungstitel liefert. Mit Wolle arbeitet die 1953 geborene Künstlerin seit Mitte der achtziger Jahre: An Computern und Strickmaschinen realisierte sie ihre berühmten großformatigen Strickbilder, auf denen sie kulturell und politisch besetzte Symbole wie Hammer und Sichel, Hakenkreuz oder Playboy-Bunny als serielle Ornamente einarbeitete. In Trockels Strickmustern offenbaren sich gesellschaftliche Verhaltensmuster: Die Verharmlosung weiblicher Kreativität, die kulturelle Ächtung scheinbar minderwertiger Materialien wie Wolle.
Auf die Konstruktion und Dekonstruktion von Weiblichkeitsmythen am Ende des 20. Jahrhunderts reagiert Trockel mit einer ganz eigenen Dialektik. Nie lässt sie sich auf ein spezifisches Medium oder Werkkonzept festlegen, sondern nutzt die unterschiedlichsten Medien wie Zeichnung, Objekt, Fotografie, Installation. So sind in der Kölner Ausstellung auch zwei Exponate ihrer Anfang der Neunziger entstandenen "Herdbilder" zu sehen.




Rosemarie Trockel, RAF (recycled Arnulf Rainer), 2004, (c)VG Bild-Kunst, Bonn 2005

Mit einem einfachen Kunstgriff trat Trockel mit Kasimir Malewitschs Suprematismus in Korrespondenz und überführte gleichzeitig den weiblich besetzten Bereich der Kochkunst ironisch in den Bereich der Hochkunst: Ihre Bilder sind nichts anderes als schwarze Herdplatten auf einer weißen Emailleplatte, die vertikal an die Wand montiert werden und so direkt an Malewitschs Idealform des Kreises anknüpfen.



Rosemarie Trockel, Phobia, 2002, (c)VG Bild-Kunst, Bonn 2005

Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung bildet die Gruppe der Moving Walls (2000-2005). Diese beweglichen architekturhaften Aluminiumskulpturen werden in eine von der Künstlerin konzipierten Präsentation so eingebunden, dass sie vielfache Bezüge mit kleineren Objekten, Multiples, Architekturmodellen sowie Entwürfen für Bücher und Objekte eingehen. Das verdeutlicht, wie die Hauptwege in Trockels Werk durch mäandernde Nebenwege inspiriert und vorangetrieben werden. Wichtiger Bestandteil der Ausstellung sind auch ihre Videos, Zeichnungen und Entwürfe für Bücher. Lange Zeit blieben sie weitgehend unbekannt. In der Kölner Schau wird ihre Katalysatorenfunktion für das Gesamtwerk gewürdigt. Das bietet die Chance, bislang unbekannte Arbeitsfelder der Kölner Künstlerin im Kontext ihres Werkes kennen zu lernen. Für Trockel, die mit zahlreichen Werken in der Sammlung Deutsche Bank vertreten ist, ist die Ausstellung im Museum Ludwig ein Heimspiel, wenn auch ein sehr spätes. Über ein Jahr arbeitete sie mit der Kuratorin Barbara Engelbach an der Konzeption und Realisierung der Schau. Auf mehr als tausend Quadratmetern ermöglicht die Ausstellung einen Einblick in ein einzigartiges und unverwechselbares Werk, das Trockel nicht nur international zu einer der wichtigsten Künstlerinnen ihrer Generation macht, sondern auch zu einem Vorbild und für nachfolgende Künstler und Künstlerinnen werden ließ.



Rosemarie Trockel, Who will be in in '99, 1988
Sammlung Deutsche Bank, (c)VG Bild-Kunst, Bonn 2005

Rosemarie Trockel – Menopause
29. Oktober 2005 bis 12. Februar 2006
Museum Ludwig, Köln