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Heute ist vor hundert Jahren:
Anmerkungen zur Kunst im Bankgebäude am Frankfurter Roßmarkt


Peter Doig, Elisabeth Peyton, Miwa Yanagi: Die Kunstausstattung des neu bezogenen Gebäudes der "Corporate Cultural Affairs" der Deutschen Bank am Frankfurter Roßmarkt spiegelt das Profil und die Geschichte der Kunstsammlung der Bank wieder.

In jedem seiner Gemälde und Bilder scheint ein anderes Bild nachzuhallen, ein anderer Ort, der erinnert, erdacht, gemalt oder abgemalt wurde: Von Peter Doigs Druckgrafik 100 Years Ago (2001), das im erst kürzlich eingerichteten Büro von Dr. Ariane Grigoteit hängt, blickt dem Besucher ein langhaariger Kanufahrer entgegen, dessen Umrisse sich mit dem Rot des Bootes in den Wellen wiederspiegeln. Die auf dem Wasser treibende Gestalt könnte ein Jäger sein, und doch gleicht sie eher einer verblassten Rocklegende der Siebziger, einem Image von einem Plattencover oder Poster, das auf einem Flohmarkt entdeckt wurde.


Peter Doig, 100 Years Ago, 2001
Sammlung Deutsche Bank
Peter Doig, Surfer, 2001
Sammlung Deutsche Bank



So spekulativ wie der Titel der Arbeit ist auch die "gute alte Zeit", die das Bild beschwört – auf Doigs Gemälden gerinnen persönliche und kollektive Erinnerungen und Spuren von Erzählungen zu traumartigen Momentaufnahmen. Als "kostümierte Historienmalerei" hat der Londoner Kunstkritiker Adrian Searle Peter Doigs auf Schnappschüssen, Film- und Zeitungsbildern beruhende Bilder bezeichnet, deren Szenarien "falsch wie ein aufgeklebter Bart sind", und die es fast unmöglich machen festzustellen, wo die Wahrheit liegt, was gesehen oder was erfunden wurde, und was wir selbst erfinden.



Rossmarkt Frankfurt / Mn. um 1910




Rossmarkt Frankfurt /Mn., 1986

Es ist kein Zufall, dass Ariane Grigoteit als Leiterin der weltweiten Kunstaktivitäten der Deutschen Bank gerade Doigs Kanufahrer für ihren neu bezogenen Arbeitsplatz am Frankfurter Roßmarkt ausgewählt hat. Wie andere Vertreter der jüngeren Generation nutzt der 1959 in Großbritannien geborene und in Kanada aufgewachsene Künstler ein vermeintlich "klassisches" Medium wie die traditionelle Landschaftsmalerei, um es auf eigenwillige Art in der Gegenwart zu verankern. Immer sind es die widerstreitenden Komponenten, von abstrakt zu figurativ, von nah zu fern, von Augenblick zu Dauer, von Tradition zu Innovation, die die Spannung in den Bildern Peter Doigs aufrecht erhalten und sie zu einem ganz zeitgenössischen Ausdruck einer brüchigen, in vielen Facetten deutbaren Welt machen.

Die Frage nach dem Beitrag, den die Kunst leisten kann, um kulturelle Werte zu definieren und divergierende Weltanschauungen, Traditionen und gesellschaftliche Bedürfnisse miteinander in Austausch zu bringen, erfährt in Zeiten wirtschaftlicher und sozialer Umbrüche eine neue Dringlichkeit. Das betrifft auch die Unternehmenskultur: Bereits seit letztem Jahr werden in der Deutschen Bank die weltweiten kulturellen gesellschaftlichen Aktivitäten des Hauses als "Corporate Cultural Affairs" miteinander verknüpft und koordiniert. Im April dieses Jahres konnte der endgültige Sitz des neu gegründeten Unternehmensbereiches schließlich bezogen werden, um die Abteilungen und Stiftungen, die sich kulturell, sozial und gesellschaftlich engagieren, räumlich unter einem Dach zu vereinen: Auch die Deutsche Bank Art ist mit ihren Geschäftsräumen im neuen Domizil vertreten. Das soeben bezogene Haus am Roßmarkt 18 wurde in den Jahren 1903/04 im Auftrag der Diskonto-Gesellschaft errichtet. Nach den großen städtebaulichen Veränderungen der Kriegs- und Nachkriegszeit ist das Gebäude heute eines der wenigen erhalten gebliebenen Baudenkmäler auf dem zentralen Platz der Frankfurter Innenstadt.


Rossmarkt, Innenansicht

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