In dieser Ausgabe:
>> Deutsche Bank Art auf der Art Frankfurt / Deutsche Bank sponsort Frieze Art Fair
>> Sugimoto im Städel / Entfernte Nähe: Parastou Forouhar

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Beitritt frei! Das Deutsche Guggenheim feiert die Europawoche in Berlin

Willkommen zur Europawoche:Kunstfans aus Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern können gegen Vorlage eines Reisepasses oder ähnlichen Dokuments die Ausstellung Nam June Paik: Global Groove 2004 in der Woche vom 1. bis 7. Mai kostenlos besuchen. Als Hommage an die Medienkunst verwandelt Nam June Paik das Deutsche Guggenheim in Berlin in einen dynamischen Raum aus bewegten Bildern. Paiks erste große Installation seit den Laserprojekten, die für die Retrospektive The Worlds of Nam June Paik im Guggenheim New York entstanden sind, feiert die Rückkehr des Künstlers nach Berlin, den Ort vieler seiner Erfolge.


Die Berliner Europawoche findet 2004 wieder zeitgleich in allen 16 Bundesländern vom 1. bis 9. Mai statt. Sie wird unterstützt von der Bundesregierung, der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament. Inhaltliche Schwerpunkte der Europawoche sind in diesem Jahr die Erweiterung der Europäischen Union, der europäische Verfassungsprozess sowie die Wahlen zum Europäischen Parlament am 13. Juni. Mit über 200 Verstaltungen bietet die diesjährige Europawoche ein breites Spektrum unterschiedlicher Aktivitäten. Unter dem Motto "Beitritt frei!" feiern auch die Museen in der Haupstadt mit: Wie auch im Deutsche Guggenheim haben dort alle Besucher aus den 10 EU-Beitrittsländern in der der Woche vom 01.05. bis 07.05.2004 freien Eintritt.


Nam June Paik: Global Groove 2004

Deutsche Guggenheim Unter den Linden 13/15, 10117 Berlin Öffnungszeiten: Täglich 11 bis 20 Uhr Donnerstags bis 22 Uhr




Sugimoto trifft Holbein im Frankfurter Städel


In aufschlussreicher Gegenüberstellung zu Hans Holbeins altmeisterlichen Gemälden sind Hiroshi Sugimotos 1999 im Auftrag der Deutschen Guggenheim geschaffenen Porträts Heinrichs VIII und seiner Frauen als Leihgaben der Deutschen Bank Art zur Zeit im Frankfurter Städel zu besichtigen.

Hiroshi Sugimoto:
Heinrich VIII, 1999
Sammlung Deutsche Bank
Hiroshi Sugimoto:
Jane Seymour, 1999
Sammlung Deutsche Bank


Verstörend lebendig wirken die überlebensgroßen Schwarz-Weiß-Fotografien der Wachsfiguren von Heinrich VIII und seinen sechs Frauen, die den Besucher in der Rotunde des Frankfurter Städelmuseums derzeit in Empfang nehmen. Die Aufnahmen dieser berühmten historischen Persönlichkeiten, die der japanische Künstler Hiroshi Sugimoto in Madame Tussaud's Londoner Wachsfigurenkabinett vor einem dramatisch ausgeleuchteten schwarzen Hintergrund sorgsam arrangiert inszenierte, verdeutlichen mit fast halluzinogener Präzision den Zwiespalt zwischen fotografierter und erlebter Realität.

Anlässlich der Holbein Ausstellung Der Bürgermeister, der Maler und seine Familie, die noch bis zum 23. Mai im Frankfurter Städel zu besichtigen ist, bietet sich mit Sugimoto trifft Holbein die einmalige Gelegenheit, Sugimotos Arbeiten aus der Serie Portraits in unmittelbarer Nachbarschaft zu den gemalten Originalen von Hans Holbein d.J. zu betrachten. Der Vergleich ist anregend und beunruhigend zugleich: Wie zeitgenössische Fotografien der altmeisterlich Porträtierten wirken Sugimotos Schwarz-Weiß Aufnahmen, die ihren ästhetischen Reiz aus einer doppelten medialen Brechung gewinnen: Der Übertragung der zweidimensionalen Darstellung auf den Gemälden aus dem 16. Jahrhundert in die plastische Form und den realen Stoff der wächsernen Nachbildungen, und von dort zurück in die zweidimensionale Fotografie. Ihre fast surreale Präsenz und Entrücktheit entreissen die Fotoarbeiten Sugimotos aus ihrem Entstehungskontext und fordern zur Meditation über Zeit, Geschichte und Erinnerung auf.

In der Gegenüberstellung zeitgenössischer Kunstfotografie mit der Kunst des fotografischsten von allen großen altdeutschen Malern versteht sich die Präsentation von Sugimotos Arbeiten zudem als programmatischer Auftakt und Bindeglied zu den Fotografie-Ausstellungen, die im Städel in diesem Frühjahr folgen werden: So darf sich der Besucher schon jetzt auf die Arbeiten von August Sander und Charles Sheeler freuen.




Parastou Forouhar in der Ausstellung "Entfernte Nähe"


Seit Jahren kämpft die im Iran geborene Künstlerin Parastou Forouhar darum, dass der Mord an ihren Eltern endlich aufgeklärt wird. Ihre Zeichnungen, mit denen sie in der Sammlung Deutsche Bank vertreten ist, zeigen den alltäglichen Terror der Mullah-Bürokratie. Jetzt ist Forouhar mit der bedrückenden Installation "Werkreihe Bemusterung" in der Berliner Ausstellung "Entfernte Nähe" im Haus der Kulturen der Welt zu sehen.



Parastou Forouhar: Ohne Titel, aus der Serie "Schuhe ausziehen",
2001/2002 ©Sammlung Deutsche Bank

Seit 1991 lebt die im Iran geborene Künstlerin Parastou Forouhar in Deutschland im Exil. Nach einem Studium an der Kunstschule in Teheran war sie 1990 nach Offenbach gekommen, um dort an der Hochschule ihre Kenntnisse in Grafik und Gestaltung zu verfeinern. Doch die Geschichte des Iran ließ sie nicht los und führte am 22. November zur Tragödie: An diesem Tag erhielt sie die Nachricht, dass man ihre Eltern, die regimekritischen Politiker Darjush Forouhar und Parvaneh Eskanderi, in ihrer Wohnung ermordet hatte; nach den Tätern wurde niemals ernsthaft gefahndet.

Von diesem Moment an war für Parastou Forouhar klar, dass sie mit ihrer Kunst gegen die Ungerechtigkeit, den Terror und vor allem gegen das Schweigen im Iran kämpfen musste. Seither versucht sie, das Verbrechen an ihren Eltern aufzuklären. Immer wieder ist sie nach Teheran gereist, hat bei Behörden vorgesprochen, hat um Nachforschungen gebeten. Vergeblich. Geblieben ist ein endloser Schriftverkehr mit den verantwortlichen Mullahs, dazu zahlreiche Zeichnungen, auf denen Forouhar die Schikanen der iranischen Alltagsbürokratie darstellt. So ist ihre zwischen 2001 und 2002 entstandene Serie Schuhe ausziehen, die von der Sammlung Deutsche Bank erworben wurde, aktive Erinnerungs- und Trauerarbeit zugleich.



Parastou Forouhar: Nr.1, aus der Serie "Gabel,
Werkreihe Eslimi", 2003 ©Parastou Forouhar

Auch wenn Forouhar die politischen Machenschaften des Iran immer wieder angreift, so findet sie die Formensprache für ihre künstlerischen Arbeiten doch in der gegenwärtigen Kultur ihrer Heimat. Schon deshalb wurde sie von der Kuratorin Rose Issa für die Ausstellung neuer iranischer Künstler mit dem paradigmatischen Titel Entfernte Nähe eingeladen. Das Ergebnis ist die in einen extra Container eingebaute Installation Werkreihe Bemusterung: Die garagengroße Wellblechbox ist von innen mit schmuckvoll ornamentierten Kissen ausgekleidet. Doch erst aus der Nähe offenbart sich das Muster als ein Geflecht aus aneinandergereihten Messern, wird der Schrecken des totalitären Regimes unter der Oberfläche aus dünnem Stoff sichtbar. Als Besucher ist man unmittelbar in diese Spannung aus verfeinerter Form und den Symbolen der Gewalt einbezogen. Indem sich die Elemente aus Design und Nutzbau bei Forouhar ineinander fügen, wird die Kluft zur restriktiven Gesellschaftsordnung im Iran greifbar - man ist still umfangen von einem Gefängnis, in dem die visuelle Norm dominiert.

Die Installation Werkreihe Bemusterung von Parastou Forouhar ist noch bis zum 9. Mai in der Ausstellung Entfernte Nähe im Haus der Kulturen der Welt, Berlin, zu sehen.