In dieser Ausgabe:
>> Exklusiv: Richard Artschwager
>> Genialer Kosmopolit: Robert Wilson
>> Kunst auf allen Etagen
>> "Waterworks" in der Lobby Gallery

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Mich interessiert Ihr Konzept der Surrogate, der Ersatzstoffe. Die Skulpturen aus Formica waren die ersten, bei denen Sie einen Ersatzstoff verwendet haben. Gibt es da eine Beziehung zu den Zeichnungen?

Ich habe gerade eine Zeichnung vollendet, für die ich einen groben Entwurf angefertigt hatte, und es war gar nicht so viel anders als mit Formica zu experimentieren. Der einzige Vorteil von Formica ist, daß man eine Menge damit anstellen kann, ansonsten schränkt es einen doch ziemlich ein. Es kann aber sehr ausdrucksvoll sein. Bei Formica bleibt das Bild auf der Oberfläche haften, es verhält sich vollkommen anders als sonstige Materialien.

Das Formica zieht den Betrachter an und stößt ihn gleichzeitig ab.

Ich habe für eine Woche in Madrid auf Spanisch unterrichtet. Bei einer der von mir gestellten Aufgaben sollte ein rundes Loch in eine Straßenkarte geschnitten und dieses Loch dann ausgefüllt werden. Jemand anderes bekommt die Scheibe und arbeitet damit weiter.

Das erinnert mich an die Zeichnungen in der Deutsche Guggenheim.


Untitled, 1981, Deutsche Bank Collection
©VG Bild-Kunst, Bonn 2003
Untitled, 2001, Deutsche Bank Collection
©VG Bild-Kunst, Bonn 2003


Die gehören wirklich zu meinen besten Arbeiten. Die Räumlichkeit, die scheint bei ihnen besser zu funktionieren.

Germano Celant hat einen interessanten Aspekt im Verhältnis zwischen dem Barock und Ihrer Arbeit entdeckt.

Er ist schließlich Italiener!

Celant schrieb, dass im Barock "Technologie genutzt wurde, um Konstruktionsprobleme zu lösen" und "dass die Transformation von Materie ohne intellektuelle Vermittlung der eigentliche Antrieb barocker Häresie sei."

Entledige dich der Schwerkraft, und du hast Barock oder Chaos. Diese eleganten Linien - man kennt sie von ägytischen und minoischen Plastiken. Im Barock sollen die Dinge schweben, die Schwerkraft ist aufgehoben.

Man sieht Ihren Arbeiten die Mühe nicht an. Kennen Sie die Malerei von Karin Davie? Ihre überdimensionalen Wirbel erinnern mich an Ihre marmorierten Arbeiten. Clay Ketter ist ein anderer Künstler, der einem einfällt, wenn man daran denkt, dass Sie früher Möbel gebaut haben.



Chair, 1987-90
©VG Bild-Kunst, Bonn 2003



Ich denke eher an Bob Mangolds jüngste Arbeiten, die viel ruhiger sind als die Bilder von Davie.



G.W. Bush, 2002© VG Bild-Kunst, Bonn 2003


Es gibt da bestimmt eine Querverbindung. Noch eine eher persönliche Bemerkung - Sie haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft - Lichtenstein war in derselben Einheit -

Das habe ich erst später herausgefunden. Er war Pionier. Das bedeutet Schlamm und Morast.

Welche Künstler interessieren Sie?

Brice Marden ist für mich der beste Maler überhaupt. Seine Malerei interessiert mich sehr.

Was ist mit dem Werk von Chuck Close?

Ja, natürlich, Chuck und ich sind dicke Freunde.

Ich dachte an Chuck Close, als wir über Lefrak City und Apartment sprachen, besonders wenn es darum geht, wie Sie Räumlichkeit sprengen und in Raster zerlegen. Wie bei Ihnen aus den einzelnen Ausschnitten ein Gefühl von Leben entsteht, das beschäftigt offensichtlich auch Chuck Close.

Chuck hat das auf den Punkt gebracht, und natürlich beneide ich ihn darum, ich bewundere ihn außerordentlich. Wer behauptet, jemanden derart zu bewundern ohne einen Anflug von Neid, der lügt einfach. Wir können froh sein, dass diese Gemälde existieren, es ist schön, sie um sich zu haben.

Es sind wundervolle Bilder.

Mein Gott, ja. Er ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen und fasste den Entschluss, Künstler zu werden, und seine Eltern waren begeistert davon, dass er Künstler werden wollte. Meine eigene Geschichte sieht ein wenig anders aus. Es hat meinem Vater das Herz gebrochen.

Weil er wollte, dass Sie Naturwissenschaftler werden?

Ja, natürlich.

Aber Ihre Mutter hat das verstanden.

Nein, sie war besorgt. Sie sagte: "Wovon willst Du denn leben?"

Sie konnte nicht wissen, dass Sie großen Erfolg haben würden.

Es tut mir sehr leid, dass mein Vater nicht mehr erlebt hat, dass ich es tatsächlich zu etwas gebracht habe. Das ist sehr traurig.




Cheryl Kaplan ist Künstlerin, Autorin und Kuratorin. Sie lebt in New York und schreibt für Flash Art, smok, tema celeste , BOMB und Art in America.


Übersetzung: Susanne Hofmann, Frankfurt

Copyright für alle Abbildungen von Richard Artschwagers Arbeiten: VG Bild-Kunst, Bonn, 2003


Richard Artschwager: "Auf und Nieder/Kreuz und Quer"
10.5 bis 6.7. 2003
Deutsche Guggenheim
Unter den Linden 13-15
10117 Berlin
Fon +49 - (0)30 - 20 20 93-0
Fax +49 - (0)30 - 20 20 93-20

Öffnungszeiten: täglich von 11 bis 20 Uhr; donnerstags bis 22 Uhr




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