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James Rosenquist: Eine Retrospektive in Houston

Ab Mitte Mai steht Houston im Zeichen James Rosenquists. Gleich zwei renommierte Museen zeigen hier die bislang umfassendste Retrospektive seiner Arbeiten. Auch die Deutsche Bank und die Solomon R. Guggenheim Foundation sind mit wichtigen Leihgaben vertreten.


James Rosenquist, Mirage with Bedshet Escape Ladder, 1975
Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2003
Sammlung Deutsche Bank

"Es gibt Maler und es gibt amerikanische Maler", schrieb die Times Mitte der achtziger Jahre und rechnete James Rosenquist eindeutig den letzteren zu. International gilt der New Yorker Künstler als einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Pop Art. Rosenquist begann seine Karriere als Reklamemaler. Noch heute sind die Einflüsse der Werbung in seinem Werk deutlich spürbar.

Bereits in den frühen sechziger Jahren entwickelte er seine eigene Form des "Neuen Realismus", indem er Motive aus Anzeigen und Plakatwerbung zerlegte, neu kombinierte und auf großformatige Leinwände übertrug. In seinen Werken ließ er künstlichen Bodennebel aufsteigen, um auch die Decke und den Boden seines Bild-Raumes zu entmaterialisieren. So verwendete er auch herabhängende, bemalte Kunststofffolien, um seine Collagetechnik in die dritte Dimension zu überführen. Diese Technik ermöglichte es ihm, rätselhafte und visionäre Bildkompositionen zu erschaffen, in denen sich erzählerische und abstrakte Strukturen überlagern, und die häufig einen kritischen politischen Kommentar beinhalten. Immer wieder erscheint auf Rosenquists Bildern das glänzende Chrom von Maschinen und Autoteilen, in denen sich Images aus der Werbung und den Massenmedien spiegeln und zu verfremdeten Formen verzerren.

"Im Mittleren Westen wuchs ich mit Automobilen auf, erinnerte sich Rosenquist 1972 im Interview mit artforum: "Ich kannte all ihre Namen auswendig. Ich kam nach New York, um hier einige Zeit zu verbringen und hatte keine Vorstellung von dem, was angesagt und modisch war. Ich fühlte mich wie im Abseits. Die Dinge zogen an mir vorbei, ich begriff wirklich nicht, was um mich herum geschah, und das galt nicht nur für die Autos. Es gab soviel anderes, und ich merkte, dass das, woran ich mich erinnern konnte, für meine Sache sehr wertvoll war."

Als eines der wichtigsten Kunstereignisse dieses Frühjahres wird vom 17. Mai bis zum 17. August 2003 James Rosenquist: A Retrospective von zwei Museen in Houston präsentiert. Gemeinsam zeigen die Menil Collection und das Museum of Fine Arts Houston (MFAH) 210 Werke von 1958 bis zur Gegenwart. Auch wenn Rosenquists Oeuvre bereits in zahlreichen großen Ausstellungen dokumentiert wurde, ist dies seit 1972 die erste umfassende Präsentation, die sämtliche vom Künstler eingesetzte Techniken berücksichtigt.


Während die Menil Collection Rosenquists Arbeiten der fünfziger Jahre vorstellt, so auch mit F-111 eines seiner prominentesten Gemälde, konzentriert sich das MFAH auf die Arbeiten nach 1970. Auch die Deutsche Bank und die Deutsche Guggenheim sind mit wichtigen Leihgaben vertreten: So ist in Huston neben Mirage With Bedsheet Escape (1974) aus der Sammlung Deutschen Bank auch das monumentale Gemälde Swimmer in the Econo-mist zu sehen, das 1998 – im Rahmen des von der Deutschen Bank und der Solomon R. Guggenheim Foundation konzipierten Ausstellungsprogramms – die erste an einen Künstler vergebene Auftragsarbeit im Deutsche Guggenheim in Berlin war.

Dokumentiert wird die Entstehung des Werkes durch eine Reihe von Vorzeichnungen Rosenquists, die ebenfalls in Houston gezeigt werden. In der Tradition seiner Environmental Paintings verwandelte der Künstler die Wände des 510 Quadratmeter großen Raumes in ein Rundum-Gemälde. In Erinnerung an Deutschland und Berlin, das Rosenquist kurz nach dem Mauerfall besuchte, entstand auf drei Leinwänden ein aufwühlend dynamisches Deutschland-Bild. Mit über 48 Metern Länge ist es das bisher größte Gemälde Rosenquists.


Nach der Premiere in Houston wird die Ausstellung im Solomon R. Guggenheim Museum in New York und anschließend im Guggenheim Museum Bilbao gezeigt .