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>> Die Presse zu Bruce Naumans "Theatres of Experience"

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Die Presse über Bruce Nauman: Theatres of Experience im Deutsche Guggenheim

Bruce Nauman: Theatres of Experience im Deutsche Guggenheim ist die erste große Einzelausstellung Bruce Naumans in Berlin. Die Presse ist begeistert und ermutigt das Publikum: nur keine Angst vor sperriger Kunst.


"Manege frei für sinnliche Spielarten des grausam-komisch-mechanisch Anthropomorphen, oder, wie es der Ausstellungstitel insinuiert, für performative 'Theaterformen der Erfahrung'", ruft Alexander Kluy in der Frankfurter Rundschau . Bei Nauman drehe sich "alles um die Erforschungen visueller Überrumpelung und Nötigung, um die Effekte von Schauen, Spüren und Erschauern nach dem jähen Eintritt der Erkenntnis". Abweisend seien diese Arbeiten nur auf den ersten Blick, sie "erstaunen noch 20 oder 30 Jahre nach ihrem Entstehen durch ihren Witz und ihren Ernst, durch entgrenzende Technizität und distanzierende Emotionalität", schreibt der begeisterte Kritiker.

Im Tagesspiegel fragt sich Ulrich Clewing "angesichts dieser in mehrfacher Hinsicht sperrigen Kunst", wie Nauman einer der renommiertesten Künstler der westlichen Welt werden konnte: "Die Erklärung für diesen erstaunlichen Erfolg findet man am ehesten in den Videos und Neonarbeiten (von denen in Berlin allerdings nur eine präsentiert wird, Mean Clown Welcome von 1985). Hier erweist sich der Künstler als ein wahrer Meister der effektvollen Reduktion. Mit spärlichsten Mitteln erreicht Nauman, was in dieser Form offenbar nur Amerikaner können: eingängige, unterhaltsame, teilweise sehr komische Kunst herzustellen, ohne dabei platt, lau oder gedankenarm zu erscheinen."

Ingeborg Ruthe bescheinigt dem Künstler in der Berliner Zeitung "unheilbaren" Pessimismus, von dem jedoch ein gewaltiger Sog ausgehe: "Es gibt kein Erbarmen mit den Clowns und keine Gnade für das Publikum. In einer Endlosschleife des Videos Double No hüpfen die beiden Spaßmacher auf und ab, verkrampft, aber tapfer brüllen sie 'No, no, no!' Bis dem Zuschauer das Lachen vergeht, bis das Grinsen zur Maske gefriert wie im Gesicht der beiden armen Irren. Wenn man sich dann doch losreißt von dem Anblick, verfolgen einen die Nachbilder und Nachgeräusche."

In der Berliner Morgenpost stellt Gabriela Walde fest: "Sich selbst kann man nicht trauen, aber Nauman auch nicht, - auf Schritt und Tritt unterläuft er unsere (Selbst)Wahrnehmungen. Wenn man durch seinen klaustrophobischen Video Corridor aus Spanplatten stolpert, dann sieht man sich ganz woanders. Wo, wird nicht verraten!"

Michael Diers von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hat Ausstellung zuerst in schlechte Laune versetzt, denn "ausstellen heißt nicht auf-, schon gar nicht einfach abstellen. Diesen Eindruck vermittelt aber die Schau durch ihre sterile, uninspirierte Atmosphäre. Die einzelnen Installationen kommen sich laufend in die Sicht- oder Hörquere". Beglückt hat den Rezensenten dann jedoch die Performance Untitled von 1969, die von der Tänzerin Noreen Guzman de Rojas aufgeführt worden war. "Hier wird ein Körper zu Wand, Boden und Raum. Man nehme sich die Zeit und setze sich auf die Stufen. Bald hat man sich selbst, den Lärm und den Ärger über manche Unstimmigkeit der Ausstellung vergessen und weiß: Sie bewegt sich doch."

Anja Seeliger