In dieser Ausgabe:
>> Get into the Global Groove!
>> TV Nation
>> Sex, Zen und Videotapes
>> Das TV-Lächeln des Caravaggio

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Mit der gleichen Energie, mit der er Fernsehgeräte, Kameras und Videorecorder zu immer neuen Installationen kombinierte, oder zu Skulpturen zusammensetzte, widmete sich Paik der Störung und Verfremdung jener Bilder, die seine Kunstwerke speisten.


Family of Robot: Mutter und Vater, 1986
Einkanal- Videoinstallation mit alten Radios und Fernsehern
Nagoya City Art Museum, Japan
©Foto: Cal Kowal

Während Künstler wie Wolf Vostell noch die vorhandenen Schalter am Fernsehgerät für Bildverfremdungen verwendet hatten, begann Paik die elektromagnetischen Wellen in der Kathodenstrahlröhre mit den Magnetströmen eines Hufeisenmagneten (Magnet-TV, 1963-65) zu manipulieren und das Monitorbild zu verzerren. Durch den 1970 von Shuya Abe und Paik entwickelten Videosynthesizer wurde die Manipulation der elektromagnetischen Wellen in Fernseherröhren systematisch steuerbar. Als Vorform der computergestützten Transformation digitalisierter Bilder erzeugte der Abe–Paik-Videosynthesizer psychedelische Bilder von einer bis dahin ungeahnten Farbigkeit und Strahlkraft.


Good Morning Mr. Orwell ,1984 Videostill
Courtesy of Electronic Arts Intermix© Electronic Arts Intermix

Das dokumentiert auch sein berühmtes Videoband Global Groove von 1973, für das er mit großer Präzision Bilder in langsamen oder schnellen Frequenzen kombinierte. Analog zu den heftigen Fluxusgesten und den Momenten absoluter Stille in seinen früheren Performances wechseln hier Bilderrausch und Leere einander ab. Wie in den gigantischen Multi-Monitor Installationen, die Paik während der letzten Jahrzehnte schuf, sind auch in den Video- Remixen, etwa als Global Groove 2004, das nun im Deutsche Guggenheim gezeigt wird, die Bezüge zur Komposition und performativen Aktion immer deutlich spürbar: als Auseinandersetzung mit Zeit, Bewegung, Klang, Stille und Raum. Ganz gleich ob man sich vom aufpeitschenden Rhythmus der unzähligen Bilder auf einer seiner Videowände mitreißen lässt, oder mit den Augen eines steinernen Buddhas seinem medialen Abbild ins philosophische Nichts folgt, mit Sicherheit leitet uns Paik auf jene leere Straße, die geradewegs zu uns selbst führt.

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