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25 - Die Jubiläumsausstellung der Sammlung Deutsche Bank


Mit einer spektakulären Jubiläumsschau im Deutsche Guggenheim feiert die weltweit größte Unternehmenssammlung ihren 25. Geburtstag. Von der Klassischen Moderne bis zur jüngsten Gegenwart: „25“, die erste umfassende Museumspräsentation der Sammlung Deutsche Bank, zeigt rund 300 herausragende Werke. Das visionäre Ausstellungsdesign der Londoner Star Architektin Zaha Hadid verwandelt die Schau in ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk.



Blick in die Ausstellung im Deutsche Guggenheim

Die Jubiläumsausstellung zum 25. Geburtstag der Sammlung Deutsche Bank überrascht mit ihrem ungewöhnlichen Konzept: 25 Wegbegleiter und Freunde wurden eingeladen, für die Schau herausragende Arbeiten aus der Corporate Collection auszuwählen – ihre Lieblingsstücke, die für sie den Geist des Kunstengagements der Bank verkörpern und eine persönliche Bedeutung haben. So schildern die Paten – Museumsdirektoren, Kuratoren, Galeristen, langjährige Berater, aber auch Vorstandsmitglieder der Bank – ihre ganz eigene Sicht auf die Sammlung. (Das Verzeichnis aller Paten finden Sie hier.) Entsprechend facettenreich präsentiert sich die Auswahl: Sie reicht von Werken der Neuen Sachlichkeit wie George Groszs bissigem Aquarell Menschen im Kaffeehaus (1918) über Arbeiten bedeutender Vertreter der Nachkriegskunst wie Joseph Beuys bis zu Bill Violas aufwändiger High-Tech Videoinstallation Going Forth By Day (2002). Erweitert wird der überwiegend externe Blick der Paten durch die Sektion "Curator's Choice". Hier sind neben „Meilensteinen“ der Sammlung ganz aktuelle Neuerwerbungen zu sehen: Arbeiten von Julie Mehretu, Tam Ochiai, Emel Geris und William Kentridge vermitteln einen Ausblick in die Zukunft der Sammlung.



Bill Viola, Going Forth by Day (Detail), The Deluge, 2002,
Sammlung Deutsche Bank
©Deutsche Guggenheim, Berlin/ Bill Viola

Die mittlerweile größte Unternehmenssammlung der Welt umfasst über 50.000 Arbeiten. Den Schwerpunkt bilden Werke auf Papier. Doch auch Gemälde, Skulpturen und Video-Installationen sind vertreten. Für 25 schlägt Dr. Ariane Grigoteit als Direktorin der Sammlung und Kuratorin der Ausstellung völlig neue Wege ein: "Die Geschichte der Kunst des 20. Jahrhunderts und der Unternehmenssammlung kann auf unendlich viele Weisen erzählt werden", sagt die Kuratorin. "Es ist völlig beabsichtigt, dass der Besucher in ein Labyrinth aus Ideen, visuellen Eindrücken und zeitgeschichtlichen Bezügen geführt wird.


Blick in Ausstellungshalle

Die Ausstellung fordert geradezu auf, sich ein persönliches Bild zu machen, von ausgetretenen Wegen abzuweichen." Dieses Konzept spiegelt sich auch im visionären Design der Schau wider. Die Ausstellungshalle und die umliegenden Räume der deutschen Bank Unter den Linden hat die Londoner Star-Architektin Zaha Hadid für 25 radikal verwandelt – in eine von Tunneln durchzogene, sphärische Raumlandschaft, organisch und technoid zugleich. Exponate und Ambiente verbinden sich zu einem faszinierenden Gesamtkunstwerk.


Internationale Gegenwartskunst prägt seit Jahren das Profil der Sammlung Deutsche Bank. Die Ausstellung zeigt subtile Aquarelle der amerikanischen Künstlerin Laura Owens und Zeichnungen von Elizabeth Peyton, neben Fotografien von Wolfgang Tillmanns, Thomas Struth und Hiroshi Sugimoto sind Werke von Francis Alys, Kara Walker und Neo Rauch zu sehen. Für 25 wurden erstmals auch Räume der benachbarten Deutschen Bank mit in eine Ausstellung der Deutsche Guggenheim einbezogen. Dort können die Besucher im Sanitätszimmer Arbeiten des Amerikaners Tom Sachs entdecken – die Kunst sozusagen "in situ" erleben, schließlich lautet das Motto unter dem die Sammlung Deutsche Bank steht "Kunst am Arbeitsplatz". Deshalb ist Kunst täglich in den Niederlassungen rund um den Globus präsent, nicht nur in den Vorstandsetagen, sondern auch in den Büros der Mitarbeiter, auf den Gängen oder eben auch an überraschenden Orten wie dem Sanitätszimmer.


Bernhard Prinz, Ideal, 1989,
Sammlung Deutsche Bank


Dank des ungewöhnlichen Konzepts präsentiert 25 die Sammlung Deutsche Bank mit vielen unterschiedlichen Gesichtern. Klassiker werden Arbeiten jüngerer Generationen gegenüber gestellt, was zu interessanten Konfrontationen und Brüchen führt. Einzelne Paten wählen ihre Favoriten quer durch die Kunstgeschichte der Sammlung, andere konzentrieren sich auf einen Künstler. So Miuccia Prada – die italienische Modedesignerin und Präsidentin der Kunststiftung Fondazione Prada hat sich auf nur eine Arbeit von Andreas Slominski beschränkt. Dr. Rolf-E. Breuer, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Bank und ehemals zuständig für das Kunstengagement der Bank, erinnert mit seiner Sektion an die Ausstellungen im Deutsche Guggenheim, die ihn am meisten beeindruckt haben: James Rosenquist, Hiroshi Sugimoto, Bill Viola und Miwa Yanagi. Die hohe Qualität der Unternehmenssammlung, das macht die Jubiläumsschau deutlich, ist das Ergebnis jahrelangen persönlichen Engagements. Der Blick ist in die Zukunft gerichtet: Auch mit 25 Jahren hat sich die Sammlung ihre jugendliche Neugier bewahrt – und auch die Bereitschaft, sich auf aktuelle, noch nicht etablierte und durchaus kritische Positionen einzulassen.