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"Hier kommt die Kunst direkt zu ihren Betrachtern"

Verantwortlich für die Zürcher Sammlung der Deutschen Bank ist Renzo A. Berger. Die Beschäftigung mit der Kunst ist ihm ein wichtiges Anliegen, das er im Nebenamt zu seinen Hauptaufgaben als Managing Director (Private Wealth Management) versieht. Kurz vor Weihnachten führte er Andre Rogger durch die fünf Etagen des stattlichen Gründerzeitbaus am Zürcher Bahnhofquai und äußerte sich zu seiner Arbeit, aber auch zu seiner persönlichen Liebe zur Kunst.


Renzo A. Berger und Dr. Ariane Grigotait
Fotografie: ©Gaechter + Clahsen


Andre Rogger: Herr Berger, Sie betreuen die Zürcher Kunstsammlung der Deutschen Bank. Was sind Ihre Aufgaben?

Renzo Berger: Als Mitglied der Kunstkommission der Deutschen Bank kaufe und verwalte ich die Kunstwerke für unsere Sammlung in Zürich. Ich platziere diese in den Büros und Sitzungszimmern unseres Schweizer Sitzes und leihe die Werke auch an externe Ausstellungen aus, wenn ich angefragt werde.

Rogger: Wie groß ist der Bestand in Zürich im Vergleich zur gesamten Sammlung der Deutschen Bank? Wo liegen Ihre Schwerpunkte?

Berger: Im Vergleich zur gesamten Sammlung der Deutschen Bank, die rund 50.000 Werke umfasst, ist der Bestand in der Schweiz natürlich klein. In unseren Räumlichkeiten in Zürich versammeln wir einige hundert Kunstwerke. Die Auswahl konzentriert sich zu neunzig Prozent auf Arbeiten von Schweizer Künstlerinnen und Künstlern, während die restlichen Werke aus dem umliegenden deutschsprachigen Raum stammen. Zeichnungen und Aquarelle, Collagen, sowie Werke in Mischtechniken, aber auch Druckgrafik bis hin zu Fotografien dokumentieren die Vielfalt der Medien innerhalb des künstlerischen Arbeitens auf Papier, eine Gattung, die wir schwerpunktmäßig sammeln. Daneben finden sich aber auch einzelne Skulpturen und sogar Installationen in unserer Sammlung. Das Medium Video ist übrigens bis anhin noch nicht vertreten, doch vielleicht ändert sich dies bereits in naher Zukunft.

Wir haben keinen fixen Ablauf für die Sammlung in unserem Haus vorgesehen. Die Kunstwerke werden hauptsächlich in den Kundenzimmern ausgestellt, wobei wir den Grundsatz befolgen, in jedem Raum nur Werke eines einzigen Künstlers oder einer einzigen Künstlerin zu versammeln. Viele einzelne Werke sind aber auch in der Büros der Mitarbeiter ausgestellt.


Rogger: Welche Verbindungen pflegen Sie zur Schweizerischen Kunstszene? Und nach welchen Kriterien suchen Sie neue Werke aus ?

Berger: In enger Zusammenarbeit mit der Kollegin Dr. Ariane Grigoteit in Frankfurt pflegen wir regen Kontakt vor allem mit zürcherischen Galerien und Museen sowie Kuratoren. In Kooperation mit der Kunstabteilung der Deutschen Bank in Frankfurt entstehen somit für alle Außenstellen individuelle Konzepte und Sammlungen, die sich zu einem Ganzen fügen. Die Deutsche Bank ist durch ihre fundierte Ankaufsstrategie weltweit zu einer der größten Sammlerinnen von zeitgenössischer Kunst geworden. Bestimmend für das offene, zeitnahe Sammlungskonzept ist nicht ein musealer Anspruch an unsere Werke, sondern deren unmittelbare künstlerische Aussage und ihr Angebot, einen direkten Dialog mit dem Betrachter aufzunehmen, seien dies nun Kunden oder Mitarbeiter.

Rogger: Haben Sie persönliche Vorlieben innerhalb der Sammlung Deutsche Bank in Zürich ? Oder gar ein Lieblingswerk ?

Berger: Mir persönlich liegt die Fotografie sehr nahe. Die kargen und strengen Schwarzweiß-Aufnahmen zum Beispiel, die Balthasar Burkhard von Stadt- und Naturlandschaften in Nordamerika gemacht hat, regen mich sehr an. Ich habe auch privat eine kleine Sammlung angelegt, denn so karg etwa Burkhards Wüstenbilder auf den ersten Blick erscheinen, in mir setzen sie verborgene Gefühlspotentiale frei. Mir liegt aber auch die italienische Arte Povera und die britisch-amerikanische Land Art sehr am Herzen, die wie die Fotografie ganz unmittelbar von der Natur ausgeht und diese in ein neues Licht stellt. Es ist mir ebenfalls ein großes Anliegen, eine Arbeit von Roman Signer für die Sammlung Deutsche Bank zu erwerben. Signers mit großem Witz inszenierte Kunstaktionen finde ich sehr anregend.


Balthasar Burkhard: Berg, 1994
Sammlung Deutsche Bank, © Balthasar Burkhard

Rogger: Sehen Sie die Setzung lokaler Schwerpunkte als Teil Ihrer Strategie für den Finanzplatz Zürich ?

Berger: Nein. Wir sammeln Schweizer Künstler zur Unterstützung der Gesamtstrategie der weltweit verankerten Kunstsammlung der Deutschen Bank.

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