In dieser Ausgabe:
>> Presse zu "25" in Berlin und Dialog Skulptur in Seligenstadt
>> Interviews mit den Patinnen: Sadie Coles und Bärbel Grässlin

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Patinnen für die Kunst:
Sadie Coles und Bärbel Grässlin über ihre Favoriten in der Sammlung Deutsche Bank


Ihre Galerien in London und Frankfurt gehören zu den führenden Europas. Seit Jahren beraten Sadie Coles und Bärbel Grässlin zudem die Ankaufskommission der Sammlung Deutsche Bank. Als Patinnen für die Jubiläumsschau „25“ haben die Galeristinnen ihre ganz persönlichen Favoriten aus den mehr als 50.000 Werken der Sammlung ausgesucht. Oliver Koerner von Gustorf hat sie zu den Hintergründen ihrer Auswahl befragt.

Ich liebe diese Arbeiten einfach...
Sadie Coles über ihre Auswahl für 25



Laura Owens, Ohne Titel, 1999
Sammlung Deutsche Bank, © Laura Owens,
Courtesy Sadie Coles HQ, London

Oliver Koerner von Gustorf: Worauf beruht Ihre Auswahl für die Ausstellung “25”?

Sadie Coles: Mit meiner Auswahl – Laura Owens, Francis Alys and Sigmar Polke – möchte ich die Spannbreite der Künstler in der Sammlung Deutsche Bank verdeutlichen. Ausgangspunkt ist eine sehr frühe, wichtige – und natürlich deutsche – Zeichnung von Polke. Von diesem Punkt aus hat sich die Sammlung weiterentwickelt, etwa was die Themen ‚Junge Kunst’ oder ‚Nationalität’ anbetrifft. Laura Owens gehört zu den besten amerikanischen Künstlerinnen, die auf Papier arbeiten. Und Francis Alys scheint dazwischen zu stehen. Er ist Konzeptkünstler, arbeitet aber auch auf Papier. – Ich liebe diese Arbeiten einfach.

Besitzen diese beiden jungen Künstler für sie eine Gemeinsamkeit?

Nein, außer dass ich die Arbeiten beider Künstler sehr, sehr schön finde. Owens und Alys unterscheiden sich in ihrer Arbeitsweise. Ich habe beide Positionen ausgewählt, um unterschiedliche Herangehensweisen an Papierarbeiten zu zeigen. Die Blätter von Francis Alys beziehen sich auf seine Arbeiten in den Bereichen Film, Performance und Skulptur. Laura Owens dagegen nähert sich Malerei und Zeichnung auf eine eher akademische geprägte, aber auch spielerische Art.

In Ihrer Auswahl haben Sie sich auf Zeichnungen und Aquarelle beschränkt. Warum habe sie keine Fotografien ausgewählt?

Ich habe einfach meine Lieblingsstücke aus der Sammlung ausgewählt und diese Künstler schätze ich am meisten. Die Anzahl der Werke war ja begrenzt. Es war schwierig, eine Auswahl zu treffen, denn es gibt sehr viele fantastische Arbeiten in der Sammlung.

Sie haben betont, dass der Geist der Sammlung besonders durch Frühwerke geprägt wird. Was ist das besondere an diesen Arbeiten?

Wenn man die frühen Werke eines Künstlers anschaut, geben sie starke Hinweise auf die Richtung, in die sich dieser Künstler entwickeln wird. Von einem akademischen Standpunkt aus betrachtet sind sie unglaublich informativ. Frühwerke sind auch bezahlbarer. Das verschafft der Bank die Möglichkeit, einen Künstler gut in der Sammlung repräsentieren zu können, ohne so viel investieren zu müssen wie auf dem Höhepunkt seiner Karriere.


Ist es möglich, das Potential eines jungen Künstlers auf irgendeine Weise zu erkennen?




Sigmar Polke, Ohne Titel, 1968
Sammlung Deutsche Bank, © Sigmar Polke

Wenn wir das könnten, wären wir sehr, sehr reich (lacht). Offensichtlich ist es eine Art Spiel, aber das macht es auch so spannend. Natürlich gibt es gewisse Kriterien und man versucht sich abzusichern. Ich frage informierte Kollegen um Rat und versuchte, so viel wie möglich in Erfahrung zu bringen, bevor ich mich entscheide.

Sie beraten die Bank seit ein paar Jahren. Gibt es Richtlinien, an denen Sie sich orientieren müssen, etwa was die Corporate Identity der Bank betrifft?

Es gibt viele Kriterien, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Zuerst einmal die Grenzen des Ankaufsbudgets und die Briefings, die uns die Bank gibt. In der Geschichte der Sammlung gab es Zeiten, in denen sie sich vor allem auf deutsche Künstler konzentriert hat. Aber das hat sich grundlegend geändert, sogar in der kurzen Zeit, in der ich beteiligt bin. Jetzt gibt es auch Interesse an Künstlern aus bestimmten Regionen, in denen die Bank vor Ort aktiv ist. So sagen sie mir beispielsweise, sie sind an Künstlern aus Los Angeles, Südamerika oder Japan interessiert. Dann gibt es natürlich auch ganz einfach praktische Erwägungen. Die Kunstwerke müssen einfach zu zeigen und in Stand zu halten sein. Leicht zerbrechliche oder sehr große Werke eignen sich nicht für die Sammlung. Die Werke müssen leicht zu bewegen sein und müssen in den Büros ihren Platz finden können. Und schließlich gibt es auch politische Kriterien. Die Werke werden in den Räumen eines Unternehmens ausgestellt. Dort sollte nichts Anstoß erregen.

Aber das hat sich doch etwas geändert?

Ja, tatsächlich gibt es einige ziemlich gewagte Arbeiten, gerade wenn man bedenkt, dass es die Sammlung einer großen Bank ist. Trotzdem gibt es Einschränkungen was sexuelle Inhalte betrifft.

Was war für Sie der bis jetzt spannendste Ankauf für die Bank?

Bei Werken, an die man nur schwer herankommt, wird es immer ziemlich spannend. Francis Alys ist dafür ein gutes Beispiel. Jemand, der jung ist und dessen Arbeiten sehr begehrt sind – wie Wilhelm Sasnal.



Francis Alys, L’adoration des images, 2001
Sammlung Deutsche Bank, © Francis Alys, Yvon Lambert, Paris

Wie lauten Ihre Hoffnungen und Erwartungen für die nächsten 25 Jahre der Sammlung?

Dass die Sammlung weiterhin aktuelle Entwicklungen in der Gegenwartskunst widerspiegelt. Ich wünsche mir, dass die Sammlung ihre Relevanz behält und nicht verknöchert, indem sie sich nur noch auf die Werke einer bestimmten Zeit konzentriert. Sie sollte sich weiterhin fokussiert und gründlich mit junger Kunst auseinander setzen, so dass sie die besten jüngeren Künstler mit mehr als nur ein oder zwei Werken repräsentieren kann.


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