In dieser Ausgabe:
>> Sigmar Polke in der Tate Modern
>> William Kentridge mit dem Goslarer Kaiserring ausgezeichnet
>> Deutsche Bank Art auf der Art Cologne

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Sigmar Polke in der Tate Modern

Schießen Sie nicht auf den Künstler! Sigmar Polke setzt sich in seinen Werken nun mal mit Aktualität auseinander. Einige seiner neuesten Bilder, zum Beispiel Fastest Gun in the West (2002), sind zur Zeit in der Ausstellung Sigmar Polke: History of Everything in der Londoner Tate Modern zu sehen. Die Ausstellung wurde zuerst in Dallas gezeigt, und daher stammen auch die Motive, die sich mit dem amerikanischen "Waffenwahn" auseinandersetzen.


Fastest Gun in the West, 2002
Private Collection
©Sigmar Polke


Polke, dessen Werke die Deutsche Bank schon seit Jahrzehnten sammelt und dem sie 1995 auch eine Ausstellungstournee widmete, hat aber auch für die Tate Modern einige Arbeiten eigens angefertigt, zum Beispiel zwei großformatige Gemälde, auf welchen sich einige Nudisten splitternackt in der Landschaft tummeln: Auf einem der Bilder jagt eine Frau nackt und lachend zwei ebenfalls unbekleidete Männer mit einer Mistgabel in einem paradiesischen Garten. Should We Blame the Parents?, fragt der Titel. "Diese Werke scheinen ein witziger Kommentar zu Britanniens zweideutiger Haltung zu Sex zu sein", schreiben die Kuratoren der Londoner Ausstellung etwas spitz auf der Website der Tate Modern.

Witz hatte Sigmar Polke von Anfang an. Der Kapitalistische Realismus, den er zusammen mit Gerhard Richter erfand, ironisiert zugleich den Begriff des Sozialistischen Realismus von jenseits der Mauer, aber er drückt doch auch eine konsumkritische Haltung aus, die die deutschen Künstler von der amerikanischen Pop Art unterschied.


Die britische Presse ist begeistert. "Verglichen mit Polke wirken die meisten Gemälde kraftlos, plump, unkreativ", schreibt zum Beispiel Adrian Searle, Kunstkritiker beim Guardian, über "Polkes erste große Londoner Schau". "Obwohl seine Kunst mit gebrauchten Materialien wie Zeitungsausschnitten, alten Fotos, alten Stichen, alten Pornos arbeitet, verwirrt sie: Und jeder der Polke festnageln will, wird über diese Verwirrung kaum hinauskommen."


The Hunt for the Taliban and Al Qaeda, 2002
Private Collection, courtesy Michael Werner, New York and Cologne
©Sigmar Polke


Die Ausstellung Sigmar Polke: History of Everything ist bis zum 4. Januar 2004 in der Londoner Tate Modern zu sehen.