In dieser Ausgabe:
>> Jeff Koons: Interview
>> Eine Welt voller Multiples: Richard Prince
>> The Art of Shopping
>> Malen bei 150 BPM: Michel Majerus

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Von Tür zu Tür…
Ein Besuch bei Jeff Koons




Jeff Koons Studio, New York
Courtesy Cheryl Kaplan ©Copyright Cheryl Kaplan 2005. All rights reserved.

Neben Andy Warhol ist Jeff Koons wohl der "amerikanische" Künstler schlechthin: Wie keiner seiner Zeitgenossen hat Koons die künstlerischen Strömungen des 20. Jahrhunderts mit den kommerziellen Strategien der Werbung und Unterhaltungsindustrie konfrontiert. Seinen internationalen Durchbuch erlangte Koons in den achtziger Jahren mit Arbeiten wie seinen Skulpturen aus Hoover – Staubsaugern, der "Stainless Steel" Serie, oder der berühmten Porzellanskulptur von Michael Jackson und dessen Affen „Bubbles“. 2000 zeigte er im Deutschen Guggenheim in Berlin seine Aufragsarbeit " Easyfun-Ethereal" Cheryl Kaplan hat Koons in seinem New Yorker Studio besucht.

Jeff Koons in seinem Studio, 2005
Courtesy Cheryl Kaplan ©Copyright Cheryl Kaplan 2005.
All rights reserved.


Wenn man Jeff Koons Studio betritt, ist das eher als käme man in eine Autofabrik oder ein NASA-Labor als in ein Künstleratelier. Männer in weißen Overalls schwirren um merkwürdige Objekte. Einsatzteams von Malern stehen auf Leitern über Unmengen von Farbeimern, die ausreichen würden, um ein ganzes Viertel neu bezogener Eigenheime anzustreichen. Dann gibt es auch den staubfreien Raum, in dem aufblasbare Skulpturen auf Hochglanz gebracht, und hinter versiegelten Türen und durchsichtigen Plastikvorhängen verstaut werden. Es ist ein bisschen so als träfe Elisabeth Arden auf den Renaissance-Künstler Vasari: Für Koons und seine 50 Mitarbeiter allerdings ein ganz normaler Arbeitstag. Die Stimmung ist entspannt, auch wenn links und rechts ganz deutliche Anweisungen erteilt werden. Riesig zeichnen sich Comic-Figuren wie der Hulk oder Popeye ab. Ganz in der Nähe findet sich ein mit Badespielzeug und Mustern voll gestopfter Schrank, ein Modell für eine Eisenbahnskulptur ist ebenfalls zu sehen – ein Großauftrag für eine europäische Institution. Das Tageslicht im Studio taucht alles in eine traumartige Atmosphäre, während Jeff mit seiner extra-langen Führung beginnt.


Jeff Koons Studio, New York, 2005
Courtesy Cheryl Kaplan ©Copyright Cheryl Kaplan 2005. All rights reserved.

Cheryl Kaplan: Der Produktstand ist bei Ihren Arbeiten immer sehr hoch. Warum ist diese "hervorragende Qualität", mit der sich ja amerikanische Produkte gerne schmücken, so wichtig für Sie?

Jeff Koons: Der Betrachter muss dem Objekt vertrauen. Als ich jünger war, besuchten wir eine Gießerei und dort haben sie der Rückseite nie so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie der Vorderseite. Das habe ich nie verstanden. Dadurch verliere ich Vertrauen. Ein Objekt ist ein abstrakter Gedanke, der zu Lebensenergie transformiert wird.

Also wenn das Objekt keine Makel aufweist…

…dann befindet es sich in einem höheren Bewusstseinszustand.

Die Japaner besitzen ein ausgeprägtes Gefühl für Akribie, um dem Erzeugnis eine einzigartige Geschichte zu verleihen.

Ordnung und Akribie zeugen auch davon, dass man Anteil nimmt, dass man sich kümmert. Kunst dreht sich immer um den Betrachter. In Amerika sind die Leute ohne ästhetische Kontrolle glücklich.



Jeff Koons, Sandwiches, aus der Serie " Easyfun-Ethereal", 2000
Sammlung Deutsche Bank, ©Jeff Koons

Der Standard von Produkten, den man mit dem Amerika der späten Fünfziger und Sechziger verbindet, hat sich verändert.

Das trifft wohl auf die bildenden und angewandten Künste zu, aber in der Welt des High Tech sind haben wir einen unglaublich hohen Standart erreicht. Ich glaube daran, Handwerkstechniken einzusetzen, die soviel Energie wie nur möglich in ein Objekt oder ein Gemälde einfließen lassen. Ich glaube nicht an das Handwerk um des Handwerks willen, es muss in der Lage sein, die Energie zu erhöhen. Was an Warhols Arbeiten so wundervoll ist, ist die Ökonomie des Ausdrucks.

Wie organisieren Sie Ihr Studio? Treffen Sie sich regelmäßig mit allen Mitarbeitern?

Nein, aber ich schaue in jedem Bereich vorbei. Es ist meine Aufgabe die Leute anzuleiten, auszubilden und sie auf dem Laufenden zu halten. Wenn ich etwas auf meinem Drucker ausdrucke, möchte ich, dass es genauso reproduziert wird. Es geht darum ihnen zu zeigen, wie man ganz genau hinschaut.



Mitarbeiter in Koons Studio, 2005
Courtesy Cheryl Kaplan ©Copyright Cheryl Kaplan 2005. All rights reserved.

Warum hat Sie Greg Gormans Foto von David Bowie in einem goldenen Anzug so berührt?

Wegen der Oberflächenspannung, die ich bei dieser Aufnahme empfand. Ich erinnere mich, dass ich dachte: Wenn ich einen Hammer nehmen würde, würde es zerspringen, die Oberfläche war so dicht. Ich hatte immer einen Riesenrespekt vor Bowie. Er besitzt die Fähigkeit, uns mit wahrer Macht in Berührung zu bringen.

Sie haben gesagt: “Ich fände es toll, wenn Spalding auf mich zukommen würde und mich fragen würde, ob ich an einer Werbekampagne mitarbeiten möchte". Wo liegt für Sie die Grenze zwischen Kunst und Kommerz?



Jeff Koons, Three Ball 50/50 Tank, 1985, ©Jeff Koons

Als ich begann, mich mit Ready-Made Objekten beschäftigt zu beschäftigen, wollte ich, dass diese Dinge wie eine Werbung für meine Arbeit wirken. Ich dachte mir, wenn jemand einen Basketball oder einen Staubsauger sieht, denkt er an meine Arbeit. Ich liebe Reklame, aber die Kunst ist ausschließlich von den Vorstellungen des Künstlers abhängig.

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