In dieser Ausgabe:
>> "El Regreso de los Gigantes" in Buenos Aires
>> Robert und Sonia Delaunay im Centre Pompidou
>>  Haiku-Meister der amerikanischen Psyche
   >> Rosenquist: die Retrospektive
   >> Ein Interview mit James Rosenquist

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Ausstellungsansicht

A.R. Penck und Georg Baselitz, die in der DDR ihre künstlerische Ausbildung erhielten, reagierten mit ihren 'subjektiven' Mythologien auf die glatte Konsumwelt des Wirtschaftswunderlandes BRD. Bereits in den frühen sechziger Jahren entstand so eine mit Zeichen spielende Bildsprache und eine sich gegen die Vorherrschaft der abstrakten Kunst gewandte Malweise. Eine radikale Abkehr von der als übermäßig intellektualisiert empfundenen konzeptuellen und Minimal-Kunst vollzieht sich jedoch erst Anfang der achtziger Jahre mit den Auftritten der Jungen Wilden. Mit ihrer subjektiv begründeten Gegenständlichkeit stellten sich diese Künstler mit heftigen Gesten den eingespielten Konventionen des Kunstbetriebs entgegen. So unterliefen die Ausstellungen der Kölner Künstlergruppe Mühlheimer Freiheit, der Walter Dahn, Peter Bömmels (hierzu ein Interview in db-art.info 1) und Jiri Georg Dokoupil angehörten, die Erwartungen des Publikums: Ihre Arbeiten stapelten sich bis an die Decke und wurden direkt auf die Wand geheftet oder gelehnt. Die mit der Punkbewegung in der Musikszene längst vollzogene Umwertung aller Werte griff auf die Kunst über.

In Berlin fanden sich gleichgesinnte Akteure: Mit einer 1980 im Berliner Haus am Waldsee gezeigten Ausstellung, an der Rainer Fetting, Helmut Middendorf, Salome und Bernd Zimmer teilnahmen, fiel erstmals der Ausdruck "Heftige Malerei". Die Selbsthilfegalerie der Künstler am Moritzplatz in Kreuzberg, wie auch Salomes Punkband Geile Tiere, erlangten rasch Kultstatus und wurden zum festen Bestandteil der Berliner Szene.



Dieter Krieg: Ohne Titel, 1982, Sammlung Deutsche Bank


Die Vertreter der Heftigen Malerei griffen sowohl auf den klassischen Brücke-Expressionismus und Oskar Kokoschka wie auch auf das figurative Oeuvre ihrer "Lehrer" zurück. Ohne den Einfluss von Baselitz, Höckelmann, Hödicke, Krieg oder Lüpertz wäre dieser Bruch mit den Konventionen nicht denkbar gewesen.

Aus dem engen Kontakt zur Musikszene resultierten gemeinsame Projekte. Das 1978 in Berlin eröffnete SO36 wurde mit seinen Punk und New-Wave Konzerten zur Begegnungsstätte der jungen Berliner Kunstszene. Martin Kippenberger übernahm 1979 für ein Jahr die Geschäftsführung. Neben Musikauftritten wurden nun auch Ausstellungen veranstaltet, in denen unter anderen Elvira Bach ihre Badewannenbilder präsentierte. Ihre unmittelbare Umgebung darin in zeichenhafte Chiffren verwandelnd, dient ihr das Badezimmer als intimer Ausgangspunkt für die Introspektion. Aus diesen Selbstdarstellungen entwickelt sie später ihre dominierenden und in dieser Ausstellung präsentierten Frauenfiguren.

So ironisch und subversiv die Heftige Malerei auch agierte: Zwanzig Jahre später dokumentiert Die Rückkehr der Giganten einen Umstand, der heute nachdenklich stimmt: Neben Elvira Bach zählt Ina Barfuß zu den wenigen Künstlerinnen, die in den Malerzirkel der "Giganten" Einlass fanden.

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