In dieser Ausgabe:
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Creative Director Tony Finegan über die Arbeit an "Visuell" , dem Magazin der Deutsche Bank Art



Visuell Cover, Ausgabe 2


Das 25-jährige Bestehen der Sammlung Deutsche Bank wird ab dem 30. April 2005 mit einer ganz besonderen Ausstellung im Deutsche Guggenheim gefeiert. Anlässlich des Jubiläums werden 25 prominente Paten ihre Lieblingswerke aus der Sammlung präsentieren, während Dr. Ariane Grigoteit, Direktorin der Deutsche Bank Art, in der Sektion "Curators Choice" zukunftsweisende Werke und Künstler vorstellt. Erstmals wird für dieses Ereignis die Ausstellungsfläche des Deutsche Guggenheim erweitert und zusätzliche Bereiche des Gebäudes der Deutschen Bank Unter den Linden in die Ausstellungsarchitektur integriert. Für das Design der Schau konnte die Londoner Star-Architektin Zaha Hadid gewonnen werden, die das Haus in einen Parcours für die Kunst verwandeln wird. Dabei wird die dritte Ausgabe des Deutsche Bank Art-Magazins "Visuell" die Jubiläumsausstellung mit zahlreichen Artikeln und Reportagen begleiten. Zugleich fungiert das aktuelle Magazin als Katalog, in dem die Ausstellung und die Paten mit "ihren Werken" ausführlich vorgestellt werden. Das ist auch eine Herausforderung für die Londoner Design- und Medienagentur SPIN , die die in Englisch und Deutsch erscheinenden "Visuell"-Hefte seit der ersten Ausgabe gestalterisch betreut. Im Interview erläutert Tony Finegan, Creative Director von SPIN, das Konzept und die Geschichte des Magazins und erklärt, warum ihn bei seiner Arbeit die Gegenwartskunst mehr als aktuelle Trends in Grafik und Design inspiriert.



Visuell, Ausgabe 2, Foto auf einer Doppelseite

Wie würden Sie das kreative Konzept von SPIN beschreiben?

Grundsätzlich würde ich sagen, dass wir an dem Ausloten von Ideen interessiert sind. Unsere besten Arbeiten beruhen immer auf gründlichen Überlegungen und dem Sinn für das wirklich Zweckmäßige. SPIN gehört nicht zu den Firmen, die bereits eine Antwort parat haben, bevor der Kunde eine Frage stellt. Grafisch gehen wir immer sehr methodisch vor. Wir lieben es, die Beziehungen zwischen Bildern, Sprach- und Zeichensystemen zu erkunden und für unsere Arbeit zu nutzen. Wir bemühen uns um ungewöhnliche Verbindungen ganz unterschiedlicher Typografie. Dabei orientieren wir uns eher an Kunst und Künstlern als an unseren Zeitgenossen in den Bereichen von Grafik und Design. Besonders die Art und Weise, wie Künstler in ihren Arbeiten gegenwärtige Medien nutzen und untergraben, ist für uns sehr spannend. Man denke da nur an die Video-Installationen von Bill Viola und Bruce Nauman oder die Art und Weise, in der Lawrence Weiner mit Botschaften und Typografien arbeitet.

Hierbei ist für uns nicht nur das visuelle Erscheinungsbild der Arbeiten inspirierend, sondern der konzeptionelle Ansatz, der ihnen zu Grunde liegt.



Visuell, Ausgabe 2, Beispiel für die typografische Gestaltung

Sie sagten, die Kunst unterlaufe die Medien. Aber ist es in Wirklichkeit nicht genau anders herum. Wird die aktuelle Kunst nicht von Design, Mode und der Werbeindustrie unterlaufen?

Ich meinte mit dem "Unterlaufen" der Medien eher den Umstand, dass der Kunstbegriff "ausgedehnt" wird – die Art und Weise, mit der die Gegenwartskunst die Dinge aufgreift und in einen anderen Kontext bringt.



Modell Epic im Auftrag von Nike


Sehen Sie in diesem Zusammenhang Ihre eigene Arbeit ebenfalls als künstlerisch an?

Nein, das tue ich nicht. Wenn wir einen Auftrag mit einer bestimmten Zielsetzung annehmen, hoffen wir natürlich immer, dass da auch ein gewisser Kunstsinn mit ins Spiel kommt. Aber in erster Linie suchen wir nach einer ansprechenden und innovativen Lösung für den Kunden. Wenn wir uns jedoch mit neuen und interessanten Medien beschäftigen, tun wir dass schon auf künstlerische Weise. Häufig arbeiten wir zunächst an selbst initiierten Projekten, wenn wir uns mit Medien befassen, die uns noch nicht vertraut sind. So fingen wir vor ungefähr vier Jahren an, im Fernsehbereich zu arbeiten. Am Anfang stand hierbei unsere Suche nach einem ganz persönlichen Ausdruck. Wir begannen zu filmen und stellten grafische Animationen her – nicht für den Kunden, sondern ausschließlich für uns. Das gehört zu unserem Konzept. Ich weiß allerdings nicht, ob man das als Kunst bezeichnen kann. Während der Künstler danach strebt, sich selbst auszudrücken, haben wir einen Kunden. Unsere Sicht ist da viel pragmatischer.




CI-Entwurf und Plakat für die Whitechapel Gallery

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