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Global Groove 2004:
Nam June Paik im Deutsche Guggenheim



Nam June Paik ist ein Pionier der elektronischen Medien. Die Vision einer nahezu total medialisierten Welt findet in seinen Videoarbeiten, Objekten und Installationen seit den frühen sechziger Jahren immer wieder innovative Ausdrucksformen. Mit der Ausstellung Global Groove 2004 im Deutsche Guggenheim präsentiert der in den USA lebende koreanische Künstler vom 17. April bis zum 9. Juli 2004 in Berlin seine neue Multi- Monitor Installation. Seine. Die aktuelle Installation verbindet Videoexperimente aus vier Dekaden mit einem rasanten Cut- Up aus Popmusik, Performanceaufnahmen und verfremdeten Fernsehbildern.



Nam June Paik: Global Groove, 1973, Video Still
Courtesy of Electronic Arts Intermix
©Electronic Arts Intermix



Als Hommage an die Medienkunst wird Global Groove 2004 die Ausstellungsräume des Deutsche Guggenheim in Berlin in einen dynamischen Raum aus bewegten Bildern auf Wänden und Bildschirmen verwandeln. Paiks erste große Installation seit den Laserprojekten, die für die Retrospektive The Worlds of Nam June Paik im Guggenheim Museum in New York entstanden sind, feiert die Rückkehr des Künstlers nach Berlin, den Ort vieler seiner Erfolge.




Nam June Paik: Global Groove, 1973, Video Still
Courtesy of Electronic Arts Intermix
©Electronic Arts Intermix

In einem dynamischen Environment aus Bildschirmwänden und Monitorclustern wird der Besucher mit einer visuellen Flut verfremdeter Fernsehimages und Videosequenzen konfrontiert: Zu Rockmusik steppende Tänzer, Pepsi Werbespots, trommelnde Navajo Indianer, psychedelische Farbwirbel, das grotesk verzerrte Gesicht Richard Nixons, Material aus aktuellen

Nachrichtensendungen, Game Shows und Soaps - und immer wieder kristallisieren sich aus diesem rasanten Wirbel Körper und Stimmen jener Musiker, Schriftsteller und Künstler , die mit Paik Geschichte geschrieben haben: John Cage , Merce Cunningham, der Beat- Poet Allen Ginsberg, Karlheinz Stockhausen , das New Yorker Living Theatre, die Cellistin und Performerin Charlotte Moorman. Die Installation arbeitet auch mit Paiks Markenzeichen, den „Video Walls“, in denen mehrere Monitore zum Zweck dissonant orchestrierter Videovorführungen zu kompakten, rasterförmigen Blöcken montiert werden.

Global Groove 2004 greift den Titel von Paiks legendärem Videoband Global Groove (1973) auf, das die Vision eines weltweit zu empfangenden Künstlerfernsehens propagierte. 1974 auf WNET/Thirteen in New York gesendet, wurde das facettenreiche Werk zu einem der einflussreichsten Klassiker der Videokunst. Die 1973 im Artists‘ Television Laboratory von WNET produzierte Videoarbeit, vertritt einen umfassenden Kulturbegriff, der Paiks künstlerischen Umgang mit dem Fernsehen und für das Fernsehen konzipierten Videoproduktionen illustriert. Paik macht das Sendestudio zu einer experimentellen Bühne für Tänzer, Musiker und Performance-Künstler. Anlässlich des 30. Jahrestags der Ausstrahlung von Global Groove präsentiert Global Groove 2004 eine Installation aus Paiks Global TV-Projekten der späten 60er und 70er Jahre. Sie ist ein Zusammenschnitt von Global Groove und den einkanaligen Bändern 9/23 Experiment with David Atwood (1969), Suite 212 (1977) und Merce by Merce by Paik (1975-78), die alle Paiks typische Bildbearbeitung und die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern illustrieren.


Nam June Paik: Global Groove, 1973, Video Still
Courtesy of Electronic Arts Intermix
©Electronic Arts Intermix


Den Rahmen von Global Groove 2004 im Deutsche Guggenheim bildet eine strenge, minimale Video- Installation, die auf Paiks Closed – Circuit Arbeiten der sechziger und siebziger Jahre zurückweist. Wie auch Paiks wohl berühmtestes Werk TV Buddha (1974) konfrontiert One Candle (1988) auf sinnliche und philosophische Weise das Abgebildete mit dem Abbild. Eine einzelne brennende Kerze wird von zwei Kameras aufgenommen und von mehreren Projektoren in den Fernsehfarben Blau, Rot, und Grün auf die Wände projiziert. Dies ist eine der wenigen Videoprojektionen Paiks: Der Raum ist erfüllt von den sich überlagernden lebendig flackernden Kerzen, die in verschiedenen Mischfarben erscheinen. Während die „reale“ Kerze langsam niederbrennt, wird mit dem Prozess der Bildübermittlung die Zeit erfahrbar. One Candle lässt uns auf paradoxe Weise die Vergänglichkeit spüren – sowohl unsere eigene, als auch die der Medienbilder, die uns tagtäglich überfluten.



Die Ausstellung Nam June Paik: Global Groove 2004 wird von einem Rahmenprogramm begleitet. Informationen zu den Führungen im Deutsche Guggenheim finden sie unter www.deutsche-guggenheim.de und zum Filmprogramm im Kino Arsenal in Berlin unter www.fdk-berlin.de.