In dieser Ausgabe:
>> Carl Fudge in der DB NY
>> Nam June Paik im Deutsche Guggenheim

>> Zum Archiv

 
Fraktale Verhüllung: Carl Fudge in der Deutschen Bank New York


Vom 29. April bis 8. Juni 2004 zeigt die Deutsche Bank New York in ihren Ausstellungsräumen in der 60 Wall Street Siebdrucke des britischen Künstlers Carl Fudge, der seit zehn Jahren in der Stadt lebt und als Stipendiat der Deutschen Bank New York Foundation 2003 ausgezeichnet wurde.



Rhapsody Spray, 2000 (c) Carl Fudge, New York

Wer in diesen Tagen den Ausstellungsräumen im neu bezogenen Gebäude der Deutschen Bank in New York einen Besuch abstattet, mag überrascht werden. Die Begegnung mit den Siebdrucken des britischen Künstlers Carl Fudge (1962) erinnern sogleich an die bunten Muster, die den Stil internationaler Jugendszenen prägen. Die satten Farben und geometrisch-abstrakten Muster auf den Bildern erinnern nicht von ungefähr an die poppigen Designs von Mode, Musik und Comic. Seine Ausgangsmotive findet Fudge sowohl in den Illustrationen historischer japanischer Zeichnungen, als auch in der Welt der Anime und Manga-Comics.


Mobile Suit, 2001 (c) Carl Fudge, New York


Einer speziellen Arbeitweise folgend unterwirft Fudge seine Motive einem aufwendigen Bearbeitungsprozess, bei dem digitale Techniken ebenso zum Einsatz kommen, wie minutiöse Handarbeit beim Zeichnen und Drucken der Arbeiten. In den abstrakten Kompositionen, die dabei

entstehen, bleibt das Original als verwischte Spur ablesbar: In der Serie Mobile Suit (2001) scheinen die derart verfremdeten Roboter der populären Sci-Fi Zeichentrick-Serien "Transformers" wie hinter einer geriffelten Glasscheibe hervor, und könnten ebensogut der Darstellung historischer japanischer Krieger entsprungen sein. Die Dualität, die sich in diesem Spiel mit dem Gegensatz von schnellkonsumierbarer Pop-Ästhetik und kulturell überfrachteten Bildmotiven zeigt, spiegelt die Rolle des Künstlers als Vermittler zwischen Alltagswelt, Werbung und Glamour auf der einen Seite und dem Kunstwerk als Endprodukt auf der anderen. Der Künstler hält sich im Hintergrund.



Cliff, 2003 (c) Carl Fudge, New York

Einen Kontrapunkt zu Mobile Suit bildet der Siebdruck Tattooed Blue (2002), der den Oberkörper einer weinenden Frau auf gleiche Weise verfremdet darstellt und als Motiv aus dem Manga-Repertoire von Erwachsenen-Comics schöpft. Inhaltlich wendet sich der Künstler hier der privaten Sphäre zu, die auch in weiteren Arbeiten der Ausstellung thematisiert wird. In Cliff (2003) abstrahiert Fudge eine erotische Ukiyo-e Darstellung aus der japanischen Kunst des 17. Jahrhunderts und verweist damit auf die strikte Trennung von Öffentlichkeit und Privatheit in diesem Kulturkreis. Wie bei den nur unter Eingeweihten gehandelten erotischen Zeichnungen, die nicht für die Augen der Öffentlichkeit bestimmt waren, spielt auch Fudge mit der metaphorischen und figurativen Verhüllung des Bildzitats. Seine fraktalen Manipulationen hinterfragen die Lesbarkeit von Bildern zwischen Abstraktion und Repräsentation, Inhalt und Bedeutung. Sie spiegeln nicht zuletzt das künstlerische Dilemma, das sich in der fortschreitenden Verwischung der Grenzen zwischen Original und Kopie manifestiert.


Tatooed Blue, 2002 (c) Carl Fudge, New York


Die Ausstellung kann nach telefonischer Anmeldung unter T: +1 (0)212.250.3207 von Montags bis Freitags besucht werden. Am 13. Mai um 17:00 Uhr bietet sich die Gelegenheit, mit dem Künstler in der Ausstellung über seine Arbeiten zu sprechen.

M.M
.