In dieser Ausgabe:
>> Mythos MoMA: Design seen at MoMA
>> Mythos MoMA: Massenkultur und Pop Art

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Der Look des Atomic Age


Wie die Kunst, so das Leben: Schon in seiner Gründungszeit war das New Yorker MoMA auch an einer Verbesserung des amerikanischen Alltags durch gutes Design interessiert. Das Museum richtete Wettbewerbe für herausragende Möbelentwürfe aus und scheute selbst die Zusammenarbeit mit großen Warenhäusern nicht. Am Ende wurde "Good Design" made in USA, das derzeit im Berliner Kunstgewerbemuseum parallel zur großen Meisterwerke-Schau in der Neuen Nationalgalerie gezeigt wird, zum Markenzeichen einer experimentierfreudigen Moderne. Bettina Allamoda gibt einen Überblick zur Geschichte der Design-Sammlung des Museum of Modern Art.



Florence Knoll, Showrooms in San Francisco, 1957, Foto: courtesey Knoll International

Der Schwarzen Freitag erreichte 1929 nicht nur die Wall Street. Der Börsencrash wirkte bis in die heimische Welt der einfachen Leute hinein. In der darauffolgenden Depression war die Vorstellung einer neuen Einrichtung mit modernen Möbeln, Haushaltsgeräten, oder selbst der Kauf von Werkzeugen und Kleidern für die Masse der Amerikaner utopisch geworden.

In einer Zeit, in der das Bauernporträt American Gothic von Grant Wood (1930) den Alltag repräsentierte, lebten viele Hunderttausende zwischen Ost- und Westküste noch bis in die fünfziger Jahre hinein ohne Stromanschluss. Das orientierungslose und in Sachen Design unerfahrene Amerika sollte zum guten Geschmack erzogen werden. Aber auch für eine möglichst stilvolle und elegante Massenproduktion, sowie für deren Konsum musste erst gesorgt werden: Das New Yorker MoMA war das erste Museum, in dem eine eigene kuratorische Abteilung für Architektur und Industrielles Design eingerichtet wurde.

Seit seiner Entstehung 1929 hatte sich das Museum unter seinem Direktor Alfred H. Barr Jr. zur Aufgabe gemacht, einer breiten Öffentlichkeit die Bedeutung der Moderne zu vermitteln: "Zur Anregung und Entwicklung der Erforschung der modernen Kunst und deren Produktion und Anwendung im Alltag", heißt es im Statut. Als Förderer des Modern Movement prägte das MoMA 1932 mit der Ausstellung Modern Architecture - International Exhibition den Begriff des International Style. Am Bauhaus hatte man sich zu dieser Zeit gegen die Entwicklung einer solchen neuen Formensprache gesperrt und sich um die Gestaltung einer der industriellen Kultur gemäßen Lebensweise bemüht. So bestand für den Bauhausgründer Walter Gropius das Ziel gerade darin, keinen Stil oder Kanon, kein System und kein Dogma zu entwickeln, sondern gegen die klassischen Vorstellungen einer sich verfestigenden "Schule" anzuarbeiten, wie sie an den altmeisterlichen Kunstakademien vorherrschte. Mit der Reduktion auf formelle Aspekte wie Flachdach, weißer Kubus oder Glasfassade der New Yorker Ausstellung aber ging das Bemühen um die Konzipierung einer Ästhetik und Gestaltung einher, die den Bedingungen kultureller Modernität angemessen war. Damit hatte man aber unvermeidlich einen neuen Stil etabliert: Weltweit wurde von Amerika ausgehend ein Design zum Markenzeichen, das sich ursprünglich aus Versatzstücken des Bauhaus und des französischen "Esprit Nouveau" zusammensetzte.


Charles und Ray Eames, rocking chair, 1950, Hersteller Herman Miller Inc., Zeeland, USA. Kunstgewerbemuseum Berlin, Foto: Saturia Linke

Zwischen Stromlinienform und Maschinen-Ästhetik

Unter dem Motto Building the World of Tomorrow war das Modern Movement auf der New Yorker Weltausstellung von 1939 visuell erfahrbar und als Formensprache omnipräsent. Das Setting kam aber eher dem filmischen Science-Fiction eines Fritz Lang ( Metropolis, 1926) oder dem 1936 gedrehten Flash Gordon näher als den strengen Prinzipien von Le Corbusier oder Walter Gropius. Wesentliches Dekorationselement war die Stromlinienform, die flächendeckend eingesetzt wurde.

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