In dieser Ausgabe:
>> Interview mit den Kuratorinnen: Hilla von Rebay im Guggenheim in New York
>> Presse zu "25" im Deutsche Guggenheim

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Die Baroness und das Guggenheim


Ohne sie würde es das New Yorker Guggenheim Museum wie wir es kennen nicht geben. Die Künstlerin und Kuratorin Baroness Hilla von Rebay plante den Museumsbau gemeinsam mit dem Architekten Frank Lloyd Wright. Schillernd, temperamentvoll und umstritten – die Baroness war eine unermüdliche Kämpferin für die abstrakte Kunst. Lange vergessen wird die erste Direktorin des Guggenheim Museums jetzt in New York mit einer umfassenden Ausstellung geehrt. Gesponsort von der Deutschen Bank entstand die Schau in Zusammenarbeit mit dem Solomon R. Guggenheim Museum, der Villa Stuck in München und dem Schlossmuseum Murnau. Cheryl Kaplan hat zwei der Kuratorinnen getroffen.



Jo-Anne Birnie Danzker und Karole Vail, Kuratorinnen von
"Art of Tomorrow: Hilla Rebay and Solomon R. Guggenheim"

Als Hilla von Rebay 1927 auf der „President Wilson“ nach Amerika aufbricht, arbeitet sie schon seit 18 Jahren mit großer Ernsthaftigkeit als Malerin. Rebay, eigentlich Baroness Hilla Rebay von Ehrenwiesen, wurde 1890 in Straßburg geboren. Sie stammt aus einer adligen Familie, doch was sie von Europa nach Amerika mitnimmt, verdankt sie nicht ihrer Herkunft, sondern dem Einfluss von Künstlern wie Hans Arp und Wassily Kandinsky: ihren unerschütterlichen Glauben an die abstrakte, gegenstandslose Kunst. Von diesem Glauben überzeugt sie bald nach ihrer Ankunft in Amerika Solomon R. Guggenheim und seine Frau Irene. Es ist Irene Guggenheim, die zuerst Rebays Arbeiten kauft – ein Gemälde und eine Collage, die sie in der Galerie Marie Sterners in New York entdeckt. Zur selben Zeit gibt Rebay der jungen Louise Nevelson Malunterricht und macht die Bekanntschaft mit Gertrude Vanderbuilt Whitney.



Hilla von Rebay, ca. 1928, vor einer ihrer Collagen,
Rebay-Archiv Wessling, © 2005 The Hilla von Rebay Foundation

Scheinbar hat sie sich der Neuen Welt angepasst, doch Rebay ist weit davon entfernt, die Alte Welt hinter sich zu lassen. Dort hatte Arp ihr im Jahre 1917 in der Galerie Der Sturm den Künstler Rudolf Bauer vorgestellt. Für Rebay wird Bauer eine romantische Obsession, die sie fast ihr Leben lang verfolgt. Ihre frühere emotionale Verbindung zu Arp hat sie schnell wieder gekappt, obwohl sie von Arp als Künstlerin viel gelernt hat und sich auf seine Unterstützung verlassen konnte. Von Bauer dagegen wird sie immer wieder mit harscher Kritik und Missachtung gestraft. Doch Rebay hält nicht nur an ihm fest, sie tut alles dafür, Solomon für Bauers Kunst zu begeistern. Dank Solomons Großzügigkeit erhält Bauer schließlich einen Vertrag als Kunstberater. Er kauft für Guggenheim in Europa Kunstwerke ein und berät ihn bei seiner stetig wachsenden Sammlung. Es zeigt sich, dass Bauer nicht nur ein gutes Auge hat, sondern auch Zugang zu Werken, an die Hilla ohne ihn nie herangekommen wäre. Bauer wiederum hat es ihr zu verdanken, dass seine Werke kritiklos für die Guggenheim-Sammlung angekauft werden, oft in Massen.



Sommer 1945: Solomon R. Guggenheim (rechts)
und Frank Lloyd Wright (links)
mit Hilla von Rebay vor dem Modell für das neue Museum (AP Photo), ©2005 The Hilla von Rebay Foundation

Bemerkenswert ist die Zeit zwischen 1929, als Bauer sein privates Galerie-Museum Das Geistreich in Berlin eröffnet – wiederum dank der Unterstützung von Guggenheim – und 1930, als Rebay mit Bauer über ihre eigenen Ideen für einen Museumsbau für die Guggenheim-Sammlung spricht. Hier wird die Bühne bereitet für Hillas kühnen und entschlossenen Plan, der 1939 glorreich verwirklicht wird: Dank Hillas und Guggenheims Vision wird in einem ehemaligen Autohaus an der East 54th Street in Manhattan das Museum für gegenstandslose Kunst eröffnet. Rebay wird die erste Kuratorin des Museums. Mit einzigartiger und unnachahmlicher Energie wird die Künstlerin Hilla von Rebay zum Motor für seine Verwandlung in das berühmte Solomon R. Guggenheim Museum. (Ein ausführliches Interview mit Hilla Rebay lesen sie hier.)

Kuratorinnen von Art of Tomorrow: Hilla Rebay and Solomon R. Guggenheim sind Karole Vail, Jo-Anne Birnie Danzker und Brigitte Salmen. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Solomon R. Guggenheim Museum, der Villa Stuck in München und dem Schlossmuseum Murnau organisiert. Nach der Premiere in New York wird die Ausstellung nach Stationen in München und Murnau auch im Deutsche Guggenheim in Berlin zu sehen sein.



Hilla von Rebay, Collage auf Papier,

CHERYL KAPLAN: Hilla von Rebay hat viele Wege beschritten: als Malerin, Kuratorin, Unternehmerin und Förderin gegenstandsloser Kunst – wie kam es dazu?

KAROLE VAIL: Auf jeden Fall besaß sie viele Facetten. Sie hat Kunst studiert, was für eine Kuratorin und Museumsdirektorin ziemlich ungewöhnlich ist.

JO-ANNE BIRNIE DANZKER: In Europa gehörte sie zur Avantgarde, dort verstand man sich nicht ausschließlich als Künstler . Diese Erfahrung hat sie mit nach Amerika gebracht.

Hatte sie schon früh den Wunsch, Künstlerin und Kuratorin zu sein?

JBD: Ich glaube nicht, dass sich dieses Bedürfnis früh entwickelt hat, weil es dafür zu ihrer Zeit kaum Vorbilder gab. Wenn man auf München im Jahre 1910 zurückblickt –dort hielt sie sich damals auf– dann gab es den Blauen Reiter und später den Sturm. Das waren die ersten Künstlergruppen, die auch auch Zeitschriften herausgaben und deren Mitglieder als Kuratoren tätig waren. Rudolf Bauer eröffnete sogar seine eigene Galerie. Aber Hilla ist wirklich einzigartig. Sie kaufte Kunst und hat später zusammen mit Solomon R. Guggenheim eine außergewöhnliche Sammlung aufgebaut. Sie arbeitete für das Museum mit dem Auge einer Künstlerin.

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