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"Ein spannender Diskurs aller Beteiligten"
Dr. Ariane Grigoteit zur Kunst im Neubau der Deutschen Bank in Stuttgart



Im Neubau der Deutschen Bank AG in Stuttgart trifft die Kunst auf ein innovatives Arbeitsplatzkonzept. Mobile Büros bieten die Möglichkeit, den Arbeitsplatz nach den individuellen Erfordernissen auszurichten. In diese Atmosphäre freier Arbeitsplatzgestaltung fügt sich das Kunstkonzept der Bank ein, das mit Werken von in Stuttgart verwurzelten Künstlern ein Spektrum von klassischer Moderne bis zur aktuellen jungen Kunst abdeckt. Dabei werden nicht nur kunsthistorische Bezüge hergestellt, wie etwa zwischen Arbeiten von Oskar Schlemmer und der jungen Fotografin Delia Keller, die sich in ihrer gleichnamigen Arbeit mit der Bauhaustreppe (1932) des Meisters auseinandersetzt. Auch die Präsentation der Werke selbst tritt mit der Architektur in Dialog, wobei die Perspektiven von lokalen Bezügen zur Sicht auf das internationale Kunstgeschehen wechseln. So sind es vor allem die Arbeiten Günther Förgs, dessen großformatige Architekturfotografien Details des Stuttgarter Neubaus ins Licht setzen, um so neue Sichtweisen auf die uns umgebende Welt zu ermöglichen.



Delia Keller, Nach Millet, 2000
Sammlung Deutsche Bank

Neben Förg ergänzt das Werk eines weiteren internationalen Kunststars die regional verwurzelten Positionen der Ausstellung: Die scheinbar harmlos wirkenden abstrakten Punktbilder des Briten Damien Hirst, der bereits im Londoner Winchester House der Bank mit wichtigen Arbeiten vertreten ist, verweisen im Titel auf die Welt der Pharmazie. Wie schon seine die Öffentlichkeit schockiernden, in Formaldehyd präparierten Tierkörper belegt auch diese Serie - eine Arbeit daraus ist in Stuttgart zu sehen - einmal mehr seine Untersuchungen um den Kreislauf von Leben und Tod. Dem Schwerpunkt auf zeitgenössische Kunst der Sammlung Deutsche Bank entsprechend, spiegeln die im Gebäude vertretenen Kunstgattungen, wie Malerei, Skulptur, Zeichnung, Grafik und Fotografie, mit ihrem besonderen Fokus auf die jüngere Kunstgeneration die Vielfalt aktueller Strömungen in der Kunstszene wieder. Anlässlich der Eröffnung des neuen Gebäudes am 27. September sprach Petra Mostbacher-Dix für die Stuttgarter Nachrichten mit der verantwortlichen Kuratorin Dr. Ariane Grigoteit, Global Head der Deutsche Bank Art, über die Kunst, die Bank und das Kunstkonzept für den Stuttgarter Neubau.

Sie haben wesentlichen Anteil am Aufbau der Kunstsammlung der Deutschen Bank. Wie fühlt man sich in der Rolle als Frau der ersten Stunde?

Sehr gut! Es ist schön, wenn man so eine Sammlung mit aufbauen kann. Sie hatte auch wunderbare Fürsprecher. Das einstige, leider kürzlich verstorbene Vorstandsmitglied Herbert Zapp brachte mit seinem Assistenten Bernhard Steinrücke, der nun die Deutsch-Indische Handelskammer in Bombay leitet, den Stein ins Rollen. Zusammen mit Friedhelm Hütte bin ich seit 1986 für die Sammlung der Deutschen Bank tätig. Zu dieser Zeit promovierte ich noch über die Beuys'schen Wasserfarben und machte im Frankfurter Städel Führungen. Dort wurde ich gefragt, ob ich das nicht auch für die Deutsche Bank tun wolle. Das habe ich dann gemacht - und schnell gemerkt, dass zwischen den Museumsführungen und der Bankaufgabe ein Riesenunterschied ist.



Günther Förg, Ohne Titel (Inturist Garage), 1995
Sammlung Deutsche Bank



Dr. Ariane Grigoteit,
Kuratorin und Global Head Deutsche Bank Art

Was war anders?

Ins Museum kommen die Leute, um Kunst zu sehen. Was dort hängt, ist sozusagen abgesegnet. In einem anderen Umfeld, etwa in Geschäftsräumen einer Bank, wird man gefragt, was daran überhaupt Kunst ist. Die Auseinandersetzung zwischen Künstler und Wirtschaftsvertretern ist immer spannend, weil zwei Welten aufeinander treffen.

Dennoch gibt es in den Frankfurter Zwillingstürmen der Deutschen Bank über 200 Führungen im Jahr. Das Interesse an den Kunstschätzen ist also groß.

Ja, die Führungen unserer Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker sind äußerst beliebt. Im vergangenen Jahr waren es exakt 251 Führungen, also mehr als das Jahr Arbeitstage hat. Natürlich haben die Besucher ein ganzheitliches Interesse. Da steckt aber nicht nur die Kunst, sondern auch eine gewisse Neugierde dahinter, wie es bei der Deutschen Bank hinter den Kulissen aussieht.

Was bekommen die Besucher da zu sehen?

Wir wollen einen Überblick darüber bieten, was seit dem zweiten Weltkrieg in der Gegenwartskunst geschieht. So ist etwa jedes Stockwerk in der Frankfurter Zentrale unserer Bank mit den Werken eines Künstlers bestückt. Dabei haben wir uns den Künstlern und Studenten zweier wichtiger Akademien angenommen: der Düsseldorfer und der Karlsruher Akademie. Für die Düsseldorfer steht Joseph Beuys und seine Nachfolger wie etwa Felix Droese, für die Karlsruher HAP Grieshaber und seine Studenten wie Horst Antes.




Willi Baumeister, Ohne Titel, o. J.
Sammlung Deutsche Bank

Sie haben auch das Kunstkonzept für die neue Stuttgarter Zentrale der Deutschen Bank erstellt. Nach welchen Kriterien?

Wichtig war uns unter anderem, Werke mit klassischen Stuttgarter Wurzeln zu zeigen. Im Neubau in der Theodor-Heuss-Strasse 3 zeigen wir Werke von Willi Baumeister oder Oskar Schlemmer. Auch Fotografien von Anton Stankowski, der ja das weltbekannte Firmenlogo der Deutschen Bank geschaffen und bis zu seinem Tod in Stuttgart gelebt hat, werden hier zu sehen sein. Natürlich fehlt die junge Generation nicht. Karin Sander haben wird ausgewählt, Tobias Rehberger, Delia Keller oder den Zeichner Peter Holl. Uns ist es immer wichtig, dass bei jedem Konzept für eine Niederlassung ein Bezug zur Stadt vorhanden ist. Für unser neues Haus in Sydney etwa, das Sir Norman Foster entworfen hat, wurde ein eigenes Leitsystem von zwei Aboriginee-Künstlern geschaffen, während weitere Werke die anderen vier Kontinente spiegeln.


Welche besonderen Herausforderungen haben sich für die Hängung der Kunstwerke durch die Architektur des neuen Gebäudes in Stuttgart ergeben?

Tatsächlich stellte die Architektur eine besondere Herausforderung für die Ausstattung dar. Von den Architekten war ursprünglich eine kunsthandwerkliche Ausstattung geplant, die den Kern des Gebäudes farbig akzentuiert und etwa für die Sitzmöbel einen eher skulpturalen Charakter vorsah. Gemeinsam haben wir dann eine Präsentation erarbeitet, die nun am äußeren Architekturkern die Ausstellung großformatiger Schwarzweiß-Fotografien und im doppelstöckigen Atrium die Präsentation von Skulpturen zeigt.

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