In dieser Ausgabe:
>> Robert Mapplethorpe und die klassische Tradition
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Einweihung in die Subkultur:
„Heavenly Creatures“ im Kunstraum der Deutschen Bank Salzburg


Mit einer ungewöhnlichen Gruppenausstellung werden vom 22.07. – 31.08.2004 im Kunstraum der Deutschen Bank Salzburg Positionen der jungen amerikanischen figurativen Malerei präsentiert. Initiiert von der Galerie Thaddaeus Ropac führt „Heavenly Creatures“ in das Reich jugendlichen Begehrens und thematisiert das Unheimliche, Geisterhafte und Romantische in der Popkultur.


„Die besten Menschen haben fast alle schwache Lungen oder Knochenkrankheiten. Ist das nicht schrecklich romantisch?“ fragt die von Kate Winslet verkörperte Protagonistin in Peter Jacksons 1994 entstandenem Film Heavenly Creatures. Basierend auf einem authentischen Fall, erzählt Jackson die Geschichte zweier junger Mädchen, die sich Anfang der fünfziger Jahre in Christchurch, Neuseeland anfreunden und mit einer homoerotisch gefärbten Liebesbeziehung in eine psychotische Phantasiewelt aus mittelalterlichen Königreichen und paradiesischen Gärten abtauchen, um schließlich einen ganz realen Mord zu begehen.



Hideaki Kawashima: Dark Idea, 2004
Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg

Teen-Angst, Romantik, Todessehnsucht, das Verlangen nach Intimität und Geborgenheit: Im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe NEXT GENERATION initiiert die Galerie Thaddaeus Ropac im Kunstraum der Deutschen Bank Salzburg nun eine ungewöhnliche Ausstellung, deren Titel Heavenly Creatures sich mit all jenen Elementen assoziiert, die dem gleichnamigen Film Kultstatus beschert haben. Kuratiert von der in New York und Wien lebenden Künstlerin Lisa Ruyter und dem New Yorker Kunstwissenschaftler Max Henry, werden internationale Positionen von Künstlern der jüngsten Generation vorgestellt, die sich dem Genre Porträt und der Darstellung des menschlichen Körpers in der Malerei verschrieben haben. Zugleich geht es hier um den Entwurf abgründiger Gegenwelten, die Reiche des Unbewussten, Unheimlichen und Verdrängten – um jene „schrecklich romantischen“ Wünsche einer Jugendkultur, die Eltern zum Weinen bringt, und die von einer gigantischen Unterhaltungs- und Modeindustrie mit medialen Bildern genährt wird.


Rita Ackermann: You knocked the salt over, Installation, 2004
Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg

Hören die himmlischen Kreaturen von heute Marilyn Manson oder schwingen sich als androgyne Dandys in Designermode von Victor und Rolf ins Nachtleben, deutet bereits das Motiv auf der Einladungskarte zur Ausstellung an, dass der Weg zum Abseitigen mit der Kenntnis von bestimmten Ritualen verbunden ist: You knocked the salt over, die 2004 entstandene Installation der in New York lebenden Künstlerin Rita Ackermann, zeigt einen veritablen Hexensabbat, einen Geheimbund gefährlicher, urbaner Schönheiten, die - gleichermaßen von Goya und Grunge inspiriert - ihrem magischen und erotischen Treiben nachgehen. Kunst ist Alchemie, so deutet es der rußgeschwärzte Kessel in Ackermanns Installation an. Demnach verbindet sich für viele, der bei Heavenly Creatures vertretenen Künstler, das Experimentieren mit Geschlechterrollen und Identitäten mit der genauen Kenntnis der Bildsprache der Massenkultur und jenen visuellen Zutaten, die Träume von Schönheit, Sex und Rebellion beflügeln.

Den Verheißungen kollektiven Glücks oder politisch organisierten Engagements stellen die Kuratoren von Heavenly Creatures allerdings ganz bewusst die Prägungen persönlicher Mythen und Obsessionen gegenüber. „Unsere Ikonen haben uns enttäuscht, seien dies Prominente, Priester, Politiker oder Sportler. Dennoch gibt es in der Kunst den hartnäckigen Versuch, all die unterschiedlichen Einflüsse, die uns umgeben in Einklang miteinander zu bringen“, erklären sie in einem Statement zur Ausstellung. Mit der Hinwendung zu eigenen, fantastischen und geheimnisvollen Sinnbildern, die gleichermaßen aus der Popkultur wie aus der Kunstgeschichte gespeist werden, liegen sie voll im Trend. So plant die Frankfurter Schirn Kunsthalle im nächsten Jahr mit Wunschwelten – Neue Romantik in der Kunst der Gegenwart eine große Schau zum Thema. Übersättigt von schlechten Nachrichten, Kriegsberichten und verheerenden Bildern des Terrors, so die Macher der Romantik- Ausstellung, begänne eine Suche nach Orten der Sicherheit und der Zuflucht. Immer dringender werde das Verlangen nach Auswegen, Idealen und rettenden Perspektiven, an dessen Ende die Sehnsucht nach einer ewig heilen Welt stünde. Eine ganze Reihe junger Maler knüpfe entschlossen an den romantischen Geist an, an die Sehnsucht nach dem Paradiesischen, Schönen und Märchenhaften.


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