In dieser Ausgabe:
>> Rückblick: Die 35. Art Basel 2004
>> Presse zu "Man in the Middle" und "Design seen at MoMA"

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Belebter Marktplatz für erlesene Kunst:
Die 35. Art Basel 2004



Menschentrauben vor dem Eingang, dichtes Gedränge in den Gängen des Erdgeschosses - warten, um einen Moment ungestört den Blick auf die Beiträge der Art Statements im ersten Stock richten zu können: it's Art Basel time. Für db artmag fasst Dr. Christina Schroeter-Herrel , Leiterin der Kunstberatung, Private Wealth Management, Deutsche Bank AG, im Rückblick die Trends und Tendenzen der größten Kunstmesse der Welt zusammen.



Impression Art Basel 2004, Courtesy Art Basel

Bereits vor der offiziellen Eröffnung der diesjährigen Kunstmesse in Basel waren am 15. Juni eine Vielzahl von Kaufentscheidungen getroffen. Die auffallend hohe Zahl der roten Punkte belegte, dass an diesem Tag der Vorbesichtigung nicht nur Kunstflaneure, sondern zahlreiche Kunstsammlerinnen und -sammler ganz gezielt unterwegs gewesen sind.

Die Art Basel war auch dieses Jahr bei Besuchern wie Ausstellern gleichermaßen beliebt. 850 Galeristen hatten sich beworben, ist es doch für die eigene Marktpositionierung und die Umsatzzahlen immanent wichtig, gerade bei dieser so renommierten Kunstmesse dabei zu sein. Die Jury hatte 270 Galeristen zur Teilnahme zugelassen, immerhin zehn mehr als im vergangenen Jahr. Mit 58 Galerien war die USA am stärksten vertreten, gefolgt von 54 deutschen und 37 schweizerischen Galerien. 22 Galerien kamen aus Frankreich und 20 aus Großbritannien, sowie 18 aus Italien und weiteren Ländern. Rund dreißig Galerien stellen dieses Jahr erstmals aus, die überwiegende Zahl davon präsentierte zeitgenössische Kunst oder klassische Fotografie.



Impression Art Basel 2004, Courtesy Art Basel

Bis zum letzten Tag der Messe am 21. Juni konnten über 52.000 Besucher gezählt werden - etwa 2000 mehr als im Jahr 2003. "Wie jedes Jahr ist die Baseler Messe das Highlight in meiner Galeriearbeit. Man trifft die Crème de La Crème der Kunstwelt, welche sich in Basel immer kauffreudig zeigt", äußerte sich die Frankfurter Galeristin Bärbel Grässlin und sprach damit aus, was viele Aussteller empfanden. Die Züricher Galerie Ammann konnte beispielsweise die beiden glamourösen Warhol-Siebdrucke Diamond Dust Shoes von 1980 gleich am Messebeginn veräußern. "Dieses Jahr haben wir an jedem Tage etwas verkauft. Die Sammler wussten genau was sie wollten; es war toll", konnte denn auch Doris Ammann gegen Ende der Messe konstatieren. Keine Frage, die Strategie der Aussteller, wie bislang auf Qualität und die großen Künstlernamen des 20. Jahrhunderts zu setzen, ohne dabei die Sensibilität für neue Wege der Kunst der Gegenwart zu verlieren, ging auf.



Impression Art Basel 2004, Courtesy Art Basel

Wenige Wochen zuvor wechselte bei dem Auktionshaus Sotheby's Picassos bedeutendes Werk Knabe mit Pfeife (1905) aus der blauen Periode zum Auktionsrekord von rund 104 Millionen US $ den Besitzer. So war es verständlich, dass mancher Galerist gerade Werke von Picasso ins rechte Licht rückte. Bei mehr als 27 Galerien wurden Arbeiten des Künstlers angeboten. In der Regel handelte es sich jedoch um Gemälde aus späteren Werkphasen: etwa das Frauenbildnis von 1937 aus der Sammlung von Dora Maar ( Galerie Jan Krugier) oder das aus dem Jahr 1954 stammende Porträt Sylvette sur fond rouge ( Marlborough Gallery). Fast ebenso häufig begegnete man Werken von Joan Miró, dem noch bis zum 15.9. 2004 die Fondation Beyeler in Basel-Riehen in der bemerkenswerten Ausstellung Calder - Miró besondere Aufmerksamkeit widmet. Im Bereich der Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die sich traditionell im Erdgeschoss konzentrierte, waren unter anderem Josef Albers, Alexander Calder, Willem de Kooning, Jean Dubuffet, Max Ernst, Alberto Giacometti, Fernand Léger und Henri Matisse sehr gut vertreten.



Impression Art Basel 2004, Courtesy Art Basel

Bislang zeigte die Art Basel ihre besondere Stärke vor allem im Bereich der Kunst der Klassiker des 20. Jahrhunderts. Doch seit einigen Jahren versucht man in besonderem Maße zeitgenössischer Kunst Raum zu bieten. Diese Tendenz setzte sich dieses Jahr fort. So konnte man stolz vermelden, dass "an keiner anderen Kunstmesse so viele Galerien für zeitgenössische Kunst (ca. 200) ausstellten" wie auf der 35. Art Basel 2004.

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