In dieser Ausgabe:
>> Rückblick: Das MoMA in Berlin
>> Kunst im Deutsche Bank Neubau Stuttgart / Die Presse zu Robert Mapplethorpe

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Über eine Million Besucher im MoMA in Berlin:
Ein Rückblick auf die Blockbuster-Ausstellung



Das MoMA in Berlin schlug alle Besucherrekorde. Grund genug für die Veranstalter, zufrieden in die Zukunft zu schauen. Katharina von Chlebowski und André Odier haben als Projektleiter für den Verein der Freunde der Neuen Nationalgalerie die Schau von Anfang an betreut. Im Interview mit db artmag ziehen sie ein kurzes Resümee.



Warteschlange um die Neue Nationalgalerie, Berlin Foto: (c) Courtesy Verein der Freunde der Nationalgalerie, Berlin


Am 1. September gegen 10.30 Uhr des 163. Ausstellungstages konnte die millionste Besucherin des MoMA in Berlin begrüßt werden. Die neunzehnjährige Studentin Marie-Louise Dietrich und ihre Mutter wurden in der über 800 Meter langen Warteschlange vor der Neuen Nationalgalerie von Mitarbeitern der Nationalgalerie und der Deutschen Bank sowie dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, überrascht. Die Besucherinnen erhielten eine Reise zur feierlichen Wiedereröffnung des MoMA in New York für zwei Personen. Der Trip in die amerikanische Metropole wurde von der Deutschen Bank, die den Flug schenkte, großzügig unterstützt. "Die Resonanz der Menschen auf die MoMA- Ausstellung hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen. Es freut mich ganz besonders, dass die Deutsche Bank als MoMA-Sponsoring Partner den großen Erfolg der Schau mitverantworten darf und wir durch unsere kostenlosen Studienreisen viele junge Menschen an die zeitgenössische Kunst heranführen konnten", so Gustav Holtkemper, Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Bank Berlin, bei der Preisübergabe.


Die 1.000.000ste Besucherin der Ausstellung Marie-Louise Dietrich neben
dem Regierenden Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit.
Foto: (c) Courtesy Verein der Freunde der Nationalgalerie, Berlin

Damit bricht die Schau alle Berliner Besucherrekorde im Kunstbereich und gehört weltweit zu den erfolgreichsten Sonderausstellungen. Bis zum 19. September gastieren die Kunstwerke aus dem New Yorker Museum of Modern Art mit verlängerten Ausstellungszeiten in Berlin. Noch mehr Neugierige zogen in Berlin bisher nur Sonderausstellungen an, die wenig oder nichts mit Kunst zu tun hatten. In die höchst umstrittene Körperwelten-Schau kamen vor drei Jahren rund 1,4 Millionen Besucher in sieben Monaten. Die bislang spektakulärste Kunstaktion war allerdings die Reichstagsverhüllung : Mehr als fünf Millionen Menschen sahen sich 1995 Christos Werk an. Wenn sich am Sonntag, dem 19. September um 22.00 Uhr die Pforten des MoMA in Berlin endgültig schließen und der Ausstellungserfolg mit einem großen Feuerwerk vor der Nationalgalerie gefeiert wird, sind zwei Menschen mit Sicherheit ebenso erschöpft wie zufrieden: Als Projektleiter haben Katharina von Chlebowski und André Odier die Jahrhundert-Schau von Anfang an mit begleitet. Im Interview mit db artmag ziehen Sie ein kurzes Resümee.



Katharina von Chlebowski und André Odier
Foto: © Courtesy Verein der Freunde der Nationalgalerie, Berlin

Wie fühlen Sie sich jetzt gegen Ende der Ausstellung?

Katharina von Chlebowski: Das ist gar nicht so einfach zu beschreiben. Irgendwie glücklich und erschöpft zugleich. In jedem Fall haben wir in sieben Monaten so viele Erfahrungen gemacht, wie unter normalen Umständen in sieben Jahren. Wir standen als Ausstellungsmacher vor absolut neuen Fragestellungen, die bisher völlig außerhalb unseres Vorstellungshorizontes lagen. Es gab viele gefälschte Eintrittskarten und auch bei E-bay wurden immer wieder Tickets angeboten.

Was waren Ihrer Meinung nach die Hauptgründe für den Erfolg der Ausstellung?

André Odier: Da kam vieles zusammen. Ein wichtiger Grund war sicherlich das Versprechen, Meisterwerke des 20. Jahrhunderts zu zeigen, die jeder als Reproduktion kennt und eigentlich schon immer einmal im Original sehen wollte. Hinzu kamen der außergewöhnlich konsequente Werbeauftritt und natürlich die Erlebnislust beim Publikum. In der Warteschlange Menschen kennen zu lernen, die aus aller Herren Länder sich einreihen, um das "Gesamtkunstwerk" erleben zu können, war bestimmt für viele sehr reizvoll: Gespräche, Begegnungen, ein bisschen Abenteuer und dann ein Tempel, in dem man verweilen kann, solange man will - da bot sich doch einiges.

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