Artcouture

Der Glamour von Fashion hat die zeitgenössische Kunst stets beeinflußt. Auch die Moderne schlug Brücken zwischen beiden Bereichen: Joseph Beuys trug seinen Hut als Markenzeichen, Andy Warhol verdingte sich als Model. Heute greifen Künstler wie Erwin Wurm oder Alba d'Urbano mit Witz und Ironie die Schönheitsversprechen der Mode auf.


Comics für Louis Vuitton

Der japanische Künstler Takashi Murakami hat im letzten Sommer einen gewaltigen Coup gelandet: Sein buntes Comic-Design wurde zum Markenzeichen für Louis Vuitton. Nach der Liaison mit dem edlen Modelabel sucht Murakami nun den Erfolg in Hollywood und erklärt im Interview, wie eine Kunst aussehen kann, die endlich die Massen erreicht.


Issey Miyakes Laufstegkunst

Schon in den siebziger Jahren wurde der japanische Modemacher Issey Miyake mit seinen Entwürfen zum Star der New Yorker Kunstwelt. Seither hat er immer wieder Künstler zur Zusammenarbeit eingeladen. Nun setzt auch sein neuer künstlerischer Leiter Naoki Takizawa auf die raffinierten Comic-Malereien von Takashi Murakami und Chiho Aoshimo.


Die Muse der Mode: Claudia Skoda

Claudia Skoda war federführend bei der Modenschau "Kunst und Papier auf dem Laufsteg", die anläßlich der Ausstellung "The Swimmer in the Econo-mist" 1998 im Deutsche Guggenheim stattfand. Im Interview spricht die prominenteste Berliner Designerin über zwitschernde Modelle, Künstler am Trapez und andere inspirierende Performances.


Der Labelpirat Olaf Nicolai

Er hat Nike-Turnschuhe als aufblasbare Hüpfburgen im Museum ausgestellt, ein Parfüm für Parkbäume kreiert, Prada-Anzüge raubkopiert und Pailettenstoff zu Teppichboden verarbeitet. Der Berliner Olaf Nicolai sucht nach einem Konzept, bei dem sich Kunst und Mode als Ausdruck einer zeitgemäßen und postmodernen Lebensvielfalt verschränken.


 

Artcouture

Im März herrscht Hochbetrieb auf Pariser Laufstegen. Bei den Pret-a-Porter-Schauen zeigen die großen Modehäuser ihre Frauen-Kollektionen für den kommenden Herbst und Winter. Das Spektakel zieht nicht nur Fachpublikum an, sondern auch Popstars, Prominenz und bildende Künstler. Denn die Entwürfe eines John Galliano, Alexander McQueen oder Issey Miyake sind zur Inspirationsquelle für zeitgenössische Kunst geworden. Die Grenzen zwischen Hochkultur, Pop und Fashion lösen sich allmählich auf, deshalb widmet sich db-art.info in diesem Monat der „artcouture“. ++++++ Seit Beginn der Moderne haben sich Künstler um den Brückenschlag zur Mode bemüht: Der Jugendstil wollte mit funktionalen Kleidern die Frauen vom „Diktat der Mode“ befreien. Doch eine Künstlerin wie Sonia Delaunay sah es ganz anders – und eröffnete selbst eine Boutique. Harald Fricke über Wahlverwandschaften im Zeichen des Schicks, zu denen Andy Warhols Karriere als Model ebenso gehören wie die Pullover-Skulpturen von Erwin Wurm, die Vorbild für Videoclips der Red Hot Chili Peppers sind. ++++++ Der Künstler Takashi Murakami arbeitet mit seinem New Yorker Kaikai Kiki Studio an der Entgrenzung von Kunst und Mode. Seine Comic-Designs und Vignetten zieren Taschen von Louis Vuitton. Cheryl Kaplan hat mit dem japanischen Shooting-Star darüber gesprochen, wie Kunst die Massen erreichen kann. ++++++ Issey Miyakes Entwürfe werden in Museen ausgestellt, während der Couturier selbst gerne mit Künstlern zusammenarbeitet. Heute folgt sein künstlerischer Leiter Naoki Takizawa der gleichen Philosophie, wenn er Takashi Murakami oder dessen Assistentin Chiho Aoshima Modelinien und Issey-Miyake-Shops gestalten lässt. ++++++ Manchmal schafft zuviel Gemeinsamkeit auch Verwirrung: „Die Entwürfe von John Bock stellten für die Beteiligten eine Herausforderung dar, weil er die Modelle vor der Show über und über mit Rasierschaum überzogen hatte“, erinnert sich Deutschlands berühmteste Modemacherin, Claudia Skoda, im Interview an die Modenschau „Kunst und Papier auf dem Laufsteg“ zurück, die 1998 unter ihrer Leitung im Deutsche Guggenheim stattfand. ++++++ Dagegen ist für Olaf Nicolai Mode das ideale Material seiner konzeptuellen Arbeiten, weil sie nicht nur Schönheit und Geschmack sichtbar macht, sondern auch gesellschaftliche Wünsche aufzeigt. Kunst und Mode sind Ausdruck von Selbstwahrnehmung: So leben wir, so schillern wir.